Fernwärmenetze liefern die in Kraftwerken oder Heizwerken erzeugte Wärme in die angeschlossenen Haushalte. Vor allem in Städten und Ballungsgebieten ist die Fernwärme verbreitet, und im Zuge der Wärmewende gewinnt sie weiter an Bedeutung. Für den Anschluss ans Netz sorgt die Fernwärmeübergabestation.

Fernwärmeübergabestation

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Fernwärmeübergabestation verbindet das Haus mit dem Fernwärmenetz und passt die gelieferte Wärme über einen Wärmetauscher an das hauseigene Heizsystem an.
  • Fernwärme ist eine anerkannte klimafreundliche Heizungsoption, zumal die Netze zunehmend regenerativ betrieben werden.
  • Die Anschaffung kostet grob zwischen 3.500 und 7.000 Euro, dafür sind Wartung und Instandhaltung sehr gering. Ob sich der Anschluss lohnt, hängt vom Gebäude und dem örtlichen Netz ab.

Zweck und Aufgabe

Die Fernwärmeübergabestation übernimmt mehrere Aufgaben: Sie reguliert die Abnahmetemperatur und die Abnahmemenge, begrenzt Druck und Menge über Ventile, überträgt die Wärme ins hauseigene Heizsystem, ermöglicht eine Notabsperrung, passt die Temperatur fühlergesteuert an und organisiert den Rücklauf des abgekühlten Wassers. Die im Netz einheitlich transportierte Fernwärme wird dadurch für das einzelne Gebäude individuell nutzbar gemacht, sei es zum Heizen oder für die Warmwasserversorgung.

Wie funktioniert sie?

Fernwärme wird in Kraftwerken und Heizwerken auf unterschiedliche Weise erzeugt, in Deutschland häufig über die Kraft-Wärme-Kopplung, aber zunehmend auch über Großwärmepumpen, Abwärme, Solarthermie und Biomasse. Das Heizwasser wird auf Temperaturen zwischen rund 80 und 130 Grad Celsius erhitzt, wobei Temperatur und Druck von der Größe des Netzes und den Transportdistanzen abhängen. Jede Station zapft das heiße Wasser im Vorlauf an, und der Wärmetauscher überträgt die Wärme entweder direkt ins Heizsystem oder erwärmt einen eigenen Speicher für den späteren Gebrauch.

Anwendung und Reichweite

In der Praxis kommen meist kombinierte Systeme zum Einsatz. Durch die Ergänzung mit einem Speicher lässt sich die Übergabestation kleiner dimensionieren. Die Transportdistanz der Fernwärme ist auf etwa 20 Kilometer begrenzt, da der Wärme- und Druckverlust auf längeren Wegen zu hoch wäre. Deshalb konzentrieren sich Fernwärmenetze auf dicht besiedelte Gebiete, in denen viele Abnehmer nahe beieinander liegen.

Wann lohnt sich eine Fernwärmestation?

Die Verteiltechnik auf die Heizflächen und Warmwasserkreisläufe befindet sich hinter der Übergabestation, die selbst nur die gesamte Abnahmemenge und den Rücklauf erfasst. Je größer die Abnahmemenge, desto günstiger fällt der umgelegte Wärmepreis aus. Da viele Anbieter Mindestabnahmen oder einen Grundbetrag verlangen, lohnt sich Fernwärme für sehr energieeffiziente Häuser mit geringem Bedarf oft weniger. Für größere Abnahmemengen wie in Mehrfamilienhäusern, älteren Bestandsbauten oder Gewerbegebäuden ist die Fernwärmeübergabestation dagegen häufig die günstigere Alternative zu einer eigenen Heizung. Außer dem Aufstellplatz und zwei Wanddurchbrüchen für Vor- und Rücklauf sind keine baulichen Maßnahmen nötig. Da Fernwärme zudem eine anerkannte klimafreundliche Heizungsoption ist und die kommunale Wärmeplanung künftig ausweist, wo Netze verfügbar sind, gewinnt sie als Heizlösung an Bedeutung.

Anschaffungskosten

Eine Fernwärmeübergabestation für Wohnhäuser ist auf Leistungen zwischen rund fünf und 20 Kilowatt ausgelegt. Neben der Leistung beeinflusst vor allem die Regeltechnik den Preis. Die meisten Geräte sind zwischen rund 3.500 und 7.000 Euro erhältlich, Zubehör wie Regler, elektrische Thermostate und Verrohrungen kosten zwischen 200 und 500 Euro. Eine Kompaktstation ohne weiteres Zubehör ist mit etwa 5.000 Euro zu veranschlagen. Viele Anbieter stellen die Station zur Verfügung und legen sie ratenweise auf den Grundbetrag um, was einem freien Kauf gegenübergestellt werden sollte.

Laufende Kosten

Beim Fernwärmebezug gibt es regionale Preisunterschiede. Üblicherweise teilen sich die Kosten in einen Grundpreis und einen Arbeitspreis auf, teils kommt ein Dienstleistungspreis hinzu. Der eigentliche Bezugspreis für Fernwärme steckt im Arbeitspreis. Bei durchschnittlichem Wärmebedarf eines Einfamilienhauses liegen die laufenden Verbrauchskosten erfahrungsgemäß zwischen dem Gas- und dem Ölpreis. Zu berücksichtigen ist, dass Wartungs- und Instandhaltungskosten nahezu entfallen, was die Wirtschaftlichkeit verbessert. Die übliche Vertragsdauer beträgt oft mehrere Jahre, und nicht alle Anbieter bieten zusätzlich die Warmwasserversorgung an.

Fazit

Ein wesentlicher Vorteil der Fernwärme ist, dass die Wärmeerzeugung außerhalb des Gebäudes stattfindet. Dadurch entfallen im Haus die Feuerstätte, der Schornstein, das Brennstofflager und die regelmäßige Wartung durch den Schornsteinfeger. Das spart Platz und laufende Kosten und erhöht die Sicherheit, da keine Verbrennung im Gebäude erfolgt. Zugleich macht sich der Nutzer allerdings vom örtlichen Anbieter abhängig, da ein Wechsel des Fernwärmelieferanten anders als beim Strom- oder Gasanbieter in der Regel nicht möglich ist. Deshalb sind die Vertragsbedingungen, die Preisgestaltung und die Herkunft der Wärme wichtige Kriterien, die vor einem Anschluss sorgfältig geprüft werden sollten.

Vor einem Anschluss lohnt sich zudem ein Blick auf die vertraglich zugesicherte Verfügbarkeit und die Herkunft der Wärme, da diese über die Umweltbilanz der Fernwärme entscheidet.

Zusammengefasst ist die Fernwärmeübergabestation die Schnittstelle zwischen dem Fernwärmenetz und dem eigenen Heizsystem und macht die gelieferte Wärme komfortabel nutzbar. Fernwärme ist wartungsarm, platzsparend und eine anerkannte Möglichkeit, die gesetzlichen Anforderungen an erneuerbare Wärme zu erfüllen, zumal die Netze zunehmend klimafreundlich gespeist werden. Ob sich der Anschluss lohnt, hängt vom Gebäude, dem Wärmebedarf und dem örtlichen Netz ab. Ein Blick auf die kommunale Wärmeplanung sowie ein Vergleich der Vertragsbedingungen und Preise helfen, die für das eigene Haus wirtschaftlichste und zukunftssichere Lösung zu finden.