Fernheizung: Voraussetzungen, Kosten, Vor- & Nachteile

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Bei der Fernwärme erfolgt der Transport der thermischen Energie mittels Rohrsystemen, die meistens im Erdreich verlegt sind. Es ist aber auch die Versorgung über Freileitungen möglich. Die Systeme sind wärmegedämmt, damit möglichst wenig Energie verloren geht. Die Wärme wird somit vom Erzeuger direkt zum Verbraucher geleitet. Werden Stadtteile oder Städte durch diese Methode versorgt, so spricht man von Fernheizungen. Sind kleine Wohnsiedlungen an eine Sammelstelle angeschlossen und werden von ihr versorgt, so handelt es sich um Nahwärme. Im Bereich der Fernwärme existieren verschiedene Realisierungsmöglichkeiten:

1. Das Durchflusssystem

Die Erwärmung des Warmwassers, welches von den Verbrauchern benötigt wird, erfolgt in der Übergabestation. Dieses Prinzip kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn die Abnehmer einen relativ regelmäßigen Warmwasserbedarf aufweisen.

2. Das Speichersystem

Spricht man vom Laden des Speichers, so wird das Wasser im Speicher erwärmt. Wird das Warmwasser benötigt, wird es aus dem Speicher entnommen. Durch das stehende Wasser steigt das Risiko von Kontaminierungen mit Bakterien, weswegen thermische Desinfektionen notwendig sind. Erhöht sich der Verbrauch unerwartet, so muss der Warmwasserspeicher zunächst einmal wieder befüllt werden.

3. Speicher-Lade-System

In diesem Fall wird das Speichersystem mit dem Durchflusssystem kombiniert. Bei der Konzeption wird das Durchflusssystem bezüglich des durchschnittlichen Warmwasserbedarfs geplant. In Schwachlastzeiten wird ein Speicher geladen, der bei hohen Wasseranforderungen entleert wird.

Die Fernwärme kann Blockheizkraftwerken, Kraft-Wärme-Kopplungen, Fernheizwerken oder Müllverbrennungsanlagen erzeugt werden. Es kommen somit unterschiedliche Energieträger zum Einsatz.

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Der Begriff der Fernheizung bezieht sich lediglich auf die Vorgehensweise, die genutzte Energie ist unterschiedlich. Häufige Brennstoffe sind Erdgas, Kohle, Biogas, Öl und Holz.

Fernheizung: Die Kosten in der Übersicht

Die Fernheizung gilt als kostengünstige Heizmöglichkeit. Sie ist jedoch nicht an allen Orten in Deutschland möglich, da die entsprechende Abdeckung durch den Anbieter vorhanden sein muss. Aktuell werden 14 Prozent der Haushalte mit Fernwärme versorgt. Im bundesweiten Heizungsvergleich ist die Fernwärme demnach deutlich weniger verbreitet als Öl oder Gas. Für die Nutzung müssen Sie mit folgenden Kostenpositionen rechnen:

  • Erstellung des Hausanschlusses
  • Zuschuss für den Ausbau des Fernwärmenetzes (wird vom Versorger bestimmt)
  • Kosten für die Hausübergabestation
  • Grundpreis für Vorhaltung der Energie (bezogen auf kW)
  • Verbrauch (gemessen in kWh)
  • Fernwärmemesspreis (für die Abrechnung und Ermittlung des Verbrauchs)

Beim Abschluss des Vertrags mit dem Versorger müssen Sie sich für den voraussichtlichen Spitzenverbrauch entscheiden. Der Anbieter hält die entsprechende Wärmeleistung für Sie bereit. Wird der Wert zu niedrig angesetzt, so kann es passieren, dass an kalten Tagen das Haus nicht ausreichend mit Wärme versorgt wird. Setzen Sie den Wert zu hoch an, so erhöhen sich die Kosten.

Ein Beispiel für Kosten

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Das Fernwärmenetz in Flensburg gehört zu den größten in Deutschland. Die Verbraucher bezahlen pro MWh (= 1.000 kWh) 62,30 bis 63,70 Euro (Stand September 2016). Hinzu kommt ein jährlicher Grundpreis, der von der bereitgestellten Wärmeleistung abhängt. Er beträgt mind. 493,80 Euro. Die genaue Berechnung erfolgt durch die Multiplikation der kW/Jahr mit dem Faktor 35,94 Euro.

Die Fernheizung: Nachteile und Vorteile

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Zu den Vorteilen der Fernheizung gehören

  • die niedrigen Kosten
  • die Einsparung an Platz
  • die Sauberkeit der Heizungsvariante
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Zu den Nachteilen der Fernheizung gehören

  • niedrige Energieeffizienz durch Wärmeverluste
  • bei niedrigen Wärmebestellungen: Haus wird nicht richtig warm
  • bei zu hohen Wärmebestellungen: Kosten werden höher
  • Fernwärme wird nicht flächendeckend in Deutschland angeboten

Die Voraussetzungen für die Nutzung der Fernwärme

1. Sie müssen in einem der Anschlussgebiete liegen.
2. Der Verbrauch muss ausreichend hoch sein, da viele Anbieter Mindestwerte festlegen. Energiesparhäuser profitieren daher meistens nicht von der Fernwärme.
3. Es wird ein Wärmetauscher installiert, welcher die ankommende Energie an den Heizkreislauf des Gebäudes übergibt. Das Grundstück sollte gut zugänglich sein, um den Hausanschluss zu verlegen.
4. Es werden an der Hauswand zwei Kernbohrungen vorgenommen.
5. Die Fernwärme kann mit anderen Energieformen kombiniert werden.