Gradtagszahl: Gradtagstabelle, Berechnung & Definition | Kesselheld

Gradtagszahl: Gradtagstabelle, Berechnung & Definition

Gradtagszahl für die Heizung bestimmen
Bei der Auslegung und Planung einer Heizungsanlage spielen die örtlichen klimatischen Bedingungen eine große Rolle. Küstenregionen beispielsweise entwickeln ein vollkommen anderes Temperaturprofil als Mittelgebirgslagen. Um den Heizbedarf eines Gebäudes während der Heizperiode zu berechnen und vergleichbar zu machen, wird die Gradtagszahl verwendet. 

Die Heizperiode wird ohne spezifischere Anpassung oder Regelung juristisch auf den Zeitraum zwischen dem ersten Oktober und dem 30. April des Folgejahres festgelegt. Als Richtwert wird eine mittlere Außentemperatur von 15 Grad Celsius angesetzt. Wenn sie im Monatsmittel unterschritten wird, weitet sich die Heizperiode aus.

Heizgradtage berechnen

Der zweite entscheidende Bezugswert, der zur Ermittlung der Heizgradtage führt, ist die durchschnittliche Solltemperatur von 20 Grad in Gebäuden. An jedem Tag, an dem die Außentemperatur 15 Grad unterschreitet, addiert sich eine Gradtagszahl hinzu.

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Beträgt die Außentemperatur 12 Grad, ergibt sich die Gradtagszahl 8 aus der Differenz zur Solltemperatur von 20 Grad in Gebäuden. In der Erfassung der Gradtagszahlen werden nur Außentemperaturwerte unter 15 Grad innerhalb der definierten Heizperiode berücksichtigt.

Gradtagstabelle

Monat

2012

2013

2014

2015

2016

Januar 482,2 549,8 434,1 502,1 465,4
Februar 564,5 521,5 361,2 463,9 440,6
März 339,0 534,5 330,4 416,1 445,4
April 315,6 292,8 189,7 295,0 310,3
Mai 113,1 214,6 168,4 187,9 123,0
Juni 85,0 78,9 35,1 61,8 5,2
Juli 27,0 0,0 5,8 17,9 5,5
August 5,9 5,1 58,0 11,3 20,1
September 134,3 127,8 47,1 145,5 15,9
Oktober 269,5 194,9 152,4 287,3 303,1
November 381,4 406,3 321,5 294,8 416,4
Dezember 468,3 430,0 479,0 315,5

*Quelle: Energieversorgung Oberhausen

Die relevanten Tageseinzelwerte werden mit der Anzahl der zusammengekommenen Heiztage multipliziert. Je höher die Differenzen sind, desto häufiger und stärker unterschreitet die Außentemperatur 15 Grad. Daraus ergibt sich, dass mit der Höhe des Wertes der Heizwärmebedarf steigt.

Gradtagszahl: Maßeinheit und Rechenweg

Als Maßeinheit wird für den zustande gekommenen Wert als internationale Basiseinheit das Kelvin genutzt. Die Einheiten Kelvin und Grad Celsius besitzen die gleichen Werte bei der Angabe von Temperaturdifferenzen. Ermittelt werden meist 3 Bezugszeiträume:

  1. ein Kalenderjahr mit 2 anteiligen Heizperioden
  2. eine jahresübergreifende Heizperiode
  3. ein Monatsmittel.

Das Berechnen der Gradtagszahl lässt sich bequem mit Tabellenkalkulationsprogrammen wie Excel vornehmen. Nach der Erfassung der Einzeldaten über den gewählten Zeitraum ist mit der Mittelwertfunktion die Summe der Temperaturabweichungen in Kelvin ablesbar. Gleichzeitig ergibt sich die Anzahl der Heizgradtage, die vor allem für die Planung der Dimensionierung einer Heizungsanlage hilfreich ist. Dafür wird zusätzlich die Gesamtbetriebszeit der Heizung in Tagen zusammengezählt. Durch das Teilen der Gradtage durch die Gesamtzahl entsteht ein technischer Indikator für die benötigte Heizkraftleistung der zukünftigen Anlage. Diese Wertermittlung kann ebenfalls auf Kalenderjahr, Heizperiode und Monat angewendet werden.

Bereinigte Daten sind objektiver

grafischer Verlauf der durchschnittlichen aussentemperatur
Das Klima und die Außentemperaturen variieren im Lauf der Jahre erheblich. Besonders kalte Winter wechseln sich mit milden Verläufen ab. Bei der Werterfassung eines Jahres, einer Heizperiode oder nur eines Monats entstehen in vielen Fällen Aussagen, die so nicht den folgenden beziehungsweise zukünftigen Perioden gerecht werden. Zudem können Verschiebungen durch das frühere Heizverhalten wie Sparsamkeit, Abwesenheit,
gefühlte Temperatur oder temperaturunabhängige Nutzungseinflüsse wie starke Winde oder Niederschläge entstehen. Um möglichst aussagekräftige und belastbare Werte zu erhalten, ist ein umfangreicheres Datenmaterial über mehrere Zeiträume hilfreich. In der Bereinigung der erhobenen Daten werden über Jahre gesammelte Daten in einen mittel- bis langfristigen klimatologischen Kontext gestellt. So können Sie Ihren Heizkörper rechtzeitig auf die kommenden Temperaturen einstellen.