Fenster sind die energetischen Schwachstellen der Gebäudehülle: Auf jedem Infrarotbild leuchten die Scheiben als warme Flächen. Deshalb muss jedes Fenster ebenso wie Wände und Dach bestimmte Dämmwerte einhalten. Der U-Wert für Fenster, also der Wärmedurchgangskoeffizient, setzt sich aus Verglasung und Rahmen zusammen. Große Fensterfronten hängen dabei stärker von der Verglasung ab als kleine Standardfenster. Dieser Beitrag erklärt die Kennwerte, die gesetzlichen Vorgaben und die Berechnung.

U Wert Fenster Infografik

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Der U-Wert für Fenster wird in Watt pro Quadratmeter und Kelvin (W/m²K) angegeben. Je niedriger der Wert, desto weniger Wärme geht verloren.
  • Der Uw beschreibt das gesamte Fenster, der Ug allein die Verglasung und der Uf den Rahmen.
  • Beim Austausch in Bestandsgebäuden fordert das Gebäudeenergiegesetz (GEG) für Fenster in der Regel einen Uw von höchstens 1,3 W/m²K.
  • Moderne Zweifachverglasung erreicht rund 1,3 W/m²K, Dreifachverglasung liegt bei etwa 0,9 bis 0,5 W/m²K.
  • Eine Bagatellgrenze befreit von den Anforderungen, wenn weniger als 10 Prozent der Bauteilfläche verändert werden.

Der Wärmedurchgangskoeffizient für das gesamte Fenster trägt die Bezeichnung Uw. Den Einzelwert der Verglasung gibt der Ug an, den des Rahmens der Uf. Der U-Wert wird in Watt pro Quadratmeter mal Kelvin (W/m²K) angegeben. Je niedriger er ausfällt, desto weniger Energie entweicht nach außen und desto geringer sind Heizkosten und der Einfluss auf die Energieeffizienz des Gebäudes.

Was der Gesetzgeber vorschreibt

Die früheren Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) sind seit dem 1. November 2020 im Gebäudeenergiegesetz (GEG) aufgegangen, das EnEV, Energieeinsparungsgesetz und Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz zusammenführt. Werden in einem Bestandsgebäude Fenster ausgetauscht, gelten die Bauteilanforderungen des GEG. Für Fenster liegt der zulässige Uw dabei in der Regel bei höchstens 1,3 W/m²K.

Für andere Konstruktionen gelten abweichende Werte: Reine Verglasungen dürfen einen Ug von 1,1 W/m²K nicht überschreiten, Dachflächenfenster liegen bei 1,4 W/m²K und Vorhangfassaden bei 1,5 W/m²K. Für Fenster mit Sonderverglasung oder für Glasdächer sind höhere Werte zulässig. Eine wichtige Ausnahme ist die Bagatellgrenze: Wer weniger als 10 Prozent der gesamten Fläche einer Bauteilgruppe verändert, muss die Anforderungen nicht einhalten.

U-Wert in W/m²K

Energieklasse

Einstufung

bis 0,80 / 0,85 / 0,90 / 0,95 A+++ / A++ / A+ / A sehr gut
bis 1,0 / 1,1 B / C gut
bis 1,2 / 1,3 / 1,4 / 1,5 D / E / F / G Standard

Die Entwicklung der Fensterverglasung

Seit etwa 1980 setzten sich zweifach verglaste Isolierfenster durch. Ursprünglich lagen ihre Werte noch bei rund 5 W/m²K, später sanken sie auf etwa 3 W/m²K. Parallel verbesserten sich auch die Rahmen und damit der Uf. Eine moderne Zweischeiben-Wärmeschutzverglasung hält heute die geforderten 1,3 W/m²K ein. Fenster mit Dreifachverglasung erreichen 0,9 bis 0,5 W/m²K. Neben den Scheiben tragen eine Edelgasfüllung im Scheibenzwischenraum und eine Beschichtung der Scheibeninnenseiten zur Reduzierung der Wärmeverluste bei. Die dämmstärksten Konstruktionen sind Passivhaus-Fenster.

Wie der U-Wert berechnet wird

Der Wärmedurchgangskoeffizient jedes Baustoffs lässt sich einer Tabelle entnehmen, in der ein Quadratmeter als Referenzfläche dient. Die Norm EN ISO 10077-1 stellt die bautechnisch ermittelten Werte bereit. Um den gesamten Uw zu errechnen, sind mehrere Größen nötig:

  • Außenmaß und Gesamtfläche des Fensters einschließlich Rahmen
  • Rahmenfläche und alle Profilbreiten
  • Verglasungsfläche und deren Umfangslänge
  • der Ug der Verglasung und der Uf des Rahmens

Die Fensterkonstruktion beeinflusst das Ergebnis zusätzlich: Ein- oder zweiflügelige Fenster, Sprossen, Ober- und Unterlichter sowie Dreh-Kipp-Mechanismen verändern die Anteile der Flächen. In der Praxis läuft die Berechnung so ab, dass die Glasfläche mit dem Ug und die Rahmenfläche mit dem Uf multipliziert werden. Hinzu kommt der Randverbund, der über die Länge der Verglasungskante mit einem linearen Wärmedurchgangskoeffizienten einfließt. Aus der Summe dieser Anteile geteilt durch die Gesamtfläche ergibt sich der Uw des Fensters. Viele Fensterhersteller bieten Online-Konfiguratoren an, die die Normwerte automatisch berücksichtigen und den U-Wert für Fenster fertig ausgeben.

Warum ein niedriger U-Wert sich rechnet

Ein niedriger U-Wert für Fenster reduziert dauerhaft die Wärmeverluste und damit die Heizkosten. Besonders bei großen Glasflächen macht sich der Unterschied zwischen Zwei- und Dreifachverglasung deutlich bemerkbar. Der Fenstertausch verbessert zugleich den sommerlichen Komfort und beugt Zugerscheinungen und Kondenswasser an der Scheibe vor. Wer im Zuge einer Sanierung ohnehin die Fenster erneuert, sollte deshalb nicht nur auf die gesetzlich geforderten 1,3 W/m²K schauen, sondern prüfen, ob eine bessere Verglasung im Rahmen des Gesamtkonzepts sinnvoll ist.

Uw, Ug und Uf richtig einordnen

Beim Kauf neuer Fenster begegnen Ihnen mehrere U-Werte, die nicht verwechselt werden dürfen. Der Ug beschreibt allein die Verglasung und fällt naturgemäß niedriger aus als der Wert des Gesamtfensters. Erst der Uw, der Verglasung, Rahmen und Randverbund zusammenfasst, gibt das reale energetische Verhalten wieder und ist damit der maßgebliche Kennwert. Ein sehr guter Ug nützt wenig, wenn ein schlecht dämmender Rahmen den Gesamtwert wieder verschlechtert. Achten Sie deshalb immer auf den Uw und lassen Sie sich diesen für das konkrete Fenster in der geplanten Größe ausweisen.

Zu bedenken ist außerdem, dass der U-Wert nur einen Teil der Bilanz abbildet. Der Gesamtenergiedurchlassgrad, der sogenannte g-Wert, beschreibt, wie viel Sonnenwärme durch die Verglasung ins Haus gelangt. Im Winter sind solare Gewinne willkommen, im Sommer können sie zu Überhitzung führen. Eine gute Fensterplanung wägt daher zwischen niedrigem U-Wert, ausreichendem Tageslicht, sommerlichem Wärmeschutz und dem Einbau ab. Denn selbst das beste Fenster verliert seine Wirkung, wenn es unsauber montiert ist und Wärme über undichte Anschlussfugen entweicht. Ein fachgerechter, luftdichter Einbau ist deshalb ebenso wichtig wie der U-Wert für Fenster selbst.