Legionellen: Symptome, Gegenmaßnahmen und Prävention

Die öffentliche Trinkwasserversorgung in Deutschland ist für ihre Qualität bekannt. Die Vorschriften der Trinkwassergesetze sind in Teilen strenger als die Regelungen für abgefülltes Mineralwasser.

legionellen im wasser
Nicht nur durch eingeleitete Fremdstoffe entstehende Verunreinigungen müssen kontrolliert werden. Wenn das Wasser technisch nicht ausreichend „gepflegt“ wird, entwickeln sich schnell stabförmige Bakterienkulturen. Die erst 1976 entdeckten Legionellen stellen ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko dar. Kaum jemand konnte noch nicht beobachten, dass stehendes Wasser „fault“ und zu stinken beginnt.
Wenn zur Bewegungslosigkeit des Wassers noch „angenehme“ Temperaturen hinzukommen, beschleunigt das den Fäulnisvorgang. Legionellen im Trinkwasser entstehen auch außerhalb des sichtbaren Wassers in Leitungen, Tanks und Warmwasserbereitern. Um die Legionelle am Entstehen und Vermehren zu hindern, muss die Wasserzirkulation der Heizungsanlage bewegt und mit einer regelmäßigen Mindesterwärmung versorgt werden.

Legionellen und Temperatur – Lebensbedingungen entziehen

Legionellen stellen wenig Ansprüche an ihre Wachstumsumgebung. Fast immer finden sie Nährstoffe im Wasser. Wenn die Temperatur des Wassers zwischen zwanzig und sechzig Grad Celsius beträgt, sind optimale Lebensbedingungen gegeben. Wenn durch eine niedrige Nutzungs- und Abzapffrequenz das Trinkwasser in zum Beispiel in einem Schichtenspeicher oder in der Leitungen nur selten bewegt wird, beschleunigt sich das Wachstum.

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Bakterienbildung entgegenwirken

Unter zwanzig Grad vermehren sich die Legionellen kaum und über sechzig Grad sterben sie. Ein Zirkulationssystem mit Trinkwasser muss diese Bedingungen nutzen und durch regelmäßige Erhitzung entgegenwirken. Bei dauerhaft bewohnten Wohnungen und Häusern sorgen moderne Wassertransportsysteme dafür, Bewegung und Temperatur immer wieder zum Abtöten der Bakterien einzusetzen. Erhöhte Aufmerksamkeit ist bei nur temporär bewohnten Haushalten und genutzten Trinkwasserversorgungsanlagen. In Wochenendhäusern und Anbauten sollten nach einer Entnahmepause durch ein „Abkochen“ des gesamten Wasserbestands bei mindestens sechzig Grad die Bakterienkulturen zerstört werden.

Symptome und Übertragungsweg von Legionellen

Legionellen bewegen sich auf mehreren Wegen in den menschlichen Organismus. Der direkteste Weg entsteht beim Trinken und Schlucken des Wassers. Das größte Risiko stellt die Tröpfchenübertragung dar. Wenn sich Legionellenkulturen im Wasser gebildet haben, können die Erreger durch Einatmen von Wasserdampfwolken und Berührungen mit Wasserhähnen überspringen. Generell weisen alle Tätigkeiten, bei denen es zur direkten Wasserberührung oder damit eingenässten Stellen kommt, ein Infektionsrisiko auf.

Bekannt ist die Erkrankung unter dem Namen Legionärskrankheit oder Legionellen Pneumonie. Die Bakterien bahnen sich über das menschliche Luftaustauschsystem der Atmung ihren Weg. Sie befallen die Lunge und lösen Entzündungen aus. Die Symptome gleichen der klassischen schweren Lungenentzündung und beginnen, etwa zwei Tage nach Körpereintritt aufzutreten.

Regelungen der Trinkwasserverordnung (TrinkwV)

Die seit März 2016 gültigen Vorschriften in der TrinkwV fordern verbindlich eine Untersuchung des Trinkwassers auch auf die Legionelle. Ergänzend kommt das Arbeitsblatt W 551 des deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches zur Anwendung. In ihm sind die technischen Maßnahmen zum Verringern des Legionellenwachstums beschrieben und definiert. Die Untersuchungen dürfen nur von genehmigten Laboren durchgeführt werden.

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Wann liegt ein Legionellenbefall vor?

Zur Ermittlung eines möglichen Befalls wird als Parameter die Menge der koloniebildenden Einheiten (KbE) pro hundert Milliliter Wasser eingesetzt. Ab hundert KbE wird das Trinkwasser als „befallen“ gewertet und technische Gegenmaßnahmen eingeleitet. Eine sofortige Desinfektion oder Stilllegung der Anlage ist ab 10.000 KbE vorgeschrieben.

Technische Lösungen und Kaltwasser

Die letale Temperaturgrenze für den Legionellenbefall liegt bei sechzig Grad. Daher muss die Heizungsanlage entweder dauerhaft auf diese Vorhaltetemperatur eingestellt werden oder in regelmäßigen Intervallen auf diesen Wert erhitzt werden. Für das automatische Erhitzen kann in der Heizung und dem Zirkulationssystem eine sogenannte Legionellenschaltung integriert werden. Als Intervall wird mindestens eine Erwärmung innerhalb von 24 Stunden vorausgesetzt. Wichtig ist die durchgängige Erwärmung in allen Wasser führenden Bauteilen.

Häufig werden bei der Temperaturüberwachung nur die Warmwasserleitungen berücksichtigt, die Kaltwasserzuführungen aber nicht. Solange das kalte Wasser unter zwanzig Grad kühl ist, vermehren sich die Bakterien kaum oder gar nicht. In speziellen Bau- und Installationssituationen kann sich auch das Kaltwasser über zwanzig Grad erwärmen, wenn beispielsweise  unisoliert verlaufen. Die technischen Einrichtungen müssen auch diese Option der Legionellenbildung ausschließen.

Bewegung und Pumpenalternativen

Zu einer wirksamen und zuverlässigen Legionellenschaltung gehört auch die parallele Bewegung des Trinkwassers durch eine Wärmepumpenheizung. Sie übernimmt das Bewegen des Wassers, auch in Kaltwasserleitungen. Eine Wärmepumpe kann durch andere mechanische Einrichtungen ergänzt, unterstützt oder ersetzt werden. Dazu gehören Spezialfiltersysteme, chemische Desinfektion, Chlorierung oder Bestrahlung mit ultraviolettem Licht.