Der Lion Powerblock von OTAG war ein Blockheizkraftwerk im Mini-Format, das zugleich Strom und Wärme erzeugte. Bekannt wurde er vor allem durch seinen ungewöhnlichen Antrieb. Wichtig zu wissen: Der Hersteller OTAG meldete bereits 2011 Insolvenz an, der Lion Powerblock wird seither nicht mehr neu produziert. Dieser Beitrag ordnet die Technik ein und zeigt, welche Möglichkeiten Sie heute stattdessen haben.

Das Wichtigste auf einen Blick
- Der Lion Powerblock war ein Mini-BHKW für Ein- bis Dreifamilienhäuser, das Strom und Wärme erzeugte und für Erdgas, Flüssiggas und später Pellets angeboten wurde.
- Sein Alleinstellungsmerkmal war der Antrieb über eine Freikolben-Dampfmaschine, den sogenannten Linator, statt eines Verbrennungsmotors.
- Der Hersteller OTAG ging 2011 in die Insolvenz. Das Gerät ist nicht mehr neu erhältlich. Wer heute ein Mini-BHKW sucht, findet moderne Alternativen am Markt.
Was den Lion Powerblock auszeichnete
Das Modell besaß eine thermische Leistung im Bereich von etwa 16 Kilowatt und empfahl sich damit für Gebäude mit ein bis drei Wohneinheiten, etwa ein Einfamilienhaus oder ein Doppelhaus. Auch kleinere Gewerbeobjekte wie ein Ladengeschäft oder ein Büro kamen infrage. Es deckte den Wärmebedarf sowie einen großen Teil des Strombedarfs ab, wobei der genaue Deckungsgrad vom Verbrauch abhing. Als Brennstoff war zunächst Erdgas vorgesehen, später kamen Flüssiggas und in Kooperation mit dem österreichischen Partner Button Energy eine Pelletvariante hinzu.
Der besondere Antrieb: die Freikolben-Dampfmaschine
Für Aufsehen sorgte der Lion Powerblock vor allem durch seinen einzigartigen Antrieb. Während andere Blockheizkraftwerke mit einem Verbrennungsmotor oder einem Stirlingmotor arbeiten, nutzte der Lion eine Freikolben-Dampfmaschine, den sogenannten Linator. Ein Brenner erzeugte Dampf, der einen Doppel-Freikolben antrieb, und über eine Spule wurde daraus Strom gewonnen. Da das Konzept auf drehende Teile verzichtete, versprach es einen wartungsarmen Betrieb. In der Praxis bereitete diese neuartige Technik jedoch über Jahre Probleme, was den wirtschaftlichen Erfolg erschwerte.
Warum es den Lion Powerblock nicht mehr gibt
Trotz einer langen Entwicklungszeit und einer überarbeiteten Antriebsvariante konnte sich der Lion Powerblock am Markt nicht durchsetzen. Ende 2011 meldete OTAG Insolvenz an. Zwar wurden die Rechte zeitweise weitergeführt, doch als reguläres Neugerät ist der Lion Powerblock seit Langem nicht mehr erhältlich. Bestehende Anlagen sind teils noch in Betrieb, für sie stellt sich vor allem die Frage nach Ersatzteilen und Wartung, die nur noch eingeschränkt möglich ist. Wer heute ein solches Gerät besitzt, sollte mit einem Fachbetrieb klären, wie lange sich der Betrieb noch wirtschaftlich aufrechterhalten lässt.
Moderne Alternativen
Wer heute über die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme nachdenkt, hat verschiedene Möglichkeiten. Klassische Motor-BHKW erzeugen über einen Verbrennungsmotor Strom und Wärme und erhalten über das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz einen Zuschlag auf den erzeugten Strom. Eine moderne und besonders effiziente Variante ist das Brennstoffzellen-BHKW, das Wärme und Strom mit hohem elektrischem Wirkungsgrad und geringen Emissionen erzeugt und im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude bezuschusst werden kann. Der frühere pauschale Investitionszuschuss speziell für Mini-BHKW wurde abgeschafft, weshalb sich vor einer Anschaffung ein genauer Blick auf die aktuelle Förderlandschaft lohnt.
Angesichts steigender CO2-Preise auf fossile Brennstoffe und der Ausrichtung auf erneuerbare Wärme sollten Sie zudem prüfen, ob nicht eine Wärmepumpe, gegebenenfalls in Kombination mit einer Photovoltaikanlage, die zukunftssicherere Lösung ist. Ein Fachbetrieb hilft Ihnen dabei, den Wärme- und Strombedarf Ihres Gebäudes zu ermitteln und das passende System auszuwählen. So finden Sie eine Lösung, die zu Ihrem Heizsystem passt und langfristig wirtschaftlich arbeitet, statt auf eine nicht mehr erhältliche Technik zu setzen.
Was die Geschichte des Lion Powerblock zeigt
Die Geschichte des Lion Powerblock ist lehrreich, weil sie die Chancen und Risiken innovativer Heiztechnik verdeutlicht. Die Idee, in einem Einfamilienhaus zugleich Strom und Wärme zu erzeugen, ist grundsätzlich überzeugend, denn sie nutzt den eingesetzten Brennstoff besser aus als eine reine Heizung. Der neuartige Dampfmotor sollte diese Kraft-Wärme-Kopplung besonders wartungsarm und leise ermöglichen. In der Praxis erwies sich die junge Technik jedoch als anfällig, und dem kleinen Hersteller fehlte am Ende die wirtschaftliche Basis, um durchzuhalten. Für Käufer bedeutet das: Bei neuartiger Heiztechnik lohnt sich ein Blick auf die Marktreife, die Verbreitung und die langfristige Verfügbarkeit von Service und Ersatzteilen. Bewährte, breit am Markt vertretene Systeme bieten hier mehr Sicherheit.
Für Eigentümer, die heute vor einer Heizungsentscheidung stehen, ist der Lion Powerblock damit vor allem ein interessantes Stück Technikgeschichte. Wer die Vorteile der Kraft-Wärme-Kopplung nutzen möchte, findet am Markt bewährte Alternativen, von Motor-BHKW über Brennstoffzellen-BHKW bis hin zur Kombination aus Wärmepumpe und Photovoltaik. Welche Lösung die richtige ist, hängt vom Wärme- und Strombedarf, den baulichen Voraussetzungen und den aktuellen Förderbedingungen ab. Eine unabhängige Beratung hilft dabei, die Optionen zu vergleichen und eine zukunftssichere Entscheidung zu treffen, die über viele Jahre wirtschaftlich und zuverlässig arbeitet.
Der Fall zeigt zudem, wie wichtig eine gesicherte Ersatzteil- und Serviceversorgung ist. Fällt ein Hersteller weg, stehen Betreiber oft vor der Frage, ob und wie lange sich der Betrieb noch aufrechterhalten lässt. Deshalb sollten Sie bei jeder Heizungsanschaffung nicht nur auf Technik und Preis achten, sondern auch darauf, wie etabliert der Anbieter ist und wie zuverlässig Wartung und Ersatzteile über die zu erwartende Lebensdauer verfügbar sind.
