hydraulischer abgleich
30. August 2016 /

Hydraulischer Abgleich – Was ändert sich künftig für Hausbesitzer?

Geht es um die energetische Heizungsmodernisierung, fällt ein Schlagwort immer wieder: Der hydraulische Abgleich. Er ist Pflicht für die Förderprogramme der KfW und BAFA und hilft das Heizungssystem mit überschaubaren Kosten zu optimieren.

Hausbesitzer können zwischen Verfahren A und B bei der Durchführung des hydraulischen Abgleichs wählen. Ursprünglich sollte Verfahren A zum 31.12. 2016 eingestellt und durch Verfahren B abgelöst werden. Dies ändert sich jedoch mit der neuen Fachregel zur Optimierung von Heizungsanlagen im Bestand. Kesselheld zeigt welche Verfahren künftig angewendet werden dürfen und welche Voraussetzungen für die Anwendung zu erfüllen sind.

Außerdem erklären wir, wann ein hydraulischer Abgleich erstellt werden muss, wie hoch die Kosten sind und welche Vorteile für Hausbesitzer zu erwarten sind.

Was ist der hydraulische Abgleich?

Moderne Heizungsanlagen sind komplexe Systeme. Bei der Einstellung des Thermostats zum Beispiel auf Stufe drei, erzeugt der Heizkessel Wärme. Diese wird an das Heizungswasser übergeben und angetrieben von einer Pumpe zum Heizkörper transportiert.

Auf seinem Weg zu den jeweiligen Heizflächen muss das Wasser jedoch verschiedene Wege zurücklegen und unterschiedliche Widerstände überwinden. Während diese bei Heizkörpern oder Fußbodenheizungen nahe am Wärmeerzeuger sehr klein sind, können sie bei weit entfernten Heizflächen – zum Beispiel bei denen im neu ausgebauten Dachgeschoss – sehr hoch sein.

Optimale Einstellung der Druckverhältnisse

Da das Heizungswasser immer den Weg des geringsten Widerstandes wählt, würde es die Wärme ohne entsprechende Maßnahmen ungleichmäßig im Haus verteilen. Die leicht erreichbaren Heizkörper bekämen zu viel, während die weit Entfernten kalt blieben. Die Heizungspumpe müsste mehr leisten, es käme zu unangenehmen Strömungsgeräuschen und auch die Stromkosten würden steigen.

Damit das alles nicht passiert, werden bei einem hydraulischen Abgleich die Widerstände aller Fließwege in einem Heizungssystem – also die Rohrstränge vom Wärmeerzeuger zu den Heizflächen – aufeinander abgestimmt. Das Heizungswasser hat somit auf allen Wegen die gleichen Bedingungen und kann die Wärme gleichmäßig und ohne großen Aufwand im gesamten Haus verteilen.

Welche Vorteile hat ein hydraulisch abgeglichenes Heizsystem?

Der hydraulische Abgleich schafft ausgeglichene hydraulische Bedingungen in einer Heizungsanlage, wodurch die Wärme des Kessels gleichmäßig im gesamten Haus verteilt werden kann. Jeder Raum wird genau mit der für ihn notwendigen Energiemenge versorgt und störende Strömungsgeräusche – die zum Beispiel entstehen, wenn einzelne Heizkörper von zu viel Wasser durchflossen werden – können verhindert werden. In der Folge arbeitet auch die Heizungspumpe effizient und es werden keine unnötigen Kosten verursacht.

Wie funktioniert der hydraulische Abgleich? – Zwei Verfahren im Überblick

Zur Durchführung des hydraulischen Abgleichs besteht für Heizungsbesitzer die Möglichkeit zwischen zwei Verfahren zu wählen. Ein überschlägiges Verfahren A und ein detailliertes Verfahren B.

Im überschlägigen Verfahren A zum hydraulischen Abgleich geht es darum, einzelne Heizkörper auf den für sie notwendigen Heizwasserdurchfluss einzustellen. Grundlage für die Einstellwerte liefern jedoch nur Erfahrungswerte. So wird der Wärmebedarf des jeweiligen Raumes nach dem Gebäudealter und der Raumfläche abgeschätzt. Dieser Vorgang wird für alle Heizkörper in einem Gebäude wiederholt.

Im detaillierten Verfahren B zum hydraulischen Abgleich werden zunächst alle Räume in einem Haus genau untersucht. Mit einer Berechnung der Heizlast nach DIN EN 12831 kann dabei festgestellt werden, wie viel Wärme jeder Einzelne benötigt. Im zweiten Schritt wird der Heizwasserdurchfluss für jeden Heizkörper ermittelt. Anders als im hydraulischen Verfahren nach Typ A fließen dabei auch die spezifischen Eigenschaften der Heizungsanlagen (Vor-und Rücklauftemperatur, Größe der Heizflächen) in die Berechnung ein. Eine detaillierte Rohrnetzberechnung, bei der alle Armaturen und Leitungen im Netz berücksichtigt werden, gibt dann Auskunft darüber, wie Pumpen, Druckregelarmaturen und Thermostatventile eingestellt werden müssen.

Die beiden Verfahren im Vergleich

Im Vergleich der beiden Verfahren zum hydraulischen Abgleich ermöglicht das Detaillierte eine höhere Effizienz der Anlage. Denn durch die genaue Berechnung können nicht nur die Heizkörper richtig eingestellt werden. Auch die Leistung der Umwälzpumpe und die Vorlauftemperatur im Heizsystem sind optimal abgestimmt. Das sorgt für mehr Komfort sowie geringere Strom- und Heizungskosten. Das Verfahren A zum hydraulischen Abgleich sollte aus diesen Gründen nur noch bis zum 31.12.2016 sowohl für die KFW- als auch für die BAFA-Förderung angewendet werden dürfen. Dies ändert sich jedoch mit der neuen Fachregel „Optimierung von Heizungsanlagen“ im Bestand.

Welche Verfahren sind künftig zulässig?

Eine kürzlich veröffentlichte Meldung des VdZ Forums für Energieeffizienz in der Gebäudetechnik e.V zeigt: Auch das vereinfachte Verfahren A ist nach dem 31.12.2016 weiterhin zulässig. Der Geltungsbereich beschränkt sich hierbei allerdings auf die KfW- oder BAFA-Förderung von Einzelmaßnahmen, wozu auch der Austausch einer veralteten Heizung gehört. Für die Gewährung von Mitteln aus dem KfW-Heizungspaket dazu zählt die Zuschusshöhe von 15 Prozent des KfW-Förderprogramms 430 – ist das detaillierte Verfahren B zum hydraulischen Abgleich Pflicht. Gleiches gilt für die Förderung zum KfW-Effizienzhausstandard.

Neuerdings auch Förderung für den hydraulischen Abgleich als Optimierungsmaßnahme

Seit dem 1. August 2016 ist der hydraulische Abgleich nicht nur zwingende Voraussetzung für den Anspruch auf finanzielle Unterstützung, sondern wird über das BAFA selbst gefördert. Dabei handelt es sich um einen Zuschuss von 30 Prozent auf die Investitionssumme. Um Anspruch auf die Förderung geltend machen zu können, sind sowohl Verfahren A und B in Zukunft zulässig. Wichtig ist, dass optimierungswillige Verbraucher sich vor Beginn der Maßnahme über ein Online Formular auf der Internetseite des BAFA registrieren.

Fazit: Welches Verfahren im Eigenheim anzuwenden ist, hängt von den geplanten Sanierungs- und Modernisierungsvorhaben und den entsprechend geltenden Förderprogrammen ab.

Wann muss ein hydraulischer Abgleich erstellt werden?

Ein hydraulischer Abgleich ist immer dann sinnvoll, wenn sich wesentliche Bestandteile eines Gebäudes ändern. Das kann sowohl die Steigerung der energetischen Qualität der Gebäudehülle durch Dämmung oder neue Fenster als auch der Einbau neuer Heiztechnik sein. Sollen Förderungen für KfW-Effizienzhäuser oder Einzelmaßnahmen zur energetischen Sanierung beantragt werden, ist die Durchführung eines hydraulischen Abgleichs sogar vorgeschrieben.

Ob ein hydraulischer Abgleich in bestehenden Gebäuden auch ohne die beschriebenen Maßnahmen zu empfehlen ist, erkennen Hausbesitzer an folgenden Zeichen:

  • einige Heizkörper werden nicht richtig warm
  • an einigen Heizkörpern treten störende Strömungsgeräusche auf
  • alle Thermostatventile haben die gleiche Voreinstellung
  • die Thermostatventile haben keine Möglichkeit zur Voreinstellung

Was kostet ein hydraulischer Abgleich?

Soll ein hydraulischer Abgleich durchgeführt werden, entstehen Kosten für Arbeitszeit und eventuell notwendiges Material. Während Einfamilienhausbesitzer für die Untersuchung der Anlage mit etwa 500 Euro rechnen müssen, können noch einmal 300 bis 400 Euro für neue Thermostatventile hinzukommen. Soll zudem auch die alte Heizungspumpe getauscht werden, müssen 300 Euro extra eingeplant werden.

Wer kann einen hydraulischen Abgleich durchführen?

Während die Vorarbeiten zum hydraulischen Abgleich von einem Energieberater erledigt werden können, empfiehlt sich für technische Änderungen die Beauftragung eines Heizungsmonteurs.

Der hydraulische Abgleich macht es möglich die eigene Heizungsanlage optimal einzustellen. Durch die genaue Ermittlung der Einstellwerte für Heizkörper, Rohrnetz und Wärmeerzeuger profitieren Hausbesitzer von höherem Komfort und niedrigeren Kosten.

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