Rohrdurchführung: Anwendung und Funktion

In allen Abgas- und Zirkulationssystemen ist jede Rohrdurchführung eine potenzielle Schwachstelle. Das Aufeinandertreffen von unterschiedlichen Werkstoffen wie Mauerwerk und Kunststoff oder Metall muss energetisch und elastisch abgestimmt werden. Dichtungen rund um Wand- und Deckendurchbrüche verhindern die Bildung einer Kälte-oder Wärmebrücke.

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Eine baurechtlich und technisch wichtige Rolle spielt der Brandschutz. Abgase wie bei einer Wanddurchführung beim Kamin oder Heizwasserrohre erreichen hohe Temperaturen. Wärmedämmstoffe und Umgebungsmaterialien benötigen entsprechende Eigenschaften, um nicht sich zu deformieren oder zu entzünden.

Weitere bauphysikalische Herausforderungen entstehen aus Sekundäreffekten wie Steigungen und Gefälle sowie Kondenswasserbildung. Große Rohrquerschnitte erfordern bei der Rohrdurchführung massive Eingriffe in die Bausubstanz. Dabei ist auf den Erhalt der statischen Notwendigkeiten zu achten. Auch „weiche“ Faktoren wie Geräuschdämmung zwecks Wohnkomfort sind beeinflussbar.

Anwendungen und Funktionen einer Rohrdurchführung

In einem Gebäude werden unterschiedliche Arten, Leitungs- und Rohrsysteme umgesetzt. Vorgaben durch die Konstruktionsweise von Wänden und Decken und der Aufbau des benötigten Rohrsystems werden kombiniert. Bei der Rohrdurchführung sind Platzierungssituationen, Eigenschaften und Einsatzarten zu bedenken. Bei Abgasabführungen führt sie durch eine Außenwand von innen nach außen.

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Arten von Rohrleitungen

Eine Nebenleitung zu Hauptanschlüssen wie für Abwasser aus Sanitärräumen verbinden nur Innenräume. Vertikale, großvolumige und Stockwerk übergreifende Durchführungen entstehen durch gebündelte Hauptleitungen.
Waagerechte und senkrechte Verlaufswege, auch mit diagonalen Neigungen und durch eine Bodenplatte, kommen bei Abläufen zum Einsatz.

Die Versorgung von Wärmeausgabegeräten wie einem Heizkörper oder  einer Flächenheizung stellt zusätzliche Ansprüche. Temperaturentwicklungen greifen wie Mauerwerksbeschaffenheit und umgebende Werkmaterialien ein. Leitungsquerschnitte und Durchführungsgrößen werden an den Aggregatzustand des Fließmittels angepasst, um Geräuschentwicklung und Strömungsgeschwindigkeit zu kontrollieren.

Feuchtigkeit und Wasser

Eine Grundvoraussetzung für eine Rohrdurchführung ist die Dichtigkeit. Die Rohre selber werden im ganzen Stück durch Wände und Decken geführt. Ansatzstücke und Verbindungen befinden sich immer außerhalb. Unbeschädigte Rohre sind und bleiben bei Fluid-durchspülten Leitungen dauerhaft wasserdicht. Der zweite entscheidende Aspekt ist externe Feuchtigkeit und Nässe rund um eine Rohrdurchführung.

Verbindungen und Durchbrüche von innen nach außen beinhalten immer das Risiko, witterungsbedingte Feuchtigkeit „durchzulassen“. Um die „Verletzungen“ der Gebäudehaut abzumildern, steht bei einer Rohrdurchführung das Abdichten im Mittelpunkt. Neben der Abwehr von Niederschlag und Luftfeuchtigkeit sind bauphysikalische Faktoren zu beachten.

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Was wird beim Abdichten gemacht?

Beim nachträglich Abdichten wird auch der Materialschwund oder die mögliche Ausdehnung berücksichtigt. Durch das Aufeinandertreffen von Werkstoffen mit unterschiedlichen energetischen Eigenschaften kann sich Kondens- und Schwitzwasser bilden.

Die vor allem durch Temperatur- und Wärmeleitwerte verursachte Feuchtigkeit und Nässe kann konstruktionstechnisch vermieden werden. Besondere Ansprüche können Rohrdurchführungen ausgesetzt sein, die hohem Druck durch die Fließstoffe ausgesetzt sind. Besonders in Lagen mit hohem Grundwasserstand oder Hochwasserregionen werden an das Abbdichten im Keller erhöhte Ansprüche an Druckresistenz und Stabilität gestellt.

Brennbarkeit und Hitzeentwicklung

Für sich erhitzende und heiße Rohre gibt es baurechtlich bindende Vorschriften, denen Rohrdurchführungen unterliegen. Sie betreffen die Materialien und Werkstoffe, die rund um die Durchführung verwendet werden dürfen. Baurechtliche Normen regeln Mindestabstände und Rohrverlaufsrichtungen.

Brandabschottung, Abstände und brandsichere Dämmungen müssen auch vor und zu den Durchführungen umgesetzt werden. Werkstoffe müssen den richtigen Brandschutzklassen angehören, die sich auch aus den Feuerwiderstandswerten der berührten Materialien ergeben.

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Brandschutz nach Norm

Eine Zulassungsfähigkeit im Konstruktions- und Verbundsystem ist durch Einhaltung der DIN 4102 EN 1366, Musterbauordnung und regionalen Richtlinien möglich.

Dabei ist erweitert auch das Brandverhalten bei von außen einwirkendem Gebäudebrand zu berücksichtigen. Zu diesem Zweck bestehen baurechtliche Vorgaben bezüglich Dichtigkeit gegen Feuer, Rauch und möglicher Luftzufuhr als Brandbeschleuniger.

Zwischen Planung und Umsetzung können durchaus bautechnische Diskrepanzen entstehen. Auch eine durchweg zugelassene Installationskonzeption kann für den realen Betrieb Zulässigkeitskriterien nicht erfüllen.