
Erdgas ist ein natürlich vorkommender Rohstoff, der unter anderem für den Betrieb der hauseigenen Erdgasheizung genutzt wird. Über die Erdgasförderung wird er aus der Tiefe des Erdreichs an die Oberfläche befördert. Wir erklären den Prozess und den Energiegehalt von Erdgas.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Erdgas wird über konventionelle Bohrverfahren oder das umstrittene Fracking gefördert, dem eine geologische und seismische Erkundung vorausgeht.
- Das unkonventionelle Fracking von Schiefergas ist in Deutschland weiterhin verboten, da die eingesetzten Chemikalien Umwelt und Grundwasser gefährden können.
- Erdgas hat einen Heizwert von rund 10 Kilowattstunden je Kubikmeter. Neue reine Gasheizungen unterliegen den Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes.
Herkunft und Vorkommen
Größere Erdgasvorkommen finden sich in bestimmten Regionen der Welt, etwa in Russland, Nordamerika und weiteren Ländern. Auch in Deutschland wird Erdgas gefördert, wobei die heimische Förderung nur einen kleinen Teil des Bedarfs deckt. Schätzungen zufolge lagern zudem erhebliche Mengen im Schiefergestein, die sich jedoch nur mit dem umstrittenen Fracking gewinnen ließen. Vor jeder Förderung steht die geologische Erkundung des Gebiets: Über eine seismische Erkundung, bei der Schallwellen in den Boden geleitet werden, lassen sich die Untergrundstrukturen und mögliche Lagerstätten erkennen, die anschließend durch Erkundungsbohrungen genauer untersucht werden.
Bohr-Verfahren
Beim konventionellen Bohrverfahren errichtet das Unternehmen zunächst einen Bohrplatz, und ein Steigrohr reicht bis zum tiefsten Punkt der Lagerstätte. Ein Teilstück des Rohres wird geöffnet, damit das Gas einströmen kann, während Ventile und Absperrvorrichtungen ein unkontrolliertes Ausströmen verhindern. Bevor das Gas zum Verbraucher gelangt, befreit eine Trocknungsanlage es von Wasser und Feststoffen. An einem zentralen Übergabepunkt wird das gereinigte Erdgas in das Transportnetz eingespeist und an Energieversorger geliefert. Dieses Verfahren erreicht Tiefen von rund 4.000 bis 6.000 Metern.
Fracking-Verfahren
Um tiefer liegende oder im Gestein gebundene Vorkommen zu erreichen, kommt das Fracking-Verfahren zum Einsatz, bei dem ein Gemisch aus Sand, Wasser und Chemikalien das Gestein unter hohem Druck aufbricht und das Gas freisetzt. Fachleute warnen jedoch vor den Umweltfolgen, denn die eingesetzten Chemikalien können gesundheitsschädlich sein und das Grundwasser verunreinigen. Das unkonventionelle Fracking von Schiefer- und Kohleflözgas ist in Deutschland daher weiterhin verboten, auch wenn über eine mögliche Nutzung immer wieder politisch diskutiert wird. Bislang bleibt es bei dem strengen Verbot dieser Fördermethode.
Einsatz als Brennstoff
Im Haushalt dient Erdgas vor allem der Wärme- und Warmwasserbereitung. Es hat einen Heizwert von rund 10 bis 11 Kilowattstunden je Kubikmeter. Die folgende Übersicht zeigt, welche Menge anderer Brennstoffe nötig ist, um den Energiegehalt eines Kubikmeters Erdgas zu erreichen:
Energieträger |
Menge je m³ Erdgas |
| Heizöl | rund 1,0 Liter |
| Strom | rund 10 Kilowattstunden |
| Holzpellets | rund 2,1 Kilogramm |
| Brennholz | rund 2,5 Kilogramm |
Demnach werden rund 2,5 Kilogramm Scheitholz benötigt, um den gleichen Heizwert wie ein Kubikmeter Erdgas zu erzielen. Wichtig ist dabei: Der höhere Energiegehalt je Volumen bedeutet nicht automatisch niedrigere Kosten oder eine bessere Klimabilanz, denn bei der Verbrennung von Erdgas entsteht CO2, das zunehmend über den CO2-Preis belastet wird.
Verbrauch und rechtlicher Rahmen
Ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt verbraucht je nach Wohnsituation rund 24.000 bis 45.000 Kilowattstunden Gas im Jahr. Ist der Verbrauch in Kubikmetern angegeben, lässt er sich über den Heizwert in Kilowattstunden umrechnen, wobei als Richtwert rund 10 Kilowattstunden je Kubikmeter dienen. Zu beachten ist, dass für neu eingebaute Öl- und Gasheizungen mit Inkrafttreten des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG), das das frühere Gebäudeenergiegesetz ablöst, ab 2029 die Bio-Treppe gilt. Bestehende Gasheizungen dürfen weiterlaufen und lassen sich teils mit erneuerbaren Komponenten kombinieren.
Fazit
Zusammengefasst ist die Erdgasförderung ein aufwendiger Prozess, der von der seismischen Erkundung über Bohrungen bis zur Aufbereitung und Einspeisung reicht. Neben dem konventionellen Bohrverfahren steht das umstrittene Fracking, dessen unkonventionelle Variante in Deutschland aus Umweltgründen weiterhin verboten ist. Als Brennstoff überzeugt Erdgas durch seinen hohen Energiegehalt von rund 10 Kilowattstunden je Kubikmeter, verursacht bei der Verbrennung aber CO2, das über den CO2-Preis zunehmend ins Gewicht fällt. Da neue reine Gasheizungen den Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes unterliegen, sollten Hausbesitzer bei einem Heizungstausch auch erneuerbare Alternativen prüfen.
Für die Zukunft der Gasversorgung wird zudem diskutiert, verstärkt klimafreundlichere Gase wie Biomethan oder grünen Wasserstoff einzusetzen. Ob und in welchem Umfang bestehende Gasheizungen künftig mit solchen Gasen betrieben werden können, ist jedoch noch offen und hängt von Verfügbarkeit, Preis und dem Ausbau der Netze ab. Wer heute über eine neue Heizung entscheidet, sollte diese Unsicherheit einkalkulieren und die langfristigen Betriebskosten fossiler und erneuerbarer Systeme sorgfältig vergleichen.
Auch die Versorgungssicherheit ist ein Aspekt, der Erdgas betrifft, denn Deutschland importiert einen Großteil seines Bedarfs. Die Bezugsquellen und Lieferwege haben sich in den vergangenen Jahren spürbar verändert, was die Preise beeinflusst. Für Verbraucher bedeutet das eine gewisse Unsicherheit bei der künftigen Preisentwicklung, weshalb eine gute Gebäudedämmung und ein sparsamer Umgang mit Gas doppelt sinnvoll sind: Sie senken die laufenden Kosten und verringern die Abhängigkeit vom Energieträger.
Zusammengefasst ist die Erdgasförderung ein aufwendiger Prozess von der seismischen Erkundung über die Bohrung bis zur Aufbereitung und Einspeisung.
Für die Einordnung des Erdgases lohnt ein Blick auf seine Zusammensetzung. Es besteht überwiegend aus Methan, enthält je nach Lagerstätte aber auch Anteile von Ethan, Propan und Butan sowie geringe Mengen an Stickstoff, Kohlendioxid und Schwefelverbindungen. In der Aufbereitung werden diese Begleitstoffe weitgehend entfernt, damit das Gas eine gleichbleibende Qualität und einen definierten Brennwert erhält. Für die Endkundenabrechnung wird zwischen den Gasqualitäten H-Gas und L-Gas unterschieden, die sich im Methangehalt und damit im Energiegehalt je Kubikmeter unterscheiden. Diese Kennwerte fließen als Zustands- und Brennwertzahl in die Gasrechnung ein und erklären, warum der in Kilowattstunden abgerechnete Verbrauch nicht direkt dem in Kubikmetern gemessenen Volumen entspricht.
