
Um eine Wohnung oder ein Haus angemessen zu beheizen, muss der Heizbedarf bekannt sein. Er teilt sich in zwei Kennwerte: den Heizwärmebedarf und den Heizenergiebedarf. Anschaulich lassen sie sich mit einem Auto vergleichen, bei dem die Leistung und der Kraftstoffverbrauch zwei verschiedene Größen sind. Der Heizwärmebedarf, auch HWB oder Nutzheizenergiekennzahl genannt, beschreibt, wie viel Wärme ein Gebäude benötigt, um die gewünschte Raumtemperatur zu halten. Dieser Ratgeber erklärt die Berechnung, die Einflussfaktoren und den Unterschied der beiden Kennwerte.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Der Heizwärmebedarf gibt an, wie viel Wärme ein Gebäude braucht, um die gewünschte Innentemperatur zu halten. Der Heizenergiebedarf berücksichtigt zusätzlich die Verluste bei Erzeugung und Verteilung.
- Beeinflusst wird der Heizwärmebedarf vor allem von Dämmung, Bausubstanz, Fenstern, Lüftungsverhalten und Klima. Angegeben wird er in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr.
- Ein niedriger Heizwärmebedarf ist die Grundlage für eine effiziente Heizung. Neubauten und Effizienzhäuser erreichen deutlich niedrigere Werte als unsanierte Altbauten.
Berechnung und Faktoren
Grundlage der Berechnung ist die beheizte Gebäudenutzfläche. Aus ihr ergeben sich die Dimensionierung und die erforderliche Leistung der Heizungsanlage. Der Wärmebedarf wird auf den Quadratmeter Wohnfläche heruntergerechnet, wobei die Bausubstanz und die damit verbundenen Wärmeverluste einbezogen werden:
- Beschaffenheit von Wänden und Mauerwerk
- Art und Aufbau des Dachs
- Dämmung von Fenstern, Türen und Dach
- Transmissionswärmeverluste über die Gebäudehülle
- Lüftungswärmeverluste über Fenster und Türen
- innere Wärmequellen wie Geräte und Personen
- geografische und klimatische Einflüsse
Auf Grundlage dieser Werte wird über Wärmedurchgangskoeffizienten der Wärmebedarf berechnet, jeweils pro Quadratmeter Wohnfläche. Alle nutzerunabhängigen Werte werden als Baukenngrößen bezeichnet. Als Einheit dienen Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr.
Kennwerte in Alt- und Neubau
Beim reinen Heizwärmebedarf bleibt der zusätzliche Energieaufwand für die Erzeugung zunächst unberücksichtigt. Als grobe Orientierung gilt ein alter, unsanierter Altbau oft mit Werten von deutlich über 150 Kilowattstunden pro Quadratmeter als sehr ineffizient, während ein moderner Neubau nach heutigen Anforderungen weit darunter liegt. Effizienz- und Passivhäuser erreichen Werte von unter 50 oder sogar unter 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Maßgeblich für die Anforderungen an Neubauten und Sanierungen ist heute das Gebäudeenergiegesetz, das die frühere Energieeinsparverordnung abgelöst hat. Die Förderfähigkeit und die Höhe der Zuschüsse hängen ebenfalls stark vom energetischen Niveau ab.
Im Neubau lassen sich niedrige Werte durch die Bauweise gezielt erreichen. Im Altbau muss dagegen aus vorhandener und oft defizitärer Bausubstanz das bestmögliche Ergebnis herausgeholt werden. Neben unveränderlichen Bedingungen wie den Wärmedurchgangskoeffizienten des Mauerwerks stehen mitunter auch Denkmalschutz und Bauwerkserhaltung einer weitgehenden Dämmung entgegen.
Den Heizwärmebedarf senken
Ein hoher Heizwärmebedarf lässt sich durch gezielte Maßnahmen deutlich verringern. Den größten Effekt hat meist die Dämmung der Gebäudehülle, also von Dach, Außenwänden und Kellerdecke, da hier die meiste Wärme verloren geht. Auch der Austausch alter Fenster gegen moderne Verglasung und das Abdichten von Fugen reduzieren die Wärmeverluste. Eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung fängt die Verluste auf, die beim Lüften entstehen, ohne dass es zieht. Schon einzelne Maßnahmen verbessern den Kennwert, und in der Summe lässt sich der Bedarf eines Altbaus oft erheblich senken.
Der Vorteil eines niedrigen Heizwärmebedarfs geht über die reine Energieeinsparung hinaus: Je geringer der Bedarf, desto kleiner kann die Heizung dimensioniert werden, und desto besser eignet sich das Gebäude für eine Wärmepumpe, die mit niedrigen Vorlauftemperaturen arbeitet. Wer eine energetische Sanierung mit dem Heizungstausch verbindet, senkt daher nicht nur die Verbrauchskosten, sondern erweitert auch die Auswahl an geeigneten Heizsystemen. Für viele Sanierungsmaßnahmen und den Umstieg auf erneuerbare Heizungen stehen Fördermittel bereit.
Technische und gefühlte Temperatur
Bei aller Technik ist der Wohnkomfort nicht zu vernachlässigen. Der berechnete Heizwärmebedarf soll den Bewohnern angemessene Raumtemperaturen bei jeder Witterung liefern. Meteorologen stellen den gemessenen Temperaturen seit Jahren die gefühlten Temperaturen zur Seite, die teils deutlich abweichen. Auch in der Heiztechnik spielt dieser Aspekt eine Rolle, denn die empfundene Wärme hängt nicht allein von der Lufttemperatur ab.
Strahlungswärme und Konvektion
Ein anschauliches Beispiel für die subjektive Wahrnehmung ist die Verdunstungskälte: Selbst bei warmer Umgebung wird das Abtrocknen der Haut als kühl empfunden. Neben der reinen Lufttemperatur spielen Luftbewegung und Feuchtigkeit eine Rolle. Im Heizungswesen wird Konvektionswärme, also über die Luft transportierte Wärme, meist als kühler empfunden als direkte Strahlungswärme. Deshalb liegt der gefühlte Wärmebedarf bei einem Kachel- oder Kaminofen, der viel Strahlungswärme abgibt, oft niedriger als bei rein konvektiv arbeitenden Heizkörpern. Für die Praxis bedeutet das: Eine Flächenheizung mit hohem Strahlungsanteil ermöglicht bei gleichem Komfort oft eine etwas niedrigere Raumtemperatur und damit einen geringeren Verbrauch. Wer den Heizwärmebedarf seines Gebäudes kennt, kann die Heizung passend dimensionieren und effizient betreiben. Wer den Heizwärmebedarf früh in die Planung einbezieht, legt damit die Grundlage für eine sparsame und richtig dimensionierte Wärmeversorgung und kann Sanierung und Heizungstausch sinnvoll aufeinander abstimmen. Eine fachkundige Berechnung schafft dabei Klarheit über den Ausgangswert und zeigt auf, mit welchen Maßnahmen sich der größte Effekt erzielen lässt.
Zur Einordnung typischer Werte: Ein unsanierter Altbau liegt beim Heizwärmebedarf oft bei 150 bis 250 Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr, ein teilsaniertes Gebäude bei etwa 100 bis 150, ein Neubau bei rund 50 bis 80 und ein Effizienzhaus 55 bei etwa 55. Für ein Haus mit 140 Quadratmetern bedeutet die Spanne zwischen unsaniert und Effizienzhaus einen Unterschied von rund 28.000 zu 7.700 Kilowattstunden im Jahr, bei 11 Cent je Kilowattstunde also etwa 3.080 gegenüber 850 Euro.
Häufige Fragen zum Heizwärmebedarf
Was unterscheidet Heizwärme- und Heizenergiebedarf?
Der Heizwärmebedarf ist die Wärme, die das Gebäude braucht. Der Heizenergiebedarf berücksichtigt zusätzlich die Verluste bei Erzeugung und Verteilung und liegt daher höher.
In welcher Einheit wird gerechnet?
In Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Das macht Gebäude unterschiedlicher Größe vergleichbar.
Was beeinflusst ihn am stärksten?
Dämmung, Bausubstanz, Fenster, Lüftungsverhalten und das örtliche Klima. Die Gebäudehülle hat den größten Hebel.
Wie senke ich ihn?
Durch Dämmung von Dach, Fassade und Kellerdecke, durch dichte Fenster und durch kontrolliertes Lüften statt Dauerkipp.
