
Die Gaspreise galten lange als vergleichsweise stabil. Mit der Energiekrise ab 2021 und dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 stiegen sie jedoch drastisch, bevor sie sich anschließend wieder beruhigten, allerdings auf einem höheren Niveau als vor der Krise. Hinzu kommt der steigende CO2-Preis auf fossile Brennstoffe. Wir zeigen die Gaspreisentwicklung mit Diagrammen und Tabellen, erklären die Einflussfaktoren und geben eine Einordnung für die kommenden Jahre.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Nach dem Preisschock 2022 haben sich die Gaspreise wieder normalisiert, liegen für Haushalte aber weiter über dem Niveau vor der Krise.
- Der Gaspreis setzt sich aus Beschaffung, Netzentgelten, Steuern und Abgaben zusammen und schwankt mit Angebot und Nachfrage.
- Der CO2-Preis verteuert Erdgas zusätzlich und steigt in den kommenden Jahren weiter.
- Ein Anbietervergleich lohnt sich, da viele Haushalte in teureren Grundversorgungstarifen bleiben.
Gaspreisentwicklung im Vergleich zu Heizöl und Pellets
Bis Ende 2021 verlief die Gaspreisentwicklung im Vergleich zu Heizöl und Pellets sehr konstant, wie das folgende Diagramm zeigt. Danach kam es zu starken Ausschlägen.

Die folgende Tabelle zeigt die historische Gaspreisentwicklung von 2003 bis 2023 (bereinigte Durchschnittspreise in Cent pro kWh):
Jahr |
Cent pro kWh |
| 2003 | 3,8 |
| 2005 | 6,5 |
| 2010 | 6,2 |
| 2015 | 6,48 |
| 2019 | 5,95 |
| 2020 | 5,96 |
| 2021 | 6,11 |
| 2022 | 20,04 |
| 2023 | 7,6 |
Deutlich sichtbar ist der Ausreißer 2022, als der Preis kurzzeitig auf über 20 Cent sprang, bevor er 2023 wieder deutlich fiel. In den Jahren 2024 bis 2026 hat sich der Gaspreis weiter beruhigt, liegt für Haushalte einschließlich aller Steuern und Abgaben jedoch meist im Bereich von etwa 10 bis 12 Cent pro Kilowattstunde und damit über dem Vorkrisenniveau. Zu beachten ist außerdem, dass die vorübergehend abgesenkte Mehrwertsteuer auf Gas wieder auf den regulären Satz zurückgeführt wurde.
Der CO2-Preis als Kostentreiber
Ein zunehmend wichtiger Faktor ist der CO2-Preis auf fossile Brennstoffe. Er verteuert Erdgas zusätzlich und steigt in den kommenden Jahren weiter an. Nach der nationalen Bepreisung bewegt sich der Preis 2026 in einem Korridor von rund 55 bis 65 Euro je Tonne CO2; ab 2027 soll die Bepreisung in den europäischen Emissionshandel überführt werden, wodurch sich der Preis stärker am Markt bildet. Für die kommenden Jahre werden weiter steigende Werte erwartet. Da bei der Verbrennung von Erdgas rund 0,2 Kilogramm CO2 je Kilowattstunde entstehen, schlägt der CO2-Preis spürbar auf die Heizkosten durch und macht das Heizen mit Gas Jahr für Jahr teurer.
Prognose und Einordnung
Für die Zukunft ist damit zu rechnen, dass Erdgas durch den CO2-Preis und die politischen Rahmenbedingungen tendenziell teurer wird. Beim Einbau einer komplett neuen Heizung verlangt das Gebäudeenergiegesetz die Einbindung erneuerbarer Energien, sodass eine reine neue Gasheizung meist nur noch als Teil eines Hybridsystems infrage kommt. Wer heute eine Heizung betreibt oder modernisiert, sollte diese Entwicklung einplanen: Kurzfristig hilft ein günstiger Gastarif, langfristig lohnt der Blick auf eine Wärmepumpe oder ein hybrides System. Wer eine Flüssiggasheizung betreibt, findet weitere Informationen zu den aktuellen Flüssiggaspreisen.
Warum der Gaspreis schwankt
Schwankungen in der Gaspreisentwicklung sind normal, da der Preis von vielen Faktoren abhängt. Gas ist ein an Börsen gehandeltes Gut, dessen Wert sich aus Angebot und Nachfrage ergibt. Hinzu kommen weitere Bestandteile, aus denen sich der Endpreis zusammensetzt:
- Nutzungsentgelte für das Gasnetz,
- Mehrwertsteuer,
- Energiesteuer auf Erdgas,
- der CO2-Preis,
- Kosten für Vertrieb und Marketing des Anbieters,
- Konzessionsabgaben.
Während einige Bestandteile wie die Steuern bei allen Anbietern gleich sind, gibt es bei der Beschaffung und beim Vertrieb Spielraum. Deshalb können manche Gasanbieter günstigere Preise anbieten als andere, und ein Gasvergleich lohnt sich. Verbraucherportale helfen beim Vergleich. Viele Haushalte bleiben in der teureren Grundversorgung und verschenken damit Sparpotenzial.
Von der Ölpreisbindung zum Marktpreis
Früher war der Gaspreis über die sogenannte Ölpreisbindung an die Heizölpreise gekoppelt, um Schwankungen zu glätten. Dieses Modell geriet in die Kritik und wurde weitgehend abgeschafft; heute bildet sich der Gaspreis überwiegend am Markt. Dennoch bewegen sich Gas- und Ölpreise oft in eine ähnliche Richtung, etwa wenn im Winter die Heiznachfrage steigt und beide Energieträger teurer werden. Für Verbraucher bedeutet der Marktpreis mehr Transparenz, aber auch stärkere Schwankungen, die sich durch die Wahl eines Tarifs mit Preisgarantie oder durch einen rechtzeitigen Anbieterwechsel abfedern lassen.
So senken Sie Ihre Gaskosten
Auch wenn sich die Gaspreisentwicklung nicht beeinflussen lässt, gibt es Wege, die eigenen Kosten zu senken. Ein regelmäßiger Anbietervergleich lohnt sich, da die Grundversorgung oft teurer ist als andere Tarife. Achten Sie dabei auf faire Vertragslaufzeiten, Preisgarantien und die Bedingungen für Boni. Darüber hinaus hilft ein sparsamer Verbrauch: Eine gut eingestellte Heizkurve, ein hydraulischer Abgleich, moderne Thermostate und eine gute Dämmung senken den Gasverbrauch spürbar. Wer ohnehin modernisiert, sollte prüfen, ob sich der Umstieg auf eine Wärmepumpe oder ein Hybridsystem lohnt, um langfristig unabhängiger von steigenden Gas- und CO2-Preisen zu werden. So lassen sich die Heizkosten trotz der unsicheren Preisentwicklung im Griff behalten.
Fazit
Die Gaspreisentwicklung war lange stabil, erlebte 2022 einen Rekordausschlag und hat sich seither wieder beruhigt, allerdings auf einem höheren Niveau als vor der Krise. Für Haushalte liegt der Preis heute meist bei rund 10 bis 12 Cent pro Kilowattstunde. Der steigende CO2-Preis und die Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes machen das Heizen mit Gas mittelfristig teurer. Ein Anbietervergleich senkt kurzfristig die Kosten, während sich langfristig der Blick auf eine Wärmepumpe oder ein Hybridsystem lohnt, um von den fossilen Preissteigerungen unabhängiger zu werden.
