Leichtbauschornstein: Aufbau, Kosten und Vorschriften

Für den nachträglichen Anschluss eines Heizungssystems ist der bestehende Schornstein oft nicht zu nutzen.

leichtbauschornstein auf solardach
Auch statische und räumliche Herausforderungen bei der Planung lassen sich oft besser mit einem Leichtbauschornstein meistern. Denn dieser eignet sich für die Montage sowohl innen als auch außen.

Beachten Sie bei der Wahl Ihrer passenden Abgasführung neben den Kosten auch die unterschiedlichen Ausführungen sowie die gesetzlichen Bestimmungen.

Aufbau und Nutzung von Schornsteinen allgemein

Der fehlende Schornstein fällt oft erst auf, wenn die Modernisierung der Heizung oder Kauf eines Abbrandofens für Festbrennstoffe (zum Beispiel einem Kaminofen) ansteht. Nicht jeder Schornstein ist für jeden Brennstoff freigegeben. Folgende Schornsteinausführungen lassen sich unterscheiden:

1) Einwandiger Schornstein: Der einwandige Schornstein ist lediglich für einen Abbrand mit weniger heißen Abgasen wie beispielsweise Pellets gestattet. Der Einsatz eines Festbrennstoffofens erfordert einen rußbrandbeständigen Kamin.

2) Doppel- oder dreiwandige Abgasführung: Diese Ausführung findet als LAS-System (Luft-Abgas-Schornstein) in Energiesparhäusern mit dichter Gebäudehülle Anwendung. Durch eine Wärmedämmung verbessern sie den Abzug.

Außerdem ist der Betrieb von Heizungsanlagen mit unterschiedlichen Brennstoffen wie Heizöl und Holz am selben Schornstein ebenfalls nicht gestattet, sodass eine Anpassung an Ihrer Abgasanlage vorzunehmen ist.

Der Vorteil

Die Schornsteinsohle muss bei einem massiven Schornstein bis zur Bodenplatte bzw. zum Fundament reichen. Zudem besteht oft Platzmangel – innerhalb wie außerhalb des Gebäudegrundrisses. Bei einem Leichtbauschornstein für den Innen- oder Außeneinsatz existieren diese Bedingungen nicht. Je nach individuellen Gegebenheiten wird eine Baugenehmigung auch für einen Leichtbauschornstein erteilt, dessen Sohle sich in einem oberen Stockwerk befindet.

Für den äußeren Leichtbauschornstein ist sogar eine schlanke Stahlbauweise ohne Schalung (Schornsteinwangen) möglich. Natürlich abhängig von den Einsatzanforderungen, der Situation vor Ort und dem Erteilen von Baugenehmigung bzw. der Bauabnahme durch den Schornsteinfeger.

Materialien und Aufbau

Aufgrund unterschiedlicher Anforderungen gibt es für innen und außen verschiedenen Bauweisen und Materialien:

  • Edelstahlrohr (V4A), einwandig oder doppelwandig (runder, rechteckiger oder dreieckiger Querschnitt)
  • Schalung aus Keramik oder mineralischen Materialien (Platten aus Calcium-Silikat oder Porenluftbeton bzw. Schaumbeton)

1) Der Leichtbauschornstein für außen ist als doppelwandiger Bausatz zu empfehlen. Einerseits als Witterungsschutz, andererseits wegen der benötigten Dämmung. Der Zug im Schornstein entsteht, weil die warmen Rauchgase nach oben steigen. Ist der Schornstein nicht gedämmt, kühlt der Rauch schnell aus und der Abzug verschlechtert sich.

2) Für den innen liegenden Leichtbauschornstein reicht ein einwandiges Stahlrohr bis zur Dachdurchführung aus. Allerdings ist die Schalung des Bausatzes im Innenbereich umso wichtiger. Beispielsweise bei Wand-, Decken- oder Dachdurchführungen sowie im Baubereich um den Schornstein ist das Einhalten festgesetzter Mindestabstände zu anderen (brennbaren) Bauteilen unabkömmlich.

Die Montage eines Schornstein Bausatzes erfolgt in Trockenbauweise. Zum Verbinden der einzelnen Rohre dienen hochwertige Gewebedichtungen am Stahlrohr sowie Spezialkleber für die Schornsteinschalung. Eine hohe Produktqualität ist ebenso wichtig wie eine sachgemäße Montage durch eine Person mit entsprechender fachlicher Expertise.

Gesetzliche Bestimmungen und Vorschriften

Bei den gesetzlichen Bestimmungen sind sämtliche Vorschriften und Normen zu berücksichtigen, die auch für herkömmliche Schornsteine gelten. Dies betrifft beispielsweise Länderbauordnungen, Feuerungsverordnungen, DIN 18160-1, DIN 4102, EN 13501 und weitere. Für die Innenmontage sind besonders die Konstruktionsabstände zu anderen brennbaren (einschließlich schwer entzündbaren) Bauteilen wichtig. Ebenfalls zu berücksichtigen sind die geltenden Anforderungen bei Wand-, Decken- oder Dachdurchführung und Abstands- und Temperaturklassen.

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Achtung

Lassen Sie die baulichen Gegebenheiten Ihres Hauses noch vor Planung und Installation eines Leichtbauschornsteins von einem Schornsteinfeger begutachten. So können Sie vorher abklären welche baulichen Möglichkeiten bestehen. Anderenfalls kann es zu hohen Kosten kommen, sollte bei nachträglicher Abnahme eine inkorrekte Bauweise festgestellt werden.

Die entsprechenden Vorgaben sind den verschiedenen örtlichen Verordnungen und Bestimmungen zu entnehmen. Sollten weiterhin Fragen bestehen hilft Ihnen der Bezirkskaminkehrer weiter.

Feuerbeständigkeit

Jeder Leichtbauschornstein hat dem Standard F90 zu entsprechen. Gemäß dieses Standards hat der Schornstein 90 Minuten einem Feuer standzuhalten. Diese Vorgabe stellt oftmals den Mindeststandard an Ihren neuen Schornstein dar. Abbrandöfen für Festbrandstoffe wie Holz oder Kohle müssen zudem rußbrandbeständig sein. Behalten Sie auch die europäischen Normen (EN) im Auge, da diese im Rahmen der Harmonisierung die deutschen DIN immer häufiger ersetzen.

Kosten für einen Leichtbauschornstein

Die Kosten für einen Leichtbauschornstein liegen etwas über denen eines Schornsteins in Massivbauweise. Die reinen Materialkosten fangen bei rund 800 Euro an und steigern sich je nach Hersteller und Qualität auf bis zu 4.200 Euro. Ebenfalls zu berücksichtigen sind die Montagekosten, die in der Regel bei 900 Euro anfangen. Durch Aufrechnung dieser Kostenbestandteile betragen die Minimalkosten etwa 1.700 bis 5.100 Euro.

Bei einem Leichtbauschornstein für innen kommen gegenüber der Außenmontage noch höhere Montagekosten hinzu. Dies ist unter anderem durch sachgemäße Wand-, Decken- und Dachdurchführungen zu begründen. Ein außen montierter Leichtbauschornstein ist dementsprechend günstiger. Dafür bieten diese maximale Flexibilität auch unter schwierigen Voraussetzungen und erleichtern die Bauplanung.