Brennwerttechnik Heizkessel

Bei einem alten Heizkessel entweicht ein erheblicher Teil der teuer erzeugten Wärme ungenutzt durch den Schornstein. Die Brennwerttechnik holt genau diese verlorene Energie zurück ins Haus und macht das Heizen mit Gas oder Öl deutlich sparsamer. Dieser Ratgeber erklärt, wie die Technik funktioniert, was sie kostet und warum sie heute praktisch vorgeschrieben ist.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Brennwerttechnik nutzt zusätzlich die im Abgas enthaltene Kondensationswärme und erreicht dadurch Normnutzungsgrade von rund 95 bis über 100 Prozent (bezogen auf den Heizwert).
  • Seit 2015 dürfen im Neubau und bei Sanierungen praktisch nur noch Brennwertgeräte statt reiner Niedertemperaturkessel eingebaut werden. Brennwerttechnik ist damit der Standard bei Gas- und Ölheizungen.
  • Ein Gas-Brennwertkessel kostet inklusive Zubehör meist 5.000 bis 8.000 Euro, ein Öl-Brennwertkessel etwa 4.000 bis 7.000 Euro.
  • Eine reine fossile Brennwertheizung ist über die BEG nicht mehr förderfähig. Zuschüsse gibt es nur, wenn erneuerbare Komponenten wie Solarthermie oder eine Wärmepumpe eingebunden werden.

Funktionsweise und Vorteile

Bei der Verbrennung von Erdgas oder Heizöl entsteht Wasserdampf, der einen Teil der Energie als sogenannte latente Wärme bindet. Herkömmliche Niedertemperaturheizungen geben diesen heißen Dampf ungenutzt über die Abgasanlage ab. Ein Brennwertgerät kühlt das Abgas dagegen so weit ab, dass der Wasserdampf kondensiert und seine Wärme an das Heizwasser zurückgibt. Weil dabei säurehaltiges Kondensat entsteht, bestehen die Wärmetauscher aus korrosionsbeständigem Material und die Abgasführung aus einem feuchteunempfindlichen Rohr. Der Gewinn ist beträchtlich: Gegenüber einem alten Konstanttemperaturkessel lassen sich rund 10 bis 15 Prozent Brennstoff einsparen, bei Erdgas sogar noch etwas mehr, da hier der Kondensationseffekt besonders stark ausfällt.

Kosten sparen mit Brennwerttechnik für Gas- und Ölheizungen

Die höhere Energieeffizienz macht sich direkt auf der Energierechnung bemerkbar. Da moderne Geräte zudem modulierend arbeiten, also ihre Leistung dem tatsächlichen Wärmebedarf anpassen, laufen sie seltener im ineffizienten Takt- und Bereitschaftsbetrieb. Die folgende Tabelle zeigt die typischen Anschaffungskosten für Brennwertkessel samt sinnvoller Ergänzungen.

Heizung Preis
Öl-Brennwertheizung 4.000 bis 7.000 Euro
Gas-Brennwertheizung 5.000 bis 8.000 Euro
zusätzlicher Warmwasserspeicher (160 Liter) ca. 600 Euro
ergänzende Solarthermie 5.000 bis 10.000 Euro

Wer die Brennwertheizung mit Solarthermie kombiniert, senkt nicht nur den Verbrauch weiter, sondern eröffnet sich auch den Zugang zu Fördermitteln, die für eine reine fossile Anlage nicht mehr bereitstehen.

Örtliche Voraussetzungen für Brennwerttechnik bei Gas und Öl

Damit ein Brennwertgerät seine Stärken ausspielt, muss die Anlage auf niedrige Rücklauftemperaturen ausgelegt sein, denn nur dann kondensiert der Wasserdampf zuverlässig. Flächenheizungen und großzügig dimensionierte Heizkörper sind daher ideal. Beim Umstieg von einem alten Kessel ist außerdem die Abgasanlage anzupassen: Der bestehende Schornstein wird meist mit einem säurebeständigen Rohr saniert, weil das Abgas kühler und feuchter ist als früher. Zusätzlich benötigt das Gerät einen Anschluss für die Kondensatableitung. Bei Gasgeräten ist ein funktionierender Gasanschluss Voraussetzung, bei Ölgeräten ein geeigneter Tankraum. In der Regel lassen sich diese Anforderungen im Bestand ohne großen Aufwand erfüllen.

Infografik zur Funktionsweise der Brennwerttechnik

Marktübersicht zu Brennwert-Heizkesseln

Alle namhaften Hersteller bieten ausgereifte Brennwertgeräte für unterschiedliche Leistungsklassen an. Zu den etablierten Marken zählen Viessmann, Buderus und Wolf. Die Geräte unterscheiden sich vor allem in Leistungsstufen, Regelungstechnik, Geräuschentwicklung und im Komfort der Bedienung. Wandhängende Geräte eignen sich für Wohnungen und kleinere Häuser, bodenstehende Kessel mit integriertem Speicher für höhere Bedarfe. Bei der Auswahl sollte die Kesselleistung sorgfältig zum tatsächlichen Wärmebedarf passen, da überdimensionierte Anlagen ineffizient arbeiten. Eine fachgerechte Heizlastberechnung und ein hydraulischer Abgleich holen das volle Sparpotenzial aus der Technik heraus.

Brennwerttechnik bei Gas und Öl im Vergleich

Die Brennwerttechnik funktioniert bei beiden fossilen Energieträgern nach demselben Prinzip, doch der Effekt fällt unterschiedlich aus. Bei Erdgas ist der Wasserdampfanteil im Abgas höher, weshalb der Kondensationsgewinn größer ist als bei Heizöl. Ein Gas-Brennwertkessel erreicht damit besonders hohe Nutzungsgrade. Ein Öl-Brennwertkessel profitiert ebenfalls von der Technik, benötigt jedoch schwefelarmes Heizöl, um die empfindlichen Bauteile zu schonen. In der Praxis entscheidet oft die Infrastruktur: Wo ein Gasanschluss vorhanden ist, wird meist Gas gewählt, in gasfernen Lagen bleibt Öl eine Option. Unabhängig vom Brennstoff gilt: Nur bei niedrigen Rücklauftemperaturen arbeitet die Brennwerttechnik optimal, weshalb ein hydraulischer Abgleich der gesamten Anlage unverzichtbar ist.

Wartung und Lebensdauer

Ein Brennwertgerät ist auf regelmäßige Pflege angewiesen, um dauerhaft effizient und sicher zu laufen. Üblich ist eine jährliche Wartung durch einen Fachbetrieb, bei der Brenner, Wärmetauscher, Kondensatablauf und Regelung geprüft und gereinigt werden. Die Kosten dafür liegen meist bei rund 150 bis 300 Euro im Jahr. Hinzu kommen die wiederkehrenden Prüfungen durch den Schornsteinfeger. Bei guter Wartung erreichen moderne Brennwertkessel eine Lebensdauer von etwa 15 bis 20 Jahren. Wer die Anlage zusätzlich mit einer bedarfsgerechten Regelung und gut eingestellten Heizkurven betreibt, holt das maximale Sparpotenzial aus der Technik heraus und verlängert zugleich die Lebensdauer der Komponenten.

Brennwerttechnik: Pflicht oder Kür?

Ob sich der Umstieg auf Brennwerttechnik lohnt, hängt vor allem vom Alter der bestehenden Anlage ab. Wer noch einen alten Konstanttemperatur- oder Niedertemperaturkessel betreibt, spart nach dem Wechsel spürbar Brennstoff, sodass sich die Investition oft binnen weniger Jahre rechnet. Das Gebäudeenergiegesetz gibt dabei den Rahmen vor: Konstanttemperaturkessel, die 30 Jahre und älter sind, müssen ausgetauscht werden. Zugleich stellt sich bei jedem Heizungstausch die grundsätzliche Frage, ob nicht gleich auf ein System mit erneuerbaren Energien umgestiegen werden sollte, denn nur diese sind förderfähig und langfristig vor steigenden CO2-Kosten geschützt. Die Brennwerttechnik bleibt vor allem dort erste Wahl, wo ein vollständiger Systemwechsel kurzfristig nicht möglich ist oder als Teil einer Hybridlösung geplant wird.

Rechtlich ist die Brennwerttechnik faktisch Pflicht geworden. Bereits die europäische Ökodesign-Richtlinie sorgt seit 2015 dafür, dass im Neubau und bei Sanierungen keine reinen Niedertemperaturkessel mehr eingebaut werden dürfen. Ergänzend schreibt das Gebäudeenergiegesetz (GEG) in Paragraf 72 vor, dass Konstanttemperaturkessel, die 30 Jahre und älter sind, ausgetauscht werden müssen. Ausgenommen sind Niedertemperatur- und Brennwertkessel sowie selbst genutzte Ein- und Zweifamilienhäuser unter bestimmten Bedingungen. Zu beachten ist zudem die energiepolitische Richtung: Eine geplante Novelle des GEG, das künftige Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), befindet sich derzeit im parlamentarischen Verfahren und ist noch nicht in Kraft. Es soll den Heizungstausch technologieoffener regeln, ändert aber nichts an der Effizienzlogik der Brennwerttechnik. Wer heute saniert, sollte bedenken, dass eine reine Gas- oder Ölheizung nicht mehr über die Bundesförderung bezuschusst wird und die CO2-Bepreisung fossile Brennstoffe Jahr für Jahr verteuert. Die Brennwerttechnik bleibt daher vor allem als Baustein hybrider Lösungen mit erneuerbaren Energien attraktiv.