waermewende
13. Oktober 2017 /

Wärmewende: Was bedeutet das für Heizungsbesitzer?

Unter dem Oberbegriff Energiewende verbirgt sich mehr als die Umgestaltung der deutschen Energieversorgung. Besonders der Heizungsmarkt bietet großes Modernisierungspotenzial: Laut unserer Heizungsmarktstudie liegt das durchschnittliche Alter deutscher Heizungsanlagen bei den über 5.000 befragten Online Nutzern bei etwa 25 Jahren.

Was ist das Ziel der Wärmewende?


Jahr für Jahr soll Deutschland einen höheren Anteil der Energie aus regenerativen Ressourcen beziehen. Die Wärmewende konzentriert sich auf die Umsetzung dieser Strategie auf dem Heizungsmarkt und fungiert damit als Teil der Energiewende in Deutschland.

Derzeit haben erneuerbare Energien deutschlandweit einen Anteil von 13,5 Prozent an der Wärmeerzeugung. Laut dem Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. ist das Ziel, den Anteil regenerativer Energien am Endenergieverbrauch bis 2020 auf 18 Prozent zu erhöhen.

Wen betrifft die Wärmewende?

Wärme wird nicht nur in der Industrie, sondern vor allem in privaten Haushalten zur Warmwasserbereitung und Wärmeerzeugung benötigt. Laut Angaben des Umweltbundesamtes entfällt die Hälfte des deutschen Endenergieverbrauchs auf Wärmezwecke von privaten Haushalten. Um diesen Verbrauch zu reduzieren, bietet sich gerade hier großes Potenzial für Modernisierungen und einem bewussteren Umgang mit unserer Umwelt.

Im Folgenden erläutern wir die Ziele der Wärmewende und zeigen auf, wie Heizungsbesitzer einen Beitrag dazu leisten können.

Welche Maßnahmen unterstützen die Wärmewende?

1. Erneuerbare Energien bei der eigenen Heizung nutzen

Die Wärmepumpe ist ein Beispiel für eine regenerative Heizung. Denn gut dimensionierte Wärmepumpen beziehen die Energie für die Wärmeerzeugung dabei beispielsweise zu 75 Prozent aus der Umwelt und zu 25 Prozent aus Strom.

Die Anschaffung eines Heizungssytems, dass Wärmeenergie vollständig aus regenerativen Energien gewinnt, ist teurer als eine herkömmliche Öl- oder Gasheizung. Aus diesem Grund entwickeln Hersteller Heizungsanlagen, die sowohl fossile Brennstoffe, wie Gas oder Öl, als auch erneuerbare Energien nutzen.

Fossile mit erneuerbaren Energien mixen
Eine hybride Heizungsanlage ergänzt fossile Brennstoffe durch erneuerbare Energien. Ein typisches Beispiel ist die Kombination einer Solarthermie mit einem effizienten Gas- oder Öl-Brennwertkessel. Erstere findet dabei als Heizungsunterstützung und Warmwasserbereitung Anwendung.

Ein Pufferspeicher speichert die überschüssige durch Solarkraft erzeugte Wärme kurzzeitig zwischen und gibt diese bei Bedarf über einen Wärmetauscher auf das Heizwasser ab. Der Brennwertkessel übernimmt in dieser Konstellation eine unterstützende Funktion und schaltet sich erst zu, wenn die Solarthermie aufgrund von Winter oder wenig vorhandenem Sonnenlicht nicht ausreichend Wärme produziert.

In einem Hybridsystem sind solarthermische Anlagen bei richtiger Auslegung und Dimensionierung in der Lage bis zu 50 Prozent der Warmwasserbereitung zu übernehmen. Infolge dessen lassen sich bei den Heizkosten jährliche Einsparungen von über 30 Prozent realisieren. Denn eine hybride Heizungsanlage verbraucht über die Zuschaltung regenerativer Brennstoffe weniger fossile Brennstoffe als ein alleiniger Öl- oder Gasbrennwertkessel.

Solarenergie
Zudem lohnt sich für den Hausbesitzer die Überlegung, die eigene Dachfläche des Eigenheims zur Installation von Photovoltaikmodulen zu nutzen. Elektrische Heizungen können dann den erzeugten Strom in Wärme umwandeln.

Dies erspart Heizungsbesitzern den Bezug von vergleichsweise teurem Strom vom öffentlichen Grundversorger für den Betrieb der Heizung.

Lohnt sich die Nutzung erneuerbarer Energien?
Erneuerbare Energien haben gegenüber fossilen Brennstoffen einen klaren Vorteil: Sie sind unbegrenzt verfügbar und “erneuern” sich selbst. Fossile Brennstoffe hingegen müssen durch aufwendige Verfahren erst aufgespürt und anschließend gefördert werden. Die kostenintensiven Fördermaßnahmen und die natürliche Verknappung fossiler Brennstoffe lassen den Verkaufspreis für den Endverbraucher steigen. Starke Schwankungen der Gas- und Ölpreise sind die Folge.

Die Installation und Nutzung erneuerbarer Energien wird zudem staatlich gefördert. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) und auch die KfW Bank vergeben Fördergelder für die Modernisierung von Eigenheimen und Heizungsanlagen. So können Hausbesitzer und Immobilieneigentümer die Investitionskosten für neue Kombinations- und Hybridanlagen reduzieren. Durch die geringen Brennstoffkosten steigen die jährlichen Ersparnisse, sodass sich die Investition in eine neue Heizung bereits nach wenigen Jahren armortisiert.

Unter Betrachtung der Treibhausgas-Emissionen wird der ökologische Nutzen der regenerativen Energien besonders deutlich. Laut Umweltbundesamt wurden allein im Jahr 2016 36 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid durch die Nutzung erneuerbarer Energien auf dem Heizungsmarkt eingespart.

2. Digitalisierung und effiziente Heiztechnik

Im Zuge der Digitalisierung werden Anwendungen, Programme und neue Software entwickelt. Auch der Wärmemarkt kann sich diese zu Nutze machen: Smarte Heizungen und per App steuerbare Thermostate sind einige Möglichkeiten.

Immer mehr Hersteller investieren bei der Entwicklung Ihrer Produkte in intelligente Heizungssteuerungen, die der Verbraucher per Mobiltelefon auch über große Distanzen steuern kann. So ist das manuelle Regulieren der Heizung auch aus dem Urlaub kein Problem. Für einige Modelle sind mittlerweile auch Sprachsteuerungen verfügbar. Sie ermöglichen es, direkte Sprachbefehle an das Thermostat am Heizkörper zu richten.

Individuelles Heizverhalten – digital gesteuert

Digitale Anwendungen optimieren zusätzlich das eigene Heizverhalten. Da es dank der technischen Helfer nun schnell möglich ist, die Heizungstemperatur anzupassen, wird verstecktes Einsparpotenzial genutzt.

smarte heizung
Doch smarte Heizungen können viel mehr: Sie lernen den Tagesablauf Ihres Eigentümers und passen die Heizungstemperatur dementsprechend an. Ein individuelles Nutzerprofil wird erstellt und die Heizungssteuerung darauf abgestimmt.

Verlassen Sie also morgen das Haus und kehren erst spät-nachmittags zurück, senkt eine smarte Heizung automatisch die Temperatur während der Abwesenheit.

Auch Anwendungen zum richtigen Heizen und Lüften mit Timer-Einstellungen sind verfügbar. Diese garantieren, dass wenig Heizwärme nach außen abweicht und dennoch frische Luft im Wohnraum vorhanden ist.

3. Energetische Gebäudesanierung

Neben der Modernisierung der Heizungsanlage bieten sich weitere Möglichkeiten zur energieeffizienten Gestaltung des Haushalts. Maßnahmen zur Wärmedämmung und eine Isolierverglasung, aber auch Wärmedämmverbundsysteme sind beliebte Maßnahmen um Heizkosten zu sparen.

So sind Hausbesitzer in der Lage durch eine Dämmung der obersten Geschossdecke bei Kosten von ca. 1.000 Euro fast 200 Euro an Heizkosten einzusparen.

Längere Amortisationszeit bei ähnlichem Einsparpotenzial hat der Fensteraustausch:

Erfolgt der Wechsel auf Zweischeiben-Wärmeschutzglas statt einer herkömmlichen Einfachverglasung, sparen Immobilieneigentümer und Heizungsbesitzer in 10 Jahren etwa 1.000 Euro an Heizkosten ein.

Wie kann ich einen Beitrag zur Wärmewende leisten?

Die Wärmewende lässt sich durch die Handlungen jeder Einzelperson beeinflussen. Zwar steht die vollkommene Wende zu einem energieeffizienten, emissionsarmen Heizungsmarkt noch am Anfang, doch zeigen die Regularien langsam Wirkung: So haben Neubauten bereits heute aufgrund der Energieeinsparverordnung (EnEV) ein bestimmtes Effizienzmaß zu erfüllen und bestehende Gebäude alte, ineffektive Heizkessel aufzurüsten.

Das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) geht einen Schritt weiter: Es schreibt vor, dass Neubauten ihren Primärenergiebedarf zu mindestens 15 Prozent durch erneuerbare Energien, wie beispielsweise der Solarthermie, decken müssen. Der Primärenergiebedarf umfasst jedoch nicht nur den Energiebedarf des Hauses, sondern auch den energetischen Aufwand der Energieerzeugung und -übermittlung an den Haushalt.


Das EEWärmeG gilt zwar für ganz Deutschland, jedoch können Bundesländer im Rahmen dieser Gesetzgebung weitere Vorschriften erlassen.

In Baden-Württemberg sind nicht nur Neubauten von den Bedingungen des EEWärmeG betroffen, sondern auch bestehende Gebäude. So sind alle Eigentümer dazu angehalten in regenerative Energien zu investieren.

Wieso eine neue Heizungsanlage?

Das Argument vieler Heizungsbesitzer gegen eine Aufrüstung lautet: Meine Heizung funktioniert, wieso benötige ich eine neue Anlage?

Effizienz bedeutet Kostenersparnis. Je älter die Anlage, desto mehr Brennstoff benötigt die Heizung für die Wärmeerzeugung. Während neue Heizungsanlagen selbst bei geringen Brennstoff-Ressourcen fast ein Drittel mehr Leistung erbringen, sind alte Anlagen oft nicht nur Träger hoher Brennstoffkosten, sondern auch anfälliger für Störung und Wartung.

Eine Modernisierung und energetische Sanierung des Haushalts sind somit nicht nur Treiber der deutschen Wärmewende, sondern schonen auch den eigenen Geldbeutel.

Förderprogramme und staatliche Zuschüsse

Staatliche Förderzuschüsse des Kreditinstituts für Wiederaufbau (KfW) und dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) senken die Investitionskosten für eine moderne Heizungsanlage erheblich und minimieren so die Hemmschwelle für Modernisierungsmaßnahmen.

Ob für Solaranlagen oder einen Kesseltausch, beide Institute führen zahlreiche Programme und vergeben auf die Maßnahmen angepasste Fördergelder von 500 Euro bis zu mehreren 10.000 Euro.

Unser Fazit:

Die deutsche Wärmewende steckt noch in den Kinderschuhen. Daher besteht auch auf dem Heizungsmarkt weiterhin hohes Modernisierungspotenzial. Laut einer Umfrage des Enerigeversorgers Primagas gibt jeder zweite Hausbesitzer an, nicht in Hybridanlagen investieren zu wollen, solange die aktuelle Heizungsanlage noch funktionstüchtig ist.

Schlagendes Argument sind die lukrativen Einsparpotenziale, die sich durch moderne und effizientere Heizsysteme realisieren lassen. Denn eine funktionstüchtige Heizung ist nicht unbedingt effizient. Indem Sie auf Modernisierung und Optimierung verzichten, lassen Sie sich jährliche Einsparungen von mehreren hundert Euro entgehen.

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