Hanfdämmung: Dämmwerte und Vor- und Nachteile

Dass eine Hanfdämmung heute nicht zu den führenden Wärmedämmstoffen gehört, hat wirtschaftliche und politische Gründe. Durch die berauschende Wirkung einiger Hanfsorten verhängten viele Länder vor allem im zwanzigsten Jahrhundert ein generelles Anbauverbot. Gleichzeitig traten synthetische Kunstfasern und Kunststoffe ihren Siegeszug an.

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Seit den 1990er-Jahren wird die Hanfdämmung wiederentdeckt. Seitdem wächst die Nachfrage schneller als die zweimal jährlich erntefähige Pflanze. In loser Form oder zu Platten verpresst, lässt sich Hanf unter Einhaltung aller Qualititäts- und Brandschutzrichtlinien sowohl innen als auch außen verarbeiten.

Eigenschaften und Brandverhalten

Hanf ist ein nachwachsender und widerstandsfähiger Rohstoff. Eine Behandlung mit chemischen Schutzmitteln ist nicht nötig. In der Verarbeitung zum Dämmstoff sind lediglich mechanische Methoden erforderlich. Schädlinge meiden den Stoff aufgrund der natürlich enthaltenen Bitterstoffe und dem fehlendem Eiweißgehalt.

Hanfdämmung und Schimmel

Bei dieser Dämmungsart ist Schimmel eher selten ein Problem. Denn offene Poren der Hanffasern sind in der Lage, Feuchtigkeit aufzunehmen und diese beim Trocknen wieder abzugeben. Da Hanf in einigen Dämmstoffaufbereitungen anderen Materialien beigemischt wird, kann diese Unempfindlichkeit sinken. Einfluss nimmt dabei auch die Belüftungssituation.

Eine Hanfdämmung ohne Dampfsperre ist vollumfänglich atmungsfähig und reguliert das Raumklima. Unbehandelte Stoffe erfüllen die Anforderungen und Bestimmungen zum Brandverhalten in Bauwerken nicht. Den erforderlichen Brandschutz stellt das Imprägnieren des Rohstoffes mit Borsalz oder Soda sicher. Hierbei wird das Niveau der entflammbaren Baustoffklasse B2 erreicht. Baustoffe mit dieser Klassifizierung dürfen als Dämmung an und in Bauwerken montiert werden.

Energiekennzahlen und Eigenschaften

Werte bei der Hanfdämmung

Wärmeleitfähigkeit 0,04 bis 0,08 W/(mK)
Brandklasse nach DIN EN 13501-1 B2 nach DIN 4102-1
Spezifische Wärmekapazität 1.800 bis 2.300 Joule
Dämmschichtstärke an der Fassade nach EnEV 16 cm
Mögliche Anwendungsgebiete bei der Wärmedämmung Dachdämmung, Außen- und Innendämmung, Fassadendämmung (hinterlüftete Fassade), Fußbodendämmung

Technische Spezifikationen

Der Dämmwert der Hanfdämmung hat den U-Wert von 0,040 bis 0,045 Watt pro Meter und Kelvin (W/mK).

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Um den in der Energieeinsparverordnung (EnEV) vorgeschriebenen Wert von 0,24 W/mK an einer Fassade zu erreichen, ist etwa 16 Zentimeter Dämmschichtstärke erforderlich.

Der Wert entspricht dem vollsynthetischen Polystyrol. Hanf besitzt eine hohe spezifische Wärmespeicherkapazität zwischen 1.800 und 2.300 Joule. Auskühlung und Aufheizung verzögern sich durch die träge Reaktion des Dämmstoffs. Eingelagerte Kieselsäure schützt die Fasern vor Fäulnis und Feuchtigkeitszersetzung.

Vor- und Nachteil als Dämmstoff

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Vorteile

  • nachwachsender Rohstoff
  • reguliert raumklimatisch
  • dämmt Schall
  • feuchtigkeitsresistent
  • schädlingsfrei
  • verrottungsfest
  • verschnittfrei
  • ökologisch und gesundheitlich unbedenklich
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Nachteile

Dämmstoffarten: Einsatzgebiete und Preise

Die Hanfdämmung wird in mehreren Formen verarbeitet angeboten. Gepresste Faserplatten sind pur ohne stabilisierende Zusätze erhältlich. Steifere Platten enthalten textile oder synthetische Versteifer oder Stärke. Einige Hersteller mischen natürliche Materialien bei, um das Dämmverhalten in die gewünschte Richtung zu beeinflussen. Für flexiblere Montagesituationen ist der Rohstoff in Form von Stopfwolle verwendbar. Es lässt sich leicht gefasst in Kissen-, Matten- oder Plattenform verarbeiten. Häufig dient es auch der Trittschalldämmung unter einem Bodenbelag.

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Für das Verfüllen von Hohlräumen mit der Hand und mittels Einblasen sind lose Hanffasern geeignet. Länglich aufgezogenes Hanfgarn dient als Fugenabdichtung und ist als Dichtungsmittel aus dem Sanitärhandwerk bekannt. Bei sogenannten Hanfschäben handelt es sich um die Pflanzenreste, die bei der Herstellung der Dämmstoffe entstehen.
Ihre verminderte Dämmwirkung führt zum Gebrauch als reines Füllmaterial, um beispielsweise Unebenheiten auszugleichen.

Beim Kauf richtet sich der Preis nach der Stärke der Matten und Platten. Richtwerte bewegen sich in der Preisspanne zwischen 10 und 30 Euro pro Quadratmeter. Loser Hanf zum Einblasen oder Stopfen wird zwischen 2 und 5 Euro pro Kilogramm angeboten. Die Kosten lassen sich durch die einfache und schadstofffreie Bearbeitungsfähigkeit mindern. Die Hanfdämmung zu schneiden, ermöglicht eine Verwendung ohne unnötigen Verschnitt.