
Biogas spielt in der Wärmewende eine wachsende Rolle. Es entsteht aus organischen Abfällen und Reststoffen und bietet eine erneuerbare Alternative zu fossilem Erdgas. Aufbereitet zu Biomethan lässt es sich in bestehenden Gasheizungen nutzen und kann dazu beitragen, die Anforderungen des Gebäudeenergierechts zu erfüllen. Dieser Ratgeber erklärt, was Biogas ist, wie es aufbereitet wird, welche Qualitätsklassen es gibt und worauf Sie beim Heizen mit Biogas achten sollten.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Biogas wird durch Vergärung organischer Stoffe gewonnen und muss vor der Nutzung im Heizungsnetz zu Biomethan gereinigt und mit Methan angereichert werden. Erst dann entspricht es Erdgas in Heizwert und Effizienz.
- Aufbereitetes Biomethan wird dem Erdgas im Netz anteilig beigemischt. Rund 5.000 Biogasanlagen in Deutschland produzieren heizfähiges Gas. Nur ein Teil davon wird ins Gasnetz eingespeist.
- Nicht jeder Bio- oder Ökogastarif steht für echtes erneuerbares Gas. Verbraucher sollten Herkunft und tatsächlichen Biomethananteil prüfen, um tatsächlich regenerativ erzeugtes Gas zu beziehen.
Biogas im Gebäudeenergierecht
Seit dem 1. Januar 2024 gilt das Gebäudeenergiegesetz in novellierter Fassung. Es wird durch das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) abgelöst, das die pauschale 65-Prozent-Pflicht streicht und für neu eingebaute Öl- und Gasheizungen ab 2029 die Bio-Treppe vorsieht. Biomethan zählt dabei als erneuerbarer Anteil, sodass eine Gasheizung, die anteilig mit Biogas läuft, zur Erfüllung dieser Vorgabe beitragen kann. Wichtig ist die Aktualität: Das Gebäudeenergiegesetz soll 2026 durch das Gebäudemodernisierungsgesetz abgelöst werden, das Bundestag und Bundesrat beschlossen haben. Das GModG löst die starre 65-Prozent-Regel durch einen technologieoffenen Ansatz ab und bleibt für gasförmige erneuerbare Brennstoffe wie Biomethan offen. Für Regionen mit gutem Zugang zu Biomethan kann Gas damit auch künftig eine Option bleiben, insbesondere dort, wo Solar- oder Umweltwärme schwerer zu erschließen sind.
Grenzen und Realität
So sinnvoll Biomethan grundsätzlich ist, die verfügbaren Mengen sind begrenzt. Der überwiegende Teil des in Deutschland verbrauchten Gases ist weiterhin fossiles Erdgas. Wer sich auf einen Biogastarif verlässt, um die Erneuerbaren-Vorgabe zu erfüllen, sollte daher genau prüfen, ob der Anbieter tatsächlich Biomethan liefert und in welchem Anteil. Fachleute weisen darauf hin, dass Biomethan wegen seiner begrenzten Verfügbarkeit vorrangig dort eingesetzt werden sollte, wo eine Wärmepumpe oder ein Wärmenetz nicht infrage kommt.
Methananteil und Aufbereitung
Die Abfallprodukte aus der Landwirtschaft sind vielfältig, und entsprechend unterschiedlich fällt die Zusammensetzung des Rohbiogases aus. Reines Biogas besteht zu einem großen Teil aus nicht brennbaren Bestandteilen wie Kohlendioxid. Nur der Methananteil liefert die eigentliche Heizenergie. Ein herkömmlicher Gaskessel würde mit unbehandeltem Rohgas nicht zuverlässig arbeiten.
Deshalb ist die Aufbereitung ein unverzichtbarer Schritt: Das Gas wird gereinigt und auf einen hohen Methangehalt angereichert. Das so entstandene Biomethan entspricht in Heizwert und Effizienz weitgehend fossilem Erdgas und lässt sich ins Netz einspeisen. Für die Klimabilanz kommt es allerdings darauf an, wie viel Energie die Aufbereitung selbst benötigt. Erst wenn dieser Aufwand gering bleibt, fällt die CO2-Bilanz von Biomethan deutlich besser aus als die von fossilem Erdgas.
Austauschgas und Zusatzgas
Biomethan hat in vielen Gasnetzen bereits unbemerkt Einzug gehalten. Es wird von zahlreichen Versorgern anteilig dem Erdgas beigemischt. Unterschieden werden zwei Qualitätsklassen: Austauschgas entspricht in seinen Eigenschaften dem Erdgas und kann in herkömmlichen Gasheizungsanlagen ohne Anpassung genutzt werden. Zusatzgas darf dagegen nur begrenzt beigemischt werden, weil seine Eigenschaften stärker abweichen. Neben den gewerblichen Einspeiseanlagen gibt es viele kleine Erzeuger, vor allem aus der Landwirtschaft. Ein Teil der Gasanbieter auf dem deutschen Markt führt Bio- oder Ökogastarife im Sortiment.
Wie Biogas entsteht
Biogas entsteht bei der Vergärung organischer Stoffe unter Luftabschluss. In einer Biogasanlage werden landwirtschaftliche Reststoffe, Gülle, Bioabfälle oder Energiepflanzen in luftdichten Behältern von Mikroorganismen zersetzt. Dabei bildet sich ein Gasgemisch, das zu einem großen Teil aus Methan und Kohlendioxid besteht. Das Methan ist der energieliefernde Bestandteil, der später die Heizwärme bereitstellt. Je nach Ausgangsmaterial schwankt die Zusammensetzung des Rohgases, weshalb eine sorgfältige Aufbereitung nötig ist, bevor das Gas ins Netz eingespeist werden kann.
Für die CO2-Bilanz besonders sinnvoll ist Biogas dann, wenn es aus Rest- und Abfallstoffen gewonnen wird, die ohnehin anfallen. Werden dagegen eigens Energiepflanzen wie Mais in großem Umfang angebaut, steht das in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion und zur Artenvielfalt. Für die Bewertung eines Biogasprodukts ist die Herkunft des Ausgangsmaterials daher ein wichtiges Kriterium.
Was echtes Biogas ausmacht
Bei der Bewertung eines Tarifs lohnt ein genauer Blick, denn nicht jedes als Bio- oder Ökogas bezeichnete Produkt besteht aus regenerativ erzeugtem Gas. Zur Orientierung helfen drei Kriterien: wie die CO2-Bilanz des Gases ausgewiesen wird, ob es tatsächlich rein regenerativ erzeugt wurde und in welchem Anteil Biomethan beigemischt ist. Manche Versorger vertreiben Tarife als Ökogas, obwohl im Netz fossiles Erdgas fließt und der Klimaausgleich lediglich über Aufforstungsprojekte oder den Kauf von Emissionszertifikaten erfolgt. Solche Kompensationsmodelle sind kein regenerativ erzeugtes Gas, auch wenn sie einen Beitrag zum Klimaschutz leisten können.
Vor der Entscheidung informieren
Wenn Sie das Heizen mit Biogas in Betracht ziehen, sollten Sie sich über die Bezugsquellen und die angebotenen Qualitätsklassen informieren. In der Kalkulation sollten sowohl die Heizungsanlage als auch der Brennstoff in etwa mit dem Bezug von fossilem Erdgas vergleichbar sein. Grundlegende Informationen zum Biogasmarkt und zur Herkunft des Gases stellt die Deutsche Energie-Agentur über ihr Biogasregister bereit. Da Gas als fossiler Energieträger langfristig durch den steigenden CO2-Preis teurer wird, lohnt es sich, Biogas nicht isoliert zu betrachten, sondern im Vergleich mit Alternativen wie der Wärmepumpe zu bewerten. In der Gesamtbetrachtung ist Biogas ein wertvoller Baustein der Wärmewende, aber kein Allheilmittel. Seine begrenzte Verfügbarkeit spricht dafür, es dort einzusetzen, wo andere erneuerbare Lösungen schwer umsetzbar sind, etwa in dicht bebauten Bestandsgebieten oder in der Industrie. Für das einzelne Wohngebäude lohnt sich deshalb ein nüchterner Vergleich: Häufig ist eine Wärmepumpe über die Nutzungsdauer günstiger und unabhängiger von Brennstoffpreisen, während ein Biogastarif vor allem dann sinnvoll ist, wenn eine bestehende Gasheizung weiterbetrieben wird und der Anteil an echtem Biomethan nachvollziehbar hoch ist. Verbraucher, die sich für einen Biogastarif interessieren, sollten beim Anbieter gezielt nach Herkunftsnachweisen und dem konkreten Biomethananteil fragen. Nur so lässt sich beurteilen, ob es sich um echtes erneuerbares Gas oder lediglich um kompensiertes fossiles Erdgas handelt, und ob der Tarif tatsächlich zur Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen beiträgt. Kesselheld unterstützt Sie dabei, die Angaben einzuordnen und eine fundierte Entscheidung zu treffen.
Häufige Fragen zu Biogas
Erfüllt eine Gasheizung mit Biogas die gesetzlichen Vorgaben?
Grundsätzlich kann Biomethan den erneuerbaren Anteil abdecken, den das Gesetz für neu eingebaute Heizungen verlangt. In der Praxis ist die verfügbare Menge aber begrenzt und der Aufpreis erheblich. Verbindliche Nachweise über die tatsächlich gelieferte Menge sind zudem schwierig, weshalb reines Biogas selten die alleinige Lösung ist.
Was unterscheidet Biogas von Erdgas?
Biogas entsteht aus der Vergärung von Biomasse und ist bei entsprechender Aufbereitung als Biomethan chemisch mit Erdgas identisch, sodass es dieselbe Heizung nutzen kann. Der Unterschied liegt in der Herkunft und im Preis: Biomethan ist deutlich teurer und nur begrenzt verfügbar.
Ist eine Umrüstung der Heizung nötig?
Nein. Aufbereitetes Biomethan hat dieselben Eigenschaften wie Erdgas und lässt sich ohne technische Änderung in einer vorhandenen Gasheizung verbrennen. Sie beziehen es schlicht über einen entsprechenden Tarif Ihres Versorgers. Anders liegt der Fall bei Rohbiogas, das ohne Aufbereitung nicht ins Netz passt.
Ist Biogas wirklich klimaneutral?
Nur bilanziell und unter Vorbehalten. Bei der Verbrennung entsteht CO2, das zuvor von den Pflanzen aufgenommen wurde. Entscheidend sind aber Anbau, Transport und die Frage, ob Reststoffe oder eigens angebaute Energiepflanzen genutzt werden. Als knappe Ressource ist Biomethan zudem in Industrieprozessen oft sinnvoller eingesetzt als im Heizungskeller.
Lohnt sich Biogas für mein Haus?
Als Weg, eine vorhandene Gasheizung mit etwas geringeren CO2-Emissionen zu betreiben, kann ein Biomethantarif sinnvoll sein. Als Grundlage für den Neueinbau einer Gasheizung ist er wegen des Preises und der begrenzten Menge riskant. Wo möglich, ist eine Wärmepumpe die verlässlichere und günstigere Lösung.
