Nullenergiehaus

Das Nullenergiehaus ist eine Weiterentwicklung des Passivhauses, das über das Jahr betrachtet ohne den Bezug von Energie aus externen Quellen auskommt. Es deckt seinen Energiebedarf rechnerisch vollständig durch selbst erzeugte Energie und ist ein wichtiger Baustein für einen Gebäudebestand mit geringen CO2-Emissionen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ein Nullenergiehaus gleicht seinen jährlichen Bezug externer Energie durch selbst erzeugte Energie aus, etwa über eine Photovoltaikanlage, und kommt so übers Jahr ohne Fremdenergie aus.
  • Kennzeichnend sind große Südfenster, eine sehr gute Dämmung, hohe Luftdichtheit und ein günstiges Verhältnis von Oberfläche zu Volumen, oft kombiniert mit Wärmepumpe und Photovoltaik.
  • Die Baukosten liegen deutlich über denen konventioneller Häuser. Über die KfW-Förderung „Klimafreundlicher Neubau“ lassen sich zinsgünstige Kredite in Anspruch nehmen.

Definition

Ein Nullenergiehaus ist ein Gebäude, dessen durchschnittlicher jährlicher Bezug externer Energie durch selbst erzeugte Energie, beispielsweise aus einer Photovoltaikanlage, ausgeglichen wird. Die zur Errichtung nötige Energie, die sogenannte graue Energie, bleibt dabei unberücksichtigt. Im Idealfall ist weder für Heizung, Kühlung, Warmwasserbereitung noch Stromverbrauch der Bezug von Fremdenergie erforderlich, sodass sich das Haus als weitgehend energieautark bezeichnen lässt. Erzeugt ein Gebäude sogar mehr Energie, als es verbraucht, spricht man von einem Plusenergiehaus. Diese Konzepte gewinnen im Zuge der verschärften europäischen Vorgaben für klimaneutrale Gebäude an Bedeutung.

Zentrale Merkmale

Anders als beim Passivhaus beschränken sich die Maßnahmen beim Nullenergiehaus nicht auf die passive Nutzung von Wärme. Strom und Wärme werden meist über Photovoltaik und eine Wärmepumpe erzeugt. Kennzeichnend sind große, nach Süden ausgerichtete und unverschattete Fensterflächen, ein niedriges Verhältnis von Oberfläche zu Volumen, Außenflächen mit einem sehr geringen U-Wert sowie eine hohe Luftdichtheit. Diese Kombination senkt den Energiebedarf so weit, dass er sich durch die selbst erzeugte Energie decken lässt.

Beispiele

Nullenergiehäuser werden längst nicht mehr nur als Wohngebäude errichtet. So wurde bereits ein Nullenergiehotel eröffnet, dessen Energie über Photovoltaik, Windräder und eine Wärmepumpenheizung gewonnen wird. Ein weiteres Beispiel ist ein Nullenergiegästehaus, das seine Energie über ein Blockheizkraftwerk, eine Photovoltaikanlage und eine Wärmepumpe erzeugt. Solche Projekte zeigen, dass sich das Konzept auf ganz unterschiedliche Gebäudetypen übertragen lässt.

Kosten und Förderung

Ein Nullenergiehaus spart langfristig Energie und Kosten, verursacht durch die aufwendige Technik aber hohe Anschaffungskosten. Verlässliche Kennwerte sind schwer anzugeben, da die Baukosten insgesamt stark gestiegen sind und die Preise für ein Passivhaus längst deutlich über den früher genannten Werten liegen. Ein Nullenergiehaus ist wegen der zusätzlichen Technik noch teurer. Deshalb empfiehlt es sich, Fördermittel zu beantragen. Über die Kreditanstalt für Wiederaufbau lassen sich für energieeffiziente Neubauten zinsgünstige Kredite und teils Tilgungszuschüsse in Anspruch nehmen. Angesichts steigender Energiepreise und CO2-Kosten verkürzt sich die Zeit, in der sich die höheren Investitionen amortisieren.

Ausblick auf einen klimaneutralen Gebäudebestand

Im Rahmen der Energiewende soll der Großteil der in Deutschland benötigten Energie künftig aus erneuerbaren Quellen wie Wind- und Wasserkraft, Sonnenenergie und Geothermie stammen, wobei das Land bis 2045 klimaneutral werden will. Da ein erheblicher Teil des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen auf Errichtung, Betrieb und Rückbau von Gebäuden entfällt, ist ein nahezu klimaneutraler Gebäudebestand ein zentrales Ziel. Zudem sehen die europäischen Vorgaben vor, dass neue Gebäude künftig als Nullemissionsgebäude errichtet werden. Dem Nullenergiehaus kommt dabei eine wichtige Vorbildrolle zu.

Fazit

Zusammengefasst ist das Nullenergiehaus ein zukunftsweisendes Konzept, das durch beste Dämmung, hohe Luftdichtheit und die Kombination aus Photovoltaik und Wärmepumpe seinen Energiebedarf übers Jahr selbst deckt. Zwar sind die Baukosten deutlich höher als bei konventionellen Häusern, doch die niedrigen Betriebskosten, die staatliche Förderung und steigende Energiepreise machen die Investition langfristig attraktiv. Angesichts der Klimaziele und der verschärften europäischen Vorgaben für neue Gebäude wird das Nullenergiehaus zum Maßstab für den Neubau der kommenden Jahre.

Wer den Bau eines Nullenergiehauses plant, sollte von Anfang an ein erfahrenes Planungsteam einbeziehen, das Architektur, Dämmung, Haustechnik und Energieerzeugung aufeinander abstimmt. Denn das Zusammenspiel dieser Komponenten entscheidet darüber, ob das Haus seinen Energiebedarf tatsächlich selbst decken kann. Wichtig sind neben der Gebäudehülle vor allem eine gut ausgelegte Photovoltaikanlage, ein passender Stromspeicher und eine effiziente Wärmepumpe. Auch die Möglichkeit, überschüssigen Strom für ein Elektroauto oder zur Netzeinspeisung zu nutzen, sollte bedacht werden, um die selbst erzeugte Energie möglichst vollständig auszuschöpfen.

Insgesamt steht das Nullenergiehaus beispielhaft für die Zukunft des Bauens, in der Gebäude nicht mehr nur Energie verbrauchen, sondern selbst zu Energieerzeugern werden. Mit dem technischen Fortschritt bei Photovoltaik, Speichern und Wärmepumpen wird dieses Ziel immer leichter erreichbar. Für Bauherren bedeutet das eine langfristig sichere und unabhängige Energieversorgung mit sehr niedrigem Bedarf an zugekaufter Energie.

Der Kern des Konzepts steckt in der Bilanzgrenze: Gerechnet wird über ein ganzes Jahr, nicht über jede Stunde. Im Sommer speist die Photovoltaik große Überschüsse ins Netz, im Winter bezieht das Haus Strom für die Wärmepumpe. Die Null steht also für eine Jahresbilanz, nicht für tatsächliche Unabhängigkeit vom Netz. Wer die wollte, bräuchte saisonale Speicher, die im Einfamilienhaus bislang unwirtschaftlich sind. Abzugrenzen ist das Nullenergiehaus deshalb vom Passivhaus, das über die Bauweise definiert wird, und vom Plusenergiehaus, das über das Jahr mehr Energie erzeugt, als es bezieht.