
Im Erdreich steckt ein gewaltiger, konstant verfügbarer Wärmevorrat, der sich mit einer Wärmepumpe zum Heizen nutzen lässt. Die Erdwärmepumpe erschließt diese Wärme und zählt zu den sparsamsten Heizsystemen überhaupt. Dieser Ratgeber erklärt Funktion, Erschließung, Preise, Stromkosten und Förderung.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Erdwärmepumpe nutzt die konstante Wärme des Erdreichs und arbeitet dadurch sehr effizient.
- Sie erreicht hohe Jahresarbeitszahlen von etwa 3,5 bis 4,5 und damit niedrige Stromkosten.
- Zur Erschließung dienen Erdsonden mit Tiefenbohrung oder flächig verlegte Erdkollektoren.
Wie funktioniert eine Erdwärmepumpe?
Die Erdwärmepumpe gehört zur Familie der Wärmepumpen und nutzt die im Erdreich gespeicherte Wärme, die sogenannte oberflächennahe Geothermie. In den im Boden verlegten Leitungen zirkuliert eine frostsichere Flüssigkeit, die Sole, die die Umweltwärme aufnimmt. Diese Wärme wird der Wärmepumpe zugeführt, die sie mithilfe eines Kältemittels und eines Verdichters auf ein zum Heizen nutzbares Temperaturniveau anhebt. Für den Betrieb des Verdichters wird Strom benötigt, doch aus einer Kilowattstunde Strom gewinnt die Anlage ein Vielfaches an Wärme. Weil die Erdtemperatur über das ganze Jahr nahezu konstant bleibt, arbeitet die Erdwärmepumpe besonders gleichmäßig und effizient. Sie gehört damit zusammen mit der Sole-Wasser-Wärmepumpe zu den effizientesten Heizsystemen. Weitere Informationen bietet die Seite zum Heizen mit Erdwärme.

Effizienz und Jahresarbeitszahl
Die Effizienz einer Wärmepumpe wird über die Jahresarbeitszahl angegeben. Sie beschreibt das Verhältnis zwischen der erzeugten Wärme und dem eingesetzten Strom über ein Jahr. Je höher die Jahresarbeitszahl, desto effizienter und günstiger arbeitet die Anlage. Die folgende Übersicht zeigt typische Werte für die verschiedenen Wärmepumpenarten.
| Wärmepumpenart | Jahresarbeitszahl (durchschnittlich) |
|---|---|
| Luft-Wasser-Wärmepumpe | 2,5 bis 3,5 |
| Sole-Wasser-Wärmepumpe (Erdwärme) | 3,5 bis 4,5 |
| Wasser-Wasser-Wärmepumpe | 4,0 bis 5,0 |
Die Erdwärmepumpe erreicht mit Werten von 3,5 bis 4,5 eine höhere Jahresarbeitszahl als eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, weil die Erdwärme konstanter und im Winter wärmer ist als die Außenluft. Das führt zu niedrigeren Stromkosten.
Erschließung des Erdreichs
Für die Nutzung der Erdwärme gibt es zwei gängige Erschließungsarten. Bei der Erdsonde wird über eine Tiefenbohrung eine Sonde senkrecht in den Boden eingebracht. Diese Variante benötigt nur wenig Grundstücksfläche, ist aber mit einer aufwendigen Bohrung und einer Genehmigung verbunden. Details bietet die Seite zur Erdsonde für die Wärmepumpe. Bei der zweiten Variante werden Erdwärmekollektoren waagerecht und flächig in geringer Tiefe verlegt. Das ist günstiger, benötigt aber eine entsprechend große, unbebaute Grundstücksfläche. Welche Variante infrage kommt, hängt von der Grundstücksgröße, den geologischen Bedingungen und den behördlichen Vorgaben ab.

Preise und Modelle
Die Kosten einer Erdwärmepumpe setzen sich aus dem Gerät selbst und der Erschließung der Wärmequelle zusammen. Die folgende Übersicht zeigt beispielhaft gängige Modelle namhafter Hersteller mit ihren Leistungsdaten und Listenpreisen.
| Modell | Leistung / COP | Preis ab (Listenpreis) | Ausstattung | Bild |
|---|---|---|---|---|
| Vaillant flexoCOMPACT exclusive | VWF 58: 5,3 / 4,6 kW; VWF 88: 8,9 / 5,1 kW; VWF 118: 11,2 / 5,0 kW | VWF 58: 9.335 Euro; VWF 88: 10.035 Euro; VWF 118: 10.541 Euro | 185 Liter Warmwasserspeicher, Smart Home, Effizienzklasse A++ | ![]() |
| Buderus Logatherm WPS | WPS 6: 5,8 / 4,4 kW; WPS 8: 7,6 / 4,7 kW; WPS 10: 10,4 / 4,7 kW | WPS 6: 9.035 Euro; WPS 8: 9.400 Euro; WPS 10: 9.775 Euro | inkl. 185 Liter Warmwasserspeicher, A++, robust und langlebig | ![]() |
| Viessmann Vitocal 200-G | BWC A06: 5,8 / 4,5 kW; BWC A08: 7,6 / 4,5 kW; BWC A10: 9,7 / 4,5 kW | BWC A06: 6.518 Euro; BWC A08: 7.080 Euro; BWC A10: 7.585 Euro | Hocheffizienzpumpe, Smart Home, A++, inkl. Trinkwassererwärmung | ![]() |
Zu den Gerätepreisen kommen die Kosten für die Erschließung, also die Erdsonde oder die Kollektoren, sowie für den Einbau hinzu. In der Summe liegen die Investitionskosten über denen einer Gasheizung, werden aber durch die Förderung und die niedrigen Betriebskosten teilweise ausgeglichen. Häufig wird ein Warmwasserspeicher in das System integriert.
Für die laufenden Kosten ist der Stromverbrauch entscheidend. In einem teilsanierten Haus mit rund 150 Quadratmetern und etwa 20.000 Kilowattstunden Jahreswärmebedarf benötigt eine Erdwärmepumpe bei einer Jahresarbeitszahl um 4,0 rund 5.000 Kilowattstunden Strom, was bei einem Wärmepumpentarif von etwa 27 Cent je Kilowattstunde grob 1.350 Euro pro Jahr entspricht. Die Wartung ist mit rund 150 Euro im Jahr überschaubar, da kein Schornsteinfeger nötig ist und an der Erdsonde selbst kaum Wartungsaufwand anfällt. CO2-Kosten fallen nicht an.
Stromkosten und Betrieb
Da die Erdwärmepumpe mit Strom betrieben wird, bestimmen die Jahresarbeitszahl und der Strompreis die laufenden Kosten. Dank der hohen Jahresarbeitszahl von 3,5 bis 4,5 benötigt die Erdwärmepumpe nur wenig Strom im Verhältnis zur erzeugten Wärme, was die Betriebskosten niedrig hält. Zusätzlich lassen sich die Kosten über einen speziellen Wärmepumpenstromtarif senken. Da steuerbare Wärmepumpen zudem von reduzierten Netzentgelten profitieren können, sinken die laufenden Kosten weiter. Über die gesamte Nutzungsdauer betrachtet ist die Erdwärmepumpe durch ihre hohe Effizienz und die niedrigen Betriebskosten oft die wirtschaftlichere Lösung im Vergleich zu fossilen Energieträgern, deren Preise durch die CO2-Bepreisung weiter steigen.
Förderung der Erdwärmepumpe
Als Wärmepumpe, die erneuerbare Umweltwärme nutzt, ist die Erdwärmepumpe über die Bundesförderung für effiziente Gebäude förderfähig.
Die Zuschüsse setzen sich aus der Grundförderung und mehreren Boni zusammen:
- Grundförderung: 30 Prozent der förderfähigen Kosten, einkommensunabhängig.
- Klimageschwindigkeitsbonus: 16 Prozent für den Austausch einer alten fossilen Heizung durch selbst nutzende Eigentümer. Er sinkt ab dem 1. Februar 2027 auf 12 Prozent, danach halbjährlich um vier Prozentpunkte, und läuft im August 2028 aus.
- Einkommensbonus: bis zu 40 Prozent für selbst nutzende Eigentümer, gestaffelt nach dem zu versteuernden Haushaltsjahreseinkommen (40 Prozent bis 30.000 Euro, 30 Prozent bis 40.000 Euro, 10 Prozent bis 50.000 Euro).
- Maximale Förderung: in der Summe bis zu 70 Prozent, in der untersten Einkommensstufe bis zu 80 Prozent der förderfähigen Kosten. Diese sind bei der ersten Wohneinheit auf 28.000 Euro gedeckelt, woraus sich ein maximaler Zuschuss von rund 19.600 Euro (bei 80 Prozent bis zu 22.400 Euro) ergibt.
Voraussetzung ist unter anderem eine Jahresarbeitszahl von mindestens 3,0, die eine Erdwärmepumpe problemlos erreicht. Der Antrag muss vor der Auftragsvergabe gestellt werden. Mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), das das frühere Gebäudeenergiegesetz ablöst, entfällt die starre 65-Prozent-Regel. Die Vorgaben werden technologieoffener, Öl- und Gasheizungen bleiben zulässig und die Förderung bleibt bestehen.
Für wen eignet sich die Erdwärmepumpe?
Die Erdwärmepumpe eignet sich besonders für Eigentümer, die langfristig planen und höchste Effizienz anstreben. Ideal ist sie für Neubauten und gut gedämmte Bestandsgebäude mit niedrigen Vorlauftemperaturen, etwa in Verbindung mit einer Fußbodenheizung, da die Wärmepumpe dann besonders effizient arbeitet. Wichtig ist ein geeignetes Grundstück mit ausreichend Fläche für Kollektoren oder der Möglichkeit einer Bohrung sowie die Erfüllung der behördlichen Voraussetzungen. Wer diese Bedingungen erfüllt und die höheren Anfangsinvestitionen für die Erschließung aufbringen kann, erhält eine der effizientesten Heizformen überhaupt. Entscheidend für den Erfolg sind eine sorgfältige Planung, die Prüfung der örtlichen Gegebenheiten und eine fachgerechte Ausführung durch einen erfahrenen Betrieb. So sorgt die Erdwärmepumpe über viele Jahre für eine sparsame, komfortable Wärmeversorgung.
Vorteile und Nachteile der Erdwärmepumpe
Der größte Vorteil der Erdwärmepumpe ist ihre hohe Effizienz. Dank der konstanten Erdtemperatur arbeitet sie das ganze Jahr über gleichmäßig und erreicht hohe Jahresarbeitszahlen, was zu niedrigen Betriebskosten führt. Sie ist zudem wartungsarm und macht unabhängig von fossilen Brennstoffen und deren Preisentwicklung; die Erdsonden halten oft mehrere Jahrzehnte. Da sie keinen Verbrennungsprozess nutzt, entfallen Schornstein, Brennstofflager und die Abgasprüfung. Dem stehen einige Nachteile gegenüber. Die Erschließung des Erdreichs ist aufwendig und mit hohen Anfangsinvestitionen verbunden, besonders bei einer Tiefenbohrung, die zudem genehmigt werden muss. Auch benötigt der Flächenkollektor viel Grundstücksfläche, und nicht jedes Grundstück ist geeignet. Wer diese Hürden nimmt, erhält jedoch eine der effizientesten und wirtschaftlichsten Heizungen überhaupt, die sich über ihre lange Lebensdauer auszahlt.
Rechnet sich die Bohrung? Erdwärme gegen Luftwärmepumpe
Gerechnet für ein Einfamilienhaus mit rund 140 Quadratmetern und 18.000 Kilowattstunden Jahreswärmebedarf, bei einem Wärmepumpenstrompreis von rund 27 Cent je Kilowattstunde (Stand Sommer 2026). Angesetzt sind eine Jahresarbeitszahl von 4,0 für die Erdwärmepumpe und 3,2 für die Luftwärmepumpe.
Die Erdwärmepumpe arbeitet effizienter, kostet wegen der Erschließung aber mehr. Ob sich das rechnet, zeigt die Gegenüberstellung:
| Position | Erdwärmepumpe | Luftwärmepumpe |
|---|---|---|
| Investition inklusive Erschließung | rund 35.000 € | rund 27.000 € |
| anrechenbare Kosten (Deckel 28.000 €) | 28.000 € | 27.000 € |
| Zuschuss bei 46 % (30 % plus Klimageschwindigkeitsbonus) | 12.880 € | 12.420 € |
| Eigenanteil | 22.120 € | 14.580 € |
| Stromverbrauch im Jahr | 4.500 kWh | 5.625 kWh |
| Stromkosten im Jahr | rund 1.215 € | rund 1.519 € |
Das Ergebnis fällt nüchterner aus, als oft dargestellt: Die Erdwärmepumpe spart etwa 304 Euro im Jahr, verlangt aber rund 7.540 Euro mehr Eigenkapital. Rein rechnerisch dauert es damit rund 25 Jahre, bis sich der Aufpreis über die Stromersparnis trägt. Zwei Gründe stecken dahinter. Erstens greift der Förderdeckel: Weil nur 28.000 Euro anrechenbar sind, wird der teure Teil der Bohrung nicht mehr bezuschusst. Zweitens ist der frühere Effizienzbonus von 5 Prozent, den es für die Wärmequelle Erdreich gab, mit der Förderreform zum 21. Juli 2026 entfallen. Damit hat die Erdwärmepumpe ihren Fördervorsprung gegenüber der Luftwärmepumpe verloren.
Bei höherem Wärmebedarf dreht sich das Bild spürbar: Braucht das Gebäude 30.000 statt 18.000 Kilowattstunden, steigt die jährliche Ersparnis auf rund 506 Euro und die Amortisation sinkt auf etwa 15 Jahre. Hinzu kommen Vorteile, die in keiner Tabelle stehen: kein Außengerät und damit kein Geräusch am Haus, eine gleichmäßige Effizienz auch bei Frost, die Möglichkeit zur passiven Kühlung im Sommer und eine Erdsonde, die deutlich länger hält als die Wärmepumpe selbst. Wer nur auf die Amortisation schaut, greift zur Luftwärmepumpe. Wer Wert auf Komfort, Ruhe und Langlebigkeit legt und einen hohen Verbrauch hat, fährt mit Erdwärme gut.
Häufige Fragen zur Erdwärmepumpe
Wie effizient ist eine Erdwärmepumpe?
Dank der konstanten Erdtemperatur erreicht die Erdwärmepumpe hohe Jahresarbeitszahlen von etwa 3,5 bis 4,5. Sie arbeitet damit deutlich effizienter als eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, weil das Erdreich im Winter wärmer und gleichmäßiger temperiert ist als die Außenluft. Das führt zu niedrigen Stromkosten.
Erdsonde oder Flächenkollektor: Was ist besser?
Die Erdsonde wird über eine Tiefenbohrung senkrecht eingebracht, benötigt wenig Grundstücksfläche, aber eine Genehmigung. Der Flächenkollektor wird waagerecht in geringer Tiefe verlegt, ist günstiger, braucht dafür aber eine große, unbebaute Fläche. Welche Variante passt, hängt von Grundstück, Geologie und behördlichen Vorgaben ab.
Braucht eine Erdwärmepumpe eine Genehmigung?
Eine Tiefenbohrung für die Erdsonde ist genehmigungspflichtig und muss von einem Fachbetrieb ausgeführt werden. Auch bei Flächenkollektoren sind die örtlichen behördlichen Vorgaben zu beachten. Eine vorherige geologische Einschätzung klärt, ob der Untergrund geeignet ist.
Wie hoch ist die Förderung?
Die Erdwärmepumpe ist über die Bundesförderung für effiziente Gebäude förderfähig. Aus einer Grundförderung von 30 Prozent lassen sich mit den Boni bis zu 70 Prozent erreichen.
Für wen lohnt sich eine Erdwärmepumpe?
Sie eignet sich vor allem für Eigentümer, die langfristig planen und höchste Effizienz anstreben, idealerweise in gut gedämmten Gebäuden mit Fußbodenheizung. Voraussetzung ist ein geeignetes Grundstück für Bohrung oder Kollektor sowie die Bereitschaft, die höheren Erschließungskosten zu tragen.



