
Ein Biogas-BHKW erzeugt gleichzeitig Strom und Wärme. Der Strom kann direkt vor Ort genutzt oder ins Netz eingespeist werden, wofür der Netzbetreiber eine Einspeisevergütung zahlt. Blockheizkraftwerke gibt es in verschiedenen Leistungsklassen, angegeben in Kilowatt. Ein durchschnittliches Einfamilienhaus hat einen Heizbedarf von etwa 10 bis 20 kW. Wir erklären Leistungsklassen, Umweltbilanz, Auswahlkriterien und Kosten des Biogas-BHKW.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Ein Biogas-BHKW nutzt Biogas, um über einen Motor gleichzeitig Strom und Wärme zu erzeugen.
- Es gibt Mini- und Mikro-BHKW für Wohngebäude sowie mittelgroße und große Anlagen für Siedlungen und Gewerbe.
- Häufig kommt ein Gas-Otto-Motor mit geringen Stickoxidemissionen zum Einsatz.
- Für den erzeugten Strom gibt es Vergütungen; die Wirtschaftlichkeit hängt stark von den Betriebszeiten ab.
Leistungsklassen nach Kilowatt
Variante |
Leistung |
Details |
| Mini- und Mikro-BHKW | rund 10 kW elektrisch, rund 20 kW thermisch | für kleinere Betriebe sowie Ein- und Mehrfamilienhäuser |
| Mittelgroße BHKW | ab etwa 100 kW | für Gebäudekomplexe, Wohnsiedlungen und Gewerbebetriebe |
| Große BHKW | mehrere MW | für die Versorgung von Wohngebieten, Stadtteilen oder Gewerbegebieten |
Umweltverträglichkeit
Die Kombination aus Blockheizkraftwerk und Biogasanlage wandelt die im Biogas gebundene Energie direkt in Wärme und Strom um. Das BHKW nutzt das Biogas über Generatoren beziehungsweise Verbrennungsmotoren. Besonders verbreitet ist der Gas-Otto-Motor, der speziell für den Gasbetrieb entwickelt wurde und geringe Stickoxidemissionen aufweist. Möglich sind auch andere Motoren wie Stirling- oder Zündstrahlmotoren. Da Biogas aus nachwachsenden Rohstoffen und Reststoffen gewonnen wird, gilt es als weitgehend klimaschonend, sofern die Substrate nachhaltig erzeugt werden.

Auswahlkriterien
Wird das Biogas-BHKW mit einem Gas-Otto-Motor betrieben, sollte der Methangehalt im Biogas mindestens rund 45 Prozent betragen. Das ist in der Regel unproblematisch, da Rohbiogas meist 50 bis 75 Prozent Methan enthält; entscheidend ist das Ausgangssubstrat. Biogas-BHKW mit Zündstrahlmotor sind günstiger, aber wartungsintensiver:
- Der Motor basiert auf dem Dieselprinzip und wurde umgerüstet.
- Der Einsatz empfiehlt sich für Leistungen bis etwa 340 kW.
- Das nötige Zündöl sollte aus regenerativen Quellen stammen, um die Umweltbilanz nicht zu verschlechtern.
- Der Schadstoffausstoß ist etwas höher als beim Gas-Otto-Motor.
Betrieb der Anlage
Der Betrieb einer Biogasanlage läuft meist vollautomatisch ab. Dennoch sind regelmäßige, mindestens tägliche Kontrollen nötig, um die Sicherheit von Biogasanlage und BHKW zu gewährleisten. Alle vorgeschriebenen Wartungen müssen durch einen zuständigen Fachbetrieb ausgeführt werden. Da bei einem BHKW die Wartungsintervalle von den Betriebsstunden abhängen, sollten diese Kosten in die Wirtschaftlichkeitsrechnung einfließen. Wichtig ist außerdem eine gleichmäßige, ausreichende Substratversorgung, damit die Anlage im wirtschaftlich sinnvollen Bereich läuft.
Hersteller, Preise und Förderung
Biogas-BHKW lassen sich neu oder gebraucht erwerben; für kleinere Anlagen hat sich ein Gebrauchtmarkt etabliert. Es gibt Hersteller von Mini-BHKW mit Modellen unterhalb von 50 kW; ein Beispiel ist ein Gerät mit rund 9 kW elektrischer und 25 kW thermischer Leistung. Viele Anlagen sind flexibel und können neben Biogas auch Erd-, Flüssig- oder Klärgas nutzen. Beim Kauf sollte auf einen hohen Wirkungsgrad geachtet werden. Zu beachten ist, dass sich die Gesamtkosten nicht auf das BHKW allein beschränken, sondern die Biogasanlage, die Installation und die baulichen Voraussetzungen einschließen. Für motorbetriebene BHKW ist der Zuschlag nach dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz der zentrale Förderbaustein, während ein Investitionszuschuss über die Bundesförderung nur für Brennstoffzellen-Heizgeräte gewährt wird. Die Vergütung des eingespeisten Stroms senkt die laufenden Kosten. Die aktuellen Förderbedingungen sollten vor dem Kauf geprüft werden.
Genehmigung und Sicherheit
Der Betrieb einer Biogasanlage mit BHKW unterliegt zahlreichen Vorschriften. Je nach Größe und Standort sind Genehmigungen erforderlich, und es gelten Auflagen zum Gewässer-, Immissions- und Brandschutz. Da bei der Vergärung brennbare Gase entstehen, sind Sicherheitsvorkehrungen gegen Explosionen und Gasaustritt zwingend. Regelmäßige Kontrollen und die Wartung durch Fachbetriebe stellen den sicheren Betrieb sicher. Auch die Lagerung und Ausbringung der Gärreste ist geregelt. Wer eine Biogasanlage plant, sollte sich daher frühzeitig über die geltenden Anforderungen informieren und die Anlage von Fachleuten planen und errichten lassen, um Sicherheit und Rechtskonformität zu gewährleisten.
Für wen sich ein Biogas-BHKW lohnt
Ein Biogas-BHKW rechnet sich vor allem dort, wo eine Biogasquelle vorhanden ist und gleichmäßig Wärme und Strom benötigt werden. Typische Einsatzfelder sind landwirtschaftliche Betriebe mit eigener Biogasanlage, größere Wohnanlagen oder Gewerbebetriebe. Für ein einzelnes Einfamilienhaus ist der Aufwand einer eigenen Biogasanlage in der Regel zu groß; hier sind andere Lösungen sinnvoller. Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit sind hohe Betriebsstunden, ein hoher Eigenverbrauch des erzeugten Stroms und eine sichere Substratversorgung. Wer diese Voraussetzungen erfüllt, erhält mit dem Biogas-BHKW eine effiziente, weitgehend klimaneutrale Energieversorgung, die über den KWK-Zuschlag und die Stromvergütung wirtschaftlich attraktiv sein kann.
Die Kombination aus Wärme- und Stromerzeugung macht die Technik zudem besonders effizient, da der eingesetzte Brennstoff doppelt genutzt wird.
Fazit
Das Biogas-BHKW erzeugt gleichzeitig Strom und Wärme aus nachwachsenden Rohstoffen und ist damit eine effiziente, weitgehend klimaschonende Technik. Von Mini-Anlagen für Wohngebäude bis zu großen Anlagen für ganze Wohngebiete gibt es passende Leistungsklassen. Für die Wahl sind Motorart, Methangehalt und Wirkungsgrad entscheidend. Die Wirtschaftlichkeit hängt stark von den Betriebszeiten und der Substratversorgung ab. Da die Gesamtkosten auch die Biogasanlage umfassen und Förderungen wie der KWK-Zuschlag greifen, sollte die Anschaffung sorgfältig durchgerechnet und mit einem Fachbetrieb geplant werden.
