Für den nachträglichen Anschluss eines Heizungssystems lässt sich der vorhandene Schornstein oft nicht nutzen. Auch bei statischen und räumlichen Herausforderungen ist ein Leichtbauschornstein häufig die bessere Lösung, denn er eignet sich für die Montage innen wie außen. Bei der Wahl der passenden Abgasführung sollten Sie neben den Kosten auch die Ausführungen und die gesetzlichen Vorgaben beachten.

Leichtbauschornstein auf Solardach

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ein Leichtbauschornstein lässt sich innen oder außen nachrüsten und benötigt kein Fundament bis zur Bodenplatte, was ihn flexibel und platzsparend macht.
  • Für außen empfiehlt sich eine doppelwandige, gedämmte Ausführung, damit der Rauch nicht auskühlt und der Zug erhalten bleibt. Bei Festbrennstoffen ist Rußbrandbeständigkeit Pflicht.
  • Die Kosten liegen inklusive Montage grob zwischen rund 1.700 und 5.100 Euro. Vor der Planung sollte der Schornsteinfeger die baulichen Möglichkeiten prüfen.

Schornsteinarten im Überblick

Der fehlende Schornstein fällt oft erst auf, wenn eine Heizungsmodernisierung oder der Kauf eines Ofens für Festbrennstoffe wie eines Kaminofens ansteht. Nicht jeder Schornstein ist für jeden Brennstoff freigegeben. Ein einwandiger Schornstein ist nur für weniger heiße Abgase zulässig, etwa bei Pellets, während ein Festbrennstoffofen einen rußbrandbeständigen Kamin erfordert. Eine doppel- oder dreiwandige Abgasführung kommt als Luft-Abgas-Schornstein in gut gedämmten Häusern zum Einsatz und verbessert durch die Dämmung den Abzug. Der gleichzeitige Betrieb unterschiedlicher Brennstoffe wie Heizöl und Holz an einem Schornstein ist in der Regel nicht gestattet.

Die Vorteile

Ein massiver Schornstein muss mit seiner Sohle bis zur Bodenplatte oder zum Fundament reichen, und häufig fehlt der nötige Platz. Beim Leichtbauschornstein entfallen diese Bedingungen. Je nach Situation kann sogar eine Baugenehmigung erteilt werden, wenn die Sohle in einem oberen Stockwerk liegt. Für den äußeren Leichtbauschornstein ist zudem eine schlanke Stahlbauweise möglich, abhängig von den Anforderungen, den örtlichen Gegebenheiten und der Abnahme durch den Schornsteinfeger.

Materialien und Aufbau

Je nach Einsatzort kommen unterschiedliche Bauweisen und Materialien infrage, etwa Edelstahlrohre, einwandig oder doppelwandig, sowie Schalungen aus keramischen oder mineralischen Materialien. Der Leichtbauschornstein für außen ist als doppelwandiger Bausatz zu empfehlen, sowohl als Witterungsschutz als auch wegen der nötigen Dämmung. Eine gute Wärmedämmung ist dabei entscheidend. Denn der Zug entsteht, weil die warmen Rauchgase aufsteigen. Ist der Schornstein nicht gedämmt, kühlt der Rauch schnell aus und der Abzug verschlechtert sich. Für den innen liegenden Schornstein reicht bis zur Dachdurchführung ein einwandiges Stahlrohr, doch ist die Schalung im Innenbereich umso wichtiger, etwa an Wand-, Decken- und Dachdurchführungen, wo Mindestabstände zu brennbaren Bauteilen einzuhalten sind. Die Montage erfolgt in Trockenbauweise mit hochwertigen Dichtungen und Spezialklebern und sollte fachkundig ausgeführt werden.

Gesetzliche Vorschriften

Für einen Leichtbauschornstein gelten dieselben Vorschriften und Normen wie für herkömmliche Schornsteine. Dazu zählen die Landesbauordnungen, die Feuerungsverordnungen sowie einschlägige DIN- und EN-Normen. Bei der Innenmontage sind besonders die Abstände zu brennbaren Bauteilen sowie die Anforderungen an Dachdurchführung, Abstands- und Temperaturklassen wichtig. Lassen Sie die baulichen Gegebenheiten Ihres Hauses unbedingt vor Planung und Installation vom Schornsteinfeger begutachten. So klären Sie im Vorfeld, welche Möglichkeiten bestehen, und vermeiden hohe Kosten durch eine nachträglich beanstandete Bauweise.

Feuerbeständigkeit

Ein Leichtbauschornstein muss in der Regel dem Standard F90 entsprechen, das heißt einem Feuer mindestens 90 Minuten standhalten. Öfen für Festbrennstoffe wie Holz oder Kohle erfordern zusätzlich einen rußbrandbeständigen Schornstein. Behalten Sie auch die europäischen Normen im Blick, da diese die deutschen Normen zunehmend ersetzen. Diese Anforderungen dienen dem Brandschutz und sind unbedingt einzuhalten.

Kosten

Die Kosten für einen Leichtbauschornstein liegen etwas über denen eines Schornsteins in Massivbauweise. Die reinen Materialkosten beginnen bei rund 800 Euro und können je nach Hersteller und Qualität auf bis zu etwa 4.200 Euro steigen. Hinzu kommen Montagekosten ab rund 900 Euro, sodass sich in der Summe grob 1.700 bis 5.100 Euro ergeben. Bei der Innenmontage fallen wegen der aufwendigeren Wand-, Decken- und Dachdurchführungen höhere Montagekosten an, sodass die Außenmontage meist günstiger ist. Dafür bietet die Außenvariante maximale Flexibilität auch unter schwierigen Bedingungen. Zusammengefasst ist der Leichtbauschornstein eine flexible Lösung, um eine Heizung nachträglich mit einer Abgasführung auszustatten, sollte aber wegen der zahlreichen Vorschriften stets fachkundig geplant und mit dem Schornsteinfeger abgestimmt werden.

Ein weiterer Vorteil des Leichtbauschornsteins ist die vergleichsweise schnelle Montage. Da die Bauteile als Bausatz geliefert werden und sich in Trockenbauweise zusammensetzen lassen, ist die Installation oft in wenigen Tagen abgeschlossen. Das ist besonders praktisch, wenn im Zuge einer Heizungsmodernisierung ohnehin ein enger Zeitplan besteht. Achten Sie dennoch auf eine hohe Produktqualität und eine fachgerechte Ausführung, denn nur ein korrekt montierter und gedämmter Schornstein sorgt für einen zuverlässigen Zug und einen sicheren Betrieb. Eine sorgfältige Planung im Vorfeld zahlt sich hier langfristig aus.

Zusammengefasst ist der Leichtbauschornstein eine flexible und vergleichsweise unkomplizierte Lösung, um eine Heizung nachträglich mit einer geeigneten Abgasführung auszustatten. Er kommt ohne durchgehendes Fundament aus, lässt sich innen oder außen montieren und passt sich schwierigen baulichen Gegebenheiten gut an. Wichtig sind die passende Ausführung, eine ausreichende Dämmung, die Rußbrandbeständigkeit bei Festbrennstoffen und die Einhaltung aller Brandschutzvorschriften. Da die Anforderungen umfangreich sind, sollten Sie den Schornsteinfeger frühzeitig einbeziehen und die Montage von einem Fachbetrieb ausführen lassen.