Die Richtlinie VDI 2035 legt die Anforderungen an die Qualität des Heizwassers fest. Ihr Ziel ist es, Steinbildung und Korrosion in Warmwasser-Heizungsanlagen zu vermeiden, die sonst die Effizienz mindern und im schlimmsten Fall zu Undichtigkeiten führen. Erstmals 1979 veröffentlicht, gehört sie seither zu den wichtigsten technischen Regeln der Heiztechnik. Seit März 2021 gilt eine überarbeitete Fassung. Dieser Beitrag erklärt Inhalt, Grenzwerte und praktische Bedeutung.

VDI 2035 Heizwasserqualität

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die VDI 2035 definiert Richtwerte für die Qualität des Heizungswassers, um Steinbildung und Korrosion zu verhindern.
  • Seit März 2021 fasst das neue Blatt 1 die Themen Steinbildung und wasserseitige Korrosion zusammen; das frühere Blatt 2 wurde zurückgezogen, Blatt 3 (abgasseitige Korrosion) besteht weiter.
  • Die Richtlinie ist kein Gesetz, gilt aber als anerkannte Regel der Technik; viele Hersteller koppeln ihre Garantie an die Einhaltung.
  • Wichtige Kennwerte sind Wasserhärte, pH-Wert, elektrische Leitfähigkeit und Sauerstoffgehalt.
  • Empfohlen wird ein salzarmer Betrieb mit enthärtetem oder vollentsalztem Wasser statt einer chemischen Behandlung.

Was steht in der VDI 2035?

Bis 2021 war die Richtlinie in mehrere Blätter geteilt: Blatt 1 behandelte die Steinbildung, Blatt 2 die wasserseitige Korrosion und Blatt 3 die abgasseitige Korrosion. Mit der Ausgabe vom März 2021 wurden Blatt 1 und Blatt 2 zu einem gemeinsamen Blatt 1 zusammengeführt, das nun Steinbildung und wasserseitige Korrosion gemeinsam betrachtet. Das alte Blatt 2 wurde zurückgezogen. Blatt 3 zur abgasseitigen Korrosion in Warmwasserheizanlagen, den unmittelbar beheizten Wassererwärmungsanlagen und den zugehörigen Abgasanlagen besteht weiterhin eigenständig. Die Richtlinie gilt für Heizungsanlagen aller Hersteller, ob Viessmann, Vaillant oder ein anderer Heizungshersteller. Sie ist über den DIN-Media- beziehungsweise VDI-Verlag kostenpflichtig erhältlich.

Warum sich die Einhaltung lohnt

Wärmeerzeuger reagieren empfindlich auf korrosives oder hartes Füllwasser. Weil moderne Geräte immer kompakter gebaut sind, steigt die Belastung: In den kleinen Wärmetauschern herrschen höhere Oberflächentemperaturen, wodurch Kalk leichter ausfällt. Haben sich solche Ablagerungen gebildet, ist die Wärmeübertragung gestört, der Energieverbrauch steigt und das Risiko von Schäden nimmt zu.

Kalkablagerungen wirken isolierend und können zu Spannungsrissen führen, bis die Hülle undicht wird. Eine weitere Gefahr sind Chloride und Sulfate, die mit bestimmten Werkstoffen wie Edelstahl und Aluminium reagieren. Korrosion und die damit verbundene Bildung von Magnetit werden vor allem durch Sauerstoff im Heizwasser ausgelöst. Die VDI 2035 setzt an genau diesen Punkten an und formuliert klare Anforderungen an das Heizwasser, um die Anlage dauerhaft zu schützen. Rechtlich ist die Richtlinie zwar keine Vorschrift, doch ihre Bedeutung ist erheblich: Weicht ein Fachbetrieb ohne guten Grund von ihr ab und entstehen Schäden, kann das haftungsrelevant sein. Ein Gericht hat 2023 bestätigt, dass ein Installateur beim Heizungstausch das Heizwasser prüfen muss, selbst wenn Korrosionsschutz nicht ausdrücklich beauftragt war.

Die Wasserhärte als Grundlage

Als Wasserhärte gilt die Konzentration der Erdalkali-Ionen, vor allem Calcium und Magnesium. Üblich ist folgende Einteilung:

Gesamthärte

Einstufung

bis 7 °dH weich
bis 14 °dH mittelhart
bis 21 °dH hart
mehr als 21 °dH sehr hart

Richtwerte für Heizwasser nach VDI 2035

Die zulässige Härte des Füll- und Ergänzungswassers hängt von der Gesamtheizleistung und dem spezifischen Anlagenvolumen (in Liter pro Kilowatt) ab. Je größer das Volumen je Kilowatt und je höher die Leistung, desto weicher muss das Wasser sein. Für kleine Ein- und Zweifamilienhausanlagen mit modernen, kompakten Wärmeerzeugern läuft das in der Praxis meist auf enthärtetes oder vollentsalztes Füllwasser hinaus. Als Orientierung nennen Fachleute für den salzarmen Betrieb folgende Zielwerte:

  • Wasserhärte des Füllwassers: möglichst niedrig, im Bereich um 0,3 °dH bei vollentsalztem Betrieb
  • elektrische Leitfähigkeit: höchstens rund 100 Mikrosiemens pro Zentimeter
  • pH-Wert: etwa 8,2 bis 10,0, bei Aluminiumbauteilen enger von rund 8,2 bis 9,0
  • Sauerstoffgehalt: möglichst gering, unter etwa 0,1 Milligramm pro Liter

Praktische Umsetzung

Die überarbeitete Richtlinie rät generell von einer chemischen Wasserbehandlung ab, wenn diese vermeidbar ist, und empfiehlt stattdessen den salzarmen Betrieb mit enthärtetem oder vollentsalztem Wasser. Zusätze wie Inhibitoren erhöhen die Leitfähigkeit und bleiben die Ausnahme. Wichtig ist außerdem, nur so viel Wasser abzulassen und nachzufüllen wie unbedingt nötig, denn jedes frische Wasser bringt neuen Sauerstoff und neue Härtebildner ein. Über die Lebensdauer sollte das gesamte Wasser einer gut gewarteten Anlage nach VDI 2035 nicht mehr als etwa dreimal ausgetauscht werden. Alle Maßnahmen und Messwerte gehören in ein Anlagenbuch, das die Einhaltung dokumentiert und bei Garantie- oder Haftungsfragen als Nachweis dient.

Was Hausbesitzer konkret beachten sollten

Für Eigentümer ist die VDI 2035 vor allem beim Heizungstausch und beim Nachfüllen von Wasser relevant. Wird eine neue, kompakte Heizung eingebaut, prüft der Fachbetrieb die Qualität des Füllwassers und bereitet es bei Bedarf auf. Achten Sie darauf, dass diese Prüfung und die eingestellten Werte im Anlagenbuch dokumentiert werden, denn viele Hersteller machen ihre Garantie von der nachweislichen Einhaltung abhängig. Fehlt der Nachweis und tritt später ein Korrosions- oder Kalkschaden auf, kann die Garantie entfallen.

Müssen Sie selbst Wasser nachfüllen, gilt der Grundsatz, so wenig frisches Wasser wie möglich zu ergänzen und dieses idealerweise zu enthärten. Jeder Liter unbehandeltes Leitungswasser bringt Härtebildner und Sauerstoff in den Kreislauf und erhöht damit das Risiko von Ablagerungen und Korrosion. Ein aus Bequemlichkeit dauerhaft angeschlossener Schlauch zwischen Zapfstelle und Heizung ist aus Hygienegründen nicht zulässig, weil er die Trinkwasserinstallation gefährden kann. Wer unsicher ist, sollte das Nachfüllen und die Kontrolle der Wasserwerte dem Heizungsfachbetrieb überlassen. So bleibt die Anlage effizient, die Wärmeübertragung ungestört und die Lebensdauer des Wärmeerzeugers erhalten, ganz im Sinne der VDI 2035.