Abgassystem einer Heizung

Das Abgassystem einer Heizung führt die bei der Verbrennung entstehenden Gase sicher nach außen ab. Anschaulich zeigt sich seine Funktion an einem Kaminofen, der zieht: Steigen die heißen Gase nicht auf, kann eine geschlossene Klappe, ein verstopfter Schlot oder ein baulicher Mangel vorliegen. Bei modernen Brennwertheizungen ist das Abgassystem besonders anspruchsvoll, weil die Abgase kühl sind und viel Kondenswasser bilden. Dieser Ratgeber erklärt Funktion, Bauweisen und Vorschriften.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Das Abgassystem muss zuverlässig ziehen, damit die Abgase sicher abgeführt und dem Brenner frische Luft zugeführt wird. Häufig kommt ein Luft-Abgas-System zum Einsatz.
  • Bei Brennwertheizungen werden die Abgase gezielt abgekühlt, um zusätzliche Wärme zu gewinnen. Das erzeugt saures Kondenswasser, weshalb korrosionsbeständige Materialien nötig sind.
  • Die Vorschriften ergeben sich aus Landesbauordnung, Feuerungs- und Brandschutzverordnungen. Der Schornsteinfeger prüft und genehmigt die Abgasanlage.

Der Faktor Temperatur

Beim Austritt aus der Brennkammer und dem Aufsteigen im Schlot spielt die Abgastemperatur eine zentrale Rolle. Bei modernen Anlagen lässt sich das Prinzip der nach oben steigenden warmen Luft nicht mehr uneingeschränkt nutzen: Die Brennwerttechnik kühlt die Abgase über einen Abgaswärmetauscher gezielt ab, um deren Restwärme zu gewinnen. Weil die kühlen Abgase weniger Auftrieb haben, kommen unterstützende Gebläse zum Einsatz, die die Abgasreste in den Schlot befördern. Ein zusätzliches System kann die kühle Zuluft vorwärmen und so die Temperaturdifferenz verringern, was die Energieausbeute weiter verbessert.

Bauweisen und Rohrlage

Für die Abgasführung gibt es drei Grundbauweisen. Der einfache einrohrige Schlot eines Kamins reicht für Heizungsbrenner nicht aus. Verbreitet ist die Rohr-in-Rohr-Konstruktion: Ein Innenrohr führt die Abgase ab, ein umgebendes Außenrohr leitet kühle Zuluft zum Brenner. Dabei kühlt die zuströmende Luft die heißen Abgase, bevor sie den Heizkessel erreicht. Als dritte Variante sind getrennte Schächte möglich, bei denen die Zuluft in einem eigenen, baulich unabhängigen Kanal geführt wird. Je nach Länge beeinflussen die Systeme die Abgastemperatur unterschiedlich stark.

Wärmegewinnung durch den Abgaswärmetauscher

Bei modernen Heizungsanlagen mit Brennwerttechnik trägt das Abgassystem entscheidend zur Wärmeausbeute bei. Durch das Abkühlen der Abgase wird deren Restwärme nutzbar. Dabei entsteht viel Kondenswasser, das über Auffang- und Ableitungsvorrichtungen abgeführt werden muss. Schnittstelle ist der Abgaswärmetauscher, der die zurückgewonnene Wärme in das Heiz- oder Brauchwasser einspeist. Weil die Rauchgase saure Bestandteile enthalten, müssen die Abgassysteme korrosions- und feuchtebeständig sein. Geeignet sind Edelstahl, Keramik und bestimmte Kunststoffe.

Die Aufgaben der Abgasklappe

Ein einfaches, aber wirkungsvolles Bauteil ist die Abgasklappe. Sie erfüllt mehrere Aufgaben: Sie verhindert, dass erwärmte Raumluft entweicht, hält die Brennerwärme im System und steuert die Strömungsrichtung. Ziel ist die Minimierung der Abgasverluste. Wichtig ist außerdem der Abschluss nach außen: Ohne Schornsteinaufsatz können Kaltluft, Über- oder Unterdruck und Niederschlag ungehindert eindringen und im schlechtesten Fall den Abgaswärmetauscher außer Funktion setzen. Dann geht der Brennwertvorteil verloren, und die Abgasverluste steigen auf das Niveau eines alten, ungesteuerten Kamins.

Wartung und typische Probleme

Ein Abgassystem muss regelmäßig kontrolliert werden, damit es sicher funktioniert. Der Schornsteinfeger prüft im Rahmen der wiederkehrenden Messung die Abgaswerte und den Zustand der Anlage. Typische Probleme sind Ablagerungen, Undichtigkeiten oder ein gestörter Zug, der dazu führt, dass die Abgase nicht richtig abziehen. Bei Brennwertgeräten ist zusätzlich der Kondensatablauf zu beachten: Verstopft er, kann das Wasser nicht abfließen, und die Anlage arbeitet nicht mehr zuverlässig. Eine regelmäßige Wartung durch den Fachbetrieb beugt solchen Störungen vor.

Besonders sicherheitsrelevant ist die vollständige Dichtheit des Abgassystems. Undichte Stellen können dazu führen, dass Abgase in den Aufstellraum gelangen. Deshalb sind dichte Verbindungen, geeignete Materialien und eine fachgerechte Montage unverzichtbar. Bei raumluftabhängigen Geräten ist außerdem auf eine ausreichende Luftzufuhr zu achten.

Gesetze und Vorschriften

Die Anforderungen an das Abgassystem ergeben sich aus den Bauvorschriften der Bundesländer sowie aus Brandschutz- und Feuerungsverordnungen. In Bezug auf Emissionen und Schadstoffausstoß ist der Schornsteinfeger die entscheidende Instanz, die eine Abgasanlage zulässt oder ablehnt. Je nach Brennstoff und Heizsystem können die Anforderungen stark variieren. Für Einzelfeuerstätten wie einen Zimmerkamin gelten dabei einige Erleichterungen gegenüber zentralen Brenneranlagen. Wer eine neue Heizung einbaut oder eine bestehende Anlage auf Brennwerttechnik umstellt, sollte die Abgasführung frühzeitig mit dem Fachbetrieb und dem Schornsteinfeger abstimmen. Häufig ist beim Wechsel auf ein Brennwertgerät eine Sanierung des Schornsteins nötig, bei der ein säurebeständiges Abgasrohr in den vorhandenen Schacht eingezogen wird. Zusammengefasst ist das Abgassystem ein sicherheitsrelevanter Bestandteil jeder Heizung, der maßgeblich über Effizienz und Betriebssicherheit entscheidet. Gerade beim Wechsel auf ein Brennwertgerät sollten Abgasführung und Schornstein frühzeitig geplant werden. Ein regelmäßig geprüftes und dichtes Abgassystem ist damit die Voraussetzung dafür, dass Ihre Heizung sicher arbeitet und den vollen Brennwertvorteil ausschöpft. Eine fachgerechte Planung und regelmäßige Kontrolle sind dabei die beste Absicherung gegen Störungen und Effizienzverluste im laufenden Betrieb.

Ein Punkt entscheidet über die Materialwahl: Brennwertgeräte kühlen das Abgas so weit ab, dass Wasserdampf kondensiert. Das Kondensat ist leicht sauer, weshalb das Abgassystem feuchteunempfindlich und korrosionsbeständig sein muss, typischerweise aus Kunststoff oder Edelstahl. Ein alter, gemauerter Schornstein ist dafür ungeeignet und wird bei der Umstellung auf Brennwerttechnik mit einem passenden Rohr saniert. Auch der Querschnitt ändert sich: Weil das Abgas kühler ist und mit einem Gebläse gefördert wird, genügt ein deutlich kleinerer Zug als beim alten Kessel.