
Viele Mehrfamilienhäuser haben eine zentrale Heizung, deren Kosten über die Heizkostenabrechnung umgelegt werden. Wärmepumpen sind hier noch selten, grundsätzlich aber gut möglich. Dieser Beitrag erklärt Möglichkeiten und Kosten.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Wärmepumpen lassen sich auch in Mehrfamilienhäusern einsetzen.
- Oft kommen mehrere Wärmepumpen im Kaskadenaufbau zum Einsatz.
- Möglich sind eine zentrale Lösung oder dezentrale Anlagen pro Wohneinheit.
- Die Kosten verteilen sich auf mehrere Parteien, was das Projekt pro Einheit günstiger macht.
- Die Bundesförderung ist auch für Mehrparteienhäuser verfügbar.
Welche Lösungen geeignet sind
Ein sinnvoller erster Schritt ist eine Heizlastberechnung, aus der der Wärmebedarf des gesamten Hauses hervorgeht. Selbst moderne Mehrfamilienhäuser mit rund 1.000 Quadratmetern Fläche erfordern eine Leistung von etwa 40 Kilowatt, im Altbau schnell 100 Kilowatt und mehr. Um diese Leistung zu erreichen, kommen oft mehrere Wärmepumpen im Kaskadenaufbau zum Einsatz. In erster Linie eignen sich Erdwärmepumpen, da sie ganzjährig effizient arbeiten und so die höheren Anschaffungskosten ausgleichen. Denkbar sind auch Luft-Wärmepumpen, wobei hier auf den Schallschutz zu achten ist. Bei einem Reihenhaus sind Erdwärme- und Wasser-Wasser-Wärmepumpen wegen des begrenzten Platzes meist keine Option, sodass oft nur eine Luft-Wärmepumpe bleibt.
Zentrale oder dezentrale Lösung
In Mehrfamilienhäusern können Sie die Wärmepumpe zentral oder dezentral installieren. Eine zentrale Lösung entspricht einer klassischen Zentralheizung: Eine leistungsstarke Wärmepumpe mit großem Pufferspeicher versorgt alle Parteien. Bei einer dezentralen Lösung besitzt jede Wohneinheit eine eigene Wärmepumpe, was dem Konzept im Einfamilienhaus ähnelt und sich vor allem für Reihenhäuser anbietet. Hier lässt sich der Stromverbrauch einfach über den jeweiligen Zähler abrechnen. Zentrale Lösungen haben dennoch Vorteile: Der Stromverbrauch ist durch die höhere Effizienz geringer, und die Kombination mit einer Photovoltaikanlage zur eigenen Stromerzeugung ist einfacher umsetzbar.
Eignung nach Art der Immobilie
Wie beim Einfamilienhaus ist eine Wärmepumpe nicht immer die beste Option, besonders im Altbau. Dort sind oft zusätzliche Sanierungsmaßnahmen erforderlich, vor allem an den Heizkörpern und am Heizkreislauf, da alte Radiatoren teils Vorlauftemperaturen von 70 Grad Celsius und mehr benötigen. In diesem Fall sollten Sie über eine Sanierung der Heizkörper nachdenken, was in einem großen Mehrfamilienhaus einen entsprechenden Preis hat. Eine Alternative ist eine Hochtemperatur-Wärmepumpe, die höhere Vorlauftemperaturen bereitstellt und ohne Austausch der Heizkörper auskommt, allerdings bei geringerer Effizienz.
Umlage der Kosten auf die Parteien
Nach der Heizkostenverordnung dürfen nur tatsächlich entstandene Kosten abgerechnet werden, was eine genaue Abrechnung erfordert. Bei einer zentralen Wärmepumpenlösung sind dafür zwei Komponenten nötig: ein Stromzähler, der die Leistungsaufnahme des Systems erfasst, und ein Wärmezähler pro Wohneinheit, der den Wärmeeintrag misst. Mit diesen Daten lässt sich der genaue Kostenanteil jeder Partei berechnen, und der Aufwand ist vergleichbar mit dem anderer zentraler Heizungssysteme.
Kosten und Förderung
Die Kosten hängen von der Wärmepumpentechnik und den nötigen Zusatzarbeiten ab, etwa der Erneuerung des Warmwasserspeichers oder der Heizkörper. Wasser-Wasser-Wärmepumpen für Mehrfamilienhäuser liegen inklusive Installation grob zwischen 35.000 und 50.000 Euro, Luft-Wärmepumpen meist zwischen 25.000 und 30.000 Euro. Die Bundesförderung für effiziente Gebäude ist auch für Mehrparteienhäuser verfügbar, wobei die förderfähigen Kosten nach der Zahl der Wohneinheiten gestaffelt sind, sodass in Häusern mit mehreren Parteien insgesamt höhere Förderbeträge möglich sind als im Einfamilienhaus. Da sich die Anschaffungs- und Installationskosten zudem auf mehrere Parteien verteilen, ist ein solches Projekt pro Wohneinheit oft günstiger, was eine Wärmepumpe sogar im Altbau wirtschaftlich machen kann. Da sich die Förderbedingungen ändern können, sollten Sie den aktuellen Stand prüfen.
Fazit
Wärmepumpen sind auch in Mehrfamilienhäusern eine sinnvolle Option, wenn die Voraussetzungen stimmen und die Lösung sorgfältig geplant wird. Ob zentral oder dezentral, ob Erdwärme oder Luft, hängt von den baulichen Gegebenheiten und dem Wärmebedarf ab. Die Verteilung der Kosten auf mehrere Parteien und die Förderung machen solche Projekte pro Wohneinheit häufig attraktiv. Eine Heizlastberechnung und die Beratung durch einen Fachbetrieb sind die Grundlage, um die passende und wirtschaftliche Lösung für Ihr Mehrfamilienhaus zu finden.
Ein wichtiger Erfolgsfaktor bei Wärmepumpen im Mehrfamilienhaus ist die frühzeitige Einbindung aller Beteiligten. Bei Eigentümergemeinschaften müssen entsprechende Beschlüsse gefasst werden, und die Interessen der einzelnen Parteien sollten berücksichtigt werden. Eine sorgfältige Planung, die die Heizlast, die vorhandenen Heizflächen, den Schallschutz und die Möglichkeiten zur Kombination mit einer Photovoltaikanlage einbezieht, ist die Grundlage für ein wirtschaftliches Projekt. Da solche Vorhaben komplexer sind als im Einfamilienhaus, empfiehlt sich die Begleitung durch einen erfahrenen Fachbetrieb oder Energieberater, der auch die Fördermöglichkeiten optimal ausschöpft.
Zusammengefasst sind Wärmepumpen auch für Mehrfamilienhäuser eine sinnvolle und zunehmend gefragte Lösung. Mit einer Heizlastberechnung als Grundlage, der Wahl zwischen zentraler und dezentraler Umsetzung und der Nutzung der Förderung lässt sich ein wirtschaftliches Projekt realisieren. Da die Planung anspruchsvoller ist als im Einfamilienhaus, ist die Begleitung durch einen erfahrenen Fachbetrieb besonders wichtig.
Mit der richtigen Planung, der Einbindung aller Beteiligten und der Nutzung der Förderung wird die Wärmepumpe auch im Mehrfamilienhaus zu einer wirtschaftlichen und klimafreundlichen Heizlösung, die den Bewohnern langfristig niedrige Heizkosten und mehr Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen bietet.
So wird aus einem zunächst anspruchsvollen Vorhaben eine lohnende Investition, die den Wert der Immobilie steigert und die Bewohner unabhängiger von steigenden Energiepreisen macht.
