Wenn Strom nur zeitweise gebraucht wird oder kein Netzanschluss vorhanden ist, schafft eine Solar-Inselanlage Abhilfe. Sie erzeugt und speichert Strom vollständig autark, unabhängig vom öffentlichen Netz. Erhältlich sind Solar-Inselanlagen als abgestimmtes Komplettsystem oder als modularer Bausatz zum Selberzusammenstellen. Dieser Beitrag erklärt Aufbau, Leistung und die wichtigsten Planungsfaktoren.

Solar Inselanlage Komplettsystem Infografik

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Eine Solar-Inselanlage versorgt Verbraucher netzunabhängig mit selbst erzeugtem Solarstrom und speichert Überschüsse in einer Batterie.
  • Zum System gehören Solarmodule, Laderegler, Batteriespeicher und je nach Bedarf ein Wechselrichter für 230 Volt.
  • Typische Einsatzorte sind Wohnmobile, Boote, Gartenhäuser und Berghütten ohne Netzanschluss.
  • Die Dimensionierung ergibt sich aus dem täglichen Energiebedarf, dem Standort und der Speicherkapazität. Eine Reserve von mindestens 20 Prozent ist sinnvoll.
  • Weil die Anlage keinen Strom ins Netz einspeist, ist sie weder anmelde- noch vergütungsrelevant nach dem EEG.

Ob eine Solar-Inselanlage die haushaltsübliche Netzspannung von 230 Volt oder geringere Gleichspannungen wie 12, 24 oder 48 Volt liefern soll, hängt von der geplanten Nutzung ab. Viele Camping- und Bootsgeräte arbeiten direkt mit 12 Volt, während klassische Haushaltsgeräte 230 Volt Wechselspannung benötigen. Die Dimensionierung richtet sich nach Art und Menge der Verbraucher.

Aufbau und Leistung einer Solar-Inselanlage

Ein Komplettsystem wird meist mit festen Leistungswerten angeboten und besteht aus mehreren aufeinander abgestimmten Komponenten. Dazu gehören Solarmodule, ein Laderegler, ein Batteriespeicher, bei Bedarf ein Wechselrichter sowie Kabel, Befestigungen und Zubehör.

Die Solarmodule erzeugen aus dem Sonnenlicht Gleichstrom. Der Wechselrichter wandelt diesen Gleichstrom in 230-Volt-Wechselstrom um, den viele Haushaltsgeräte brauchen. Der Laderegler steuert die Ladung und Entladung des Speichers und schützt die Batterie vor schädlicher Überladung und Tiefentladung. Der Batteriespeicher hält überschüssig erzeugten Solarstrom vor, bis wieder Bedarf besteht. Zum Einsatz kommen solche Inselanlagen in Wohnmobilen, auf Berghütten, in Wochenendhäusern oder auf Booten, also überall dort, wo keine öffentliche Stromleitung in der Nähe liegt.

Ein anschauliches Beispiel: Eine kompakte Anlage kann etwa 1.500 Watt bei 230 Volt bereitstellen. Die abrufbare Leistung teilt sich auf die Verbraucher auf. Zieht ein Wasserkocher 1.000 Watt, verbleiben rund 500 Watt für andere Geräte. Größere Verbraucher lassen sich also nur nacheinander oder gar nicht gleichzeitig betreiben.

Wie erfolgt die Berechnung?

Bei der Auslegung hilft es, die Verbraucher nach ihrem zeitlichen Bedarf zu ordnen. Beleuchtung wird meist erst bei Dunkelheit gebraucht, sodass tagsüber Kapazität für andere Zwecke frei ist. Anders als bei Handgeräten benötigen Batteriespeicher nach der Entladung Zeit zum Nachladen. Reduzierter Verbrauch und Pausen während der Sonneneinstrahlung füllen die Vorräte wieder auf. Kälte schränkt die Lade- und Speicherfähigkeit spürbar ein. Eine seriöse Kalkulation plant deshalb eine Leistungsreserve von mindestens 20 Prozent gegenüber dem mittleren Verbrauch ein.

Bedarfsprofil und Versorgungssicherheit

Beim Camping und auf Booten sorgt eine autarke Anlage für eine mobile Stromversorgung. Für Verbraucher mit niedriger Spannung wie 12-Volt-Kühlschränke und LED-Beleuchtung reicht die solar erzeugte Menge gut aus. Da solche Anlagen überwiegend in sonnigen Jahreszeiten genutzt werden, überbrückt der Stromspeicher kürzere bewölkte Phasen. Der vergleichsweise geringe Bedarf lässt sich mit Modulen decken, die sich in Größe und Menge montieren lassen.

Stationäre Inselanlagen können mit mehreren und größeren Modulen ausgestattet werden. Eine Anlage mit 230-Volt-Ausgang versorgt dann auch übliche Haushaltsgeräte. Großverbraucher lassen sich aber nur eingeschränkt betreiben: Ein sparsamer Kühlschrank funktioniert meist problemlos, während Waschmaschine, Trockner oder Tiefkühltruhe zu viel Strom auf einmal verlangen und die Anlage überlasten würden.

Planungsfaktoren und Auslegungskriterien

Die sinnvolle Dimensionierung stützt sich vor allem auf drei Faktoren. Erstens die Leistungsfähigkeit der Module, die von deren Größe, Ausrichtung und Neigung abhängt: Je genauer die Moduloberfläche der Sonne folgt, desto höher der Ertrag. Unvermeidbare Verluste durch Kabel, Laderegler und Wechselrichter sowie der Eigenverbrauch sind einzurechnen. Zweitens der Energiebedarf pro Zeiteinheit: Nutzstunden pro Tag, Nutztage pro Woche und Nutzmonate im Jahr ergeben den durchschnittlichen Tagesbedarf, der die Auslegung bestimmt. Drittens die Rahmenbedingungen aus Witterung und Speicherkapazität. Für jeden Standort gibt es statistische Durchschnittswerte zu Dauer und Intensität der Sonnenstrahlung. Vereinfacht gilt: Weniger Licht erfordert größere Module, und stärkere Schwankungen verlangen einen leistungsfähigeren Speicher. Da die Anlage keinen Strom ins öffentliche Netz einspeist, entfallen die Anmeldepflichten und Vergütungsregeln, die für netzgekoppelte Photovoltaikanlagen gelten.

Batterie und Laderegler richtig wählen

Das Herzstück jeder netzunabhängigen Solar-Inselanlage ist der Speicher, denn er entscheidet darüber, wie lange sonnenarme Phasen überbrückt werden können. Klassische Blei-Gel- oder AGM-Batterien sind günstig, vertragen aber nur eine begrenzte Zahl an Ladezyklen und sollten nicht tief entladen werden. Lithium-Speicher sind teurer, bieten dafür eine höhere nutzbare Kapazität, mehr Zyklen und ein geringeres Gewicht, was gerade im Wohnmobil oder auf dem Boot zählt. Der Laderegler muss zur Batterie und zu den Modulen passen: MPPT-Regler holen bei wechselnden Lichtverhältnissen deutlich mehr Ertrag aus den Modulen als einfache Regler und lohnen sich bei größeren Anlagen fast immer.

Bei der Planung sollten Sie zudem an die Sicherheit denken. Passende Sicherungen, ausreichend dimensionierte Kabelquerschnitte und eine fachgerechte Verschaltung verhindern Überlastung und Brandgefahr. Wer eine Inselanlage im Fahrzeug oder in einem Gebäude fest installiert, sollte die Arbeiten an der 230-Volt-Seite einer Elektrofachkraft überlassen. Richtig ausgelegt liefert eine Solar-Inselanlage über viele Jahre zuverlässig Strom an Orten, an denen ein Netzanschluss zu teuer oder gar nicht möglich wäre, und macht damit Hütten, Boote und mobile Anwendungen unabhängig von der öffentlichen Versorgung.