Energiekennzahl: Übersicht wichtiger Werte beim Heizen

energiekennzahl
Eine allgemein gültige Energiekennzahl existiert nicht. Vielmehr gibt es viele Werte und Koeffizienten, die Aufschluss über den energetischen Zustand im Haus geben. Dabei sind Kennzahlen für Gebäude jeglicher Art relevant: Denn wer sich damit auseinandersetzt, kennt auch den Ursprung für hohe Heiz- und Nebenkosten. Wir haben die wichtigsten Energiekennzahlen inklusive Definition für Sie zusammengestellt.

Primärenergiefaktor als Energiekennzahl

Der Primärenergiefaktor unterscheidet sich je nach verwendetem Brennstoff beim Heizen. Während Steinkohle, Heizöl und Erdgas bereits zur Herstellung des Rohstoffs erhebliche Mengen an Energien benötigen, ist der Energieaufwand zur Nutzung von Sonnenenergie entsprechend niedrig. So bewertet die Energieeinsparverordnung, kurz EnEV, fossile Energieträger mit einem höheren Faktor.

Der Primärenergiefaktor ist eine hilfreicher Energiekennzahl für den energetischen Standard des Hauses. Dies ist vor allem für Neubauten relevant, die nach der EnEV einen bestimmten Niedrigenergiestandard erfüllen müssen. Denn die Höhe des Pirmärenergiefaktors hat Auswirkungen auf den Primärenergiebedarf eines Haushalts.

Der Primärenergiebedarf

Dieser Wert ergibt sich aus der Multiplikation des häuslichen Energieverbrauchs mit dem Primärenergiefaktor. So wird nicht nur die Energie berücksichtigt, die der Haushalt verbraucht, sondern auch der Energieaufwand zur Bereitstellung und zum Transport der Energie.

Auch diese Kennzahl ist besonders für Neubauten relevant. Denn Wohngebäude, die nach dem 1. Januar 2016 erbaut wurden, sind verpflichtet die Vorgaben der EnEV zu erfüllen. Im Vergleich zu der Verordnung von 2014 wurden die maximalen Werte für den Primärenergiebedarf und den Wärmedurchgangskoeffizienten um 25 Prozent herabgesetzt. Auch mit der nächsten Neuerung zum Ende des Jahres 2017 sollen die Werte voraussichtlich erneut sinken.

Wärmedurchgangskoeffizient

Der Wärmedurchgangskoeffizient ist in Wärmeverlust pro Kelvin und Quadratmeter angegeben. Der auch als U-Wert bezeichnete Koeffizient beschreibt, wie viel Wärmeenergie pro Quadratmeter in der Einheit Kelvin an die Außentemperatur entweicht.

Icon
Der U-Wert ist insbesondere für die Wärmedämmung eine wichtige Energiekennzahl. Denn je höher der U-Wert eines Bauteils, desto mehr Wärme entweicht aus dem Haushalt.

Zu den Bauteilen eines Hauses zählen neben weiteren:

  • Fenster und Türen
  • Außenwände
  • Wände und Böden, die Erdkontakt besitzen
  • Dachboden und die oberste Geschossdecke
Icon
Vor allem bei Dämmmaterial wird der Wärmedurchgangskoeffizient als Angabe genutzt. Glaswolle besitzt einen Wert von 0,032 bis 0,048, während der Dämmstoff Polyurethan einen maximalen U-Wert von 0,029 verzeichnet.

Wärmekapazität

Die Wärmekapazität ist eine Energiekennzahl, die in Joule pro Kilogramm und Kelvin gemessen wird. Sie gibt an, welche Wärmemenge zur Temperaturerhöhung von einem Grad Kelvin bei einem Kilogramm Wärmedämmstoff notwendig ist. Eine hohe Wärmekapazität bedeutet, dass ein Dämmstoff viel Wärme aufnehmen kann. Holzplatten besitzen in der Regel eine natürlich gegebene hohe Wärmekapazität.

Der Energieausweis und gesetzliche Energiegrundlagen

Auch der Energieausweis ist eine visuelle Darstellung einer Energiekennzahl. Der Energieausweis ist zunächst die energetische Bewertung eines Wohn- oder Nutzgebäudes. Mit Neuauflage der Energieeinsparverordnung zum 1. Januar 2016 veränderten sich auch die Anforderungen für den Energieausweis.

Icon
Enthalten ist ein Bandtacho mit den Energieeffizienzklassen A+ bis H. Diese sind abhängig vom Endenergie- und Primärenergiebedarf des Gebäudes und umfassen einen Bereich von 0 bis 250 Kilowattstunden pro Jahr.

Energieeffizienzklassen sind vor allem beim Hauskauf ein wichtiger Indikator für den energetischen Zustand des Gebäudes. So können Sie zum Beispiel zukünftige Energiekosten ungefähr berechnen.

Denn besitzt ein Haus die Energieeffizienzklasse E, so liegt der jährliche Endenergiebedarf bei mindestens 130 Kilowattstunden pro Jahr. Umgerechnet bedeutet diese Energiekennzahl jährliche Kosten von ungefähr 1.100 Euro für einen Haushalt von 100 Quadratmeter Wohnfläche.

Energieeinsparverordnung (EnEV)

Sie bildet die gesetzliche Grundlage für die Energiewende in deutschen Wohngebäuden. Laut Bundesregierung soll bis zum Jahr 2050 ein klimaneutraler Gebäudebestand hergestellt sein.
Die Energieeinsparverordnung legt dabei Richtwerte für Neubauten fest. Darunter fallen neben anderen der Wärmedurchgangskoeffizient sowie der Primärenergiefaktor. Mit Angabe von Richtwerte stellt die EnEV sicher, dass neue Wohngebäude über eine gute Wärmedämmung verfügen und energiesparend heizen.

Auch für bestehende Gebäude legt die EnEV Modernisierungsrichtlinien fest. So müssen beispielsweise Heizungsanlagen, die vor dem 1. Januar 1985 installiert wurden, durch eine neue Anlage ersetzt werden. Für alle danach eingebauten Heizungssysteme gilt: Wird eine Nutzungsdauer von 30 Jahren überschritten, muss die Heizung erneuert werden.

Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG)

Abgekürzt als EEWärmeG, nutzt dieses Gesetz Energiekennzahlen als Richtwerte für Hausbesitzer und Eigentümer. Beispielsweise gibt das EEWärmeG vor, dass Neubauten Energie zu mindestens 15 Prozent aus erneuerbaren Energien beziehen müssen. Je nach Bundesland kann diese Regelung auch angezogen werden: Das Land Baden-Württemberg schreibt diese Vorgabe nicht nur für Neubauten, sondern auch für Bestandsgebäude vor.