
Stromzähler erfassen den Energieverbrauch im Haus. Wärmepumpenheizungen und Nachtspeicherheizungen benötigen Strom, und für sie bieten viele Versorger günstigere Tarife an, wenn außerhalb der Hochlastzeiten geheizt wird. Ein einzelner Zähler kann jedoch nicht unterscheiden, wie viel Strom tags und wie viel nachts bezogen wird. Genau das leistet der Doppeltarifzähler, auch Zweitarifzähler genannt: Er erfasst den Verbrauch auf zwei Zählwerken, tagsüber im Hochtarif (HT) und nachts im günstigeren Niedertarif (NT). Wir erklären, wann sich der Wechsel lohnt und welche Kosten anfallen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Ein Doppeltarifzähler erfasst den Stromverbrauch getrennt nach Hoch- und Niedertarif.
- Er lohnt sich, wenn ein großer Teil des Verbrauchs in die günstigeren Nachtstunden fällt, etwa bei Nachtspeicher- oder Wärmepumpenheizungen.
- Der Zähler wird über den Netzbetreiber eingebaut. Der Stromanbieter lässt sich unabhängig davon wählen.
- Mit dem Smart-Meter-Rollout gewinnen intelligente Messsysteme und zeitvariable Tarife an Bedeutung.
Wie bekomme ich einen Doppeltarifzähler?
Die Tarife für Heizstrom unterscheiden sich je nach Anbieter, Region und Verbrauch teils deutlich, weshalb sich ein Preisvergleich lohnt. Wer von einem Eintarif- auf einen Doppeltarifzähler wechseln möchte oder umgekehrt, muss sich an den Netzbetreiber wenden, da der Zähler in dessen Zuständigkeit fällt und in der Regel verplombt ist. Ob der Zähler gekauft oder vom Netzbetreiber gestellt und in dessen Eigentum bleibt, wird mit dem Netzbetreiber abgestimmt. Neben der monatlichen Grundgebühr fallen die verbrauchsabhängigen Kosten und gegebenenfalls Kosten für das Ablesen an. Der Stromanbieter kann unabhängig vom Zähler gewechselt werden.
Steuerbare Wärmepumpen und reduzierte Netzentgelte
Für neuere, steuerbare Verbrauchseinrichtungen wie Wärmepumpen gibt es eine gesetzliche Regelung, nach der der Netzbetreiber die Leistung in Spitzenzeiten kurzzeitig drosseln darf. Im Gegenzug profitieren Betreiber von reduzierten Netzentgelten, was die Stromkosten spürbar senken kann. Voraussetzung ist ein entsprechend eingebundener Zähler beziehungsweise ein intelligentes Messsystem. Für Haushalte mit Wärmepumpe ist diese Regelung oft attraktiver als der klassische HT/NT-Zähler, da die Ersparnis unabhängig von festen Nachtzeiten greift. Ob sich ein separater Heizstromzähler oder die Einbindung als steuerbare Einrichtung mehr lohnt, hängt vom Tarif und vom Verbrauchsprofil ab.
Smart Meter und dynamische Tarife
Der klassische Doppeltarifzähler wird zunehmend durch moderne Messeinrichtungen und intelligente Messsysteme, sogenannte Smart Meter, ergänzt oder ersetzt. Diese erfassen den Verbrauch fein aufgelöst und können ihn automatisch übermitteln, sodass kein manuelles Ablesen mehr nötig ist. In Verbindung mit einem intelligenten Messsystem werden zeitvariable oder dynamische Stromtarife interessant, bei denen sich der Preis nach dem aktuellen Börsenstrompreis richtet. Wer flexibel heizt oder einen Speicher nutzt, kann so gezielt günstige Stunden nutzen. Stromanbieter müssen inzwischen entsprechende Tarife anbieten. Der starre HT/NT-Rhythmus verliert damit an Bedeutung zugunsten flexiblerer, verbrauchsnaher Modelle.
Kosten und Wirtschaftlichkeit
Ob sich ein Doppeltarifzähler lohnt, hängt davon ab, wie viel des Verbrauchs in die günstigen Zeiten fällt und wie groß der Preisunterschied zwischen Hoch- und Niedertarif ist. Bei einer Nachtspeicherheizung, die vorwiegend nachts lädt, kann die Ersparnis erheblich sein. Bei einer Wärmepumpe, die über den Tag verteilt läuft, ist häufig die Einbindung als steuerbare Einrichtung mit reduzierten Netzentgelten oder ein dynamischer Tarif vorteilhafter. Der monatlichen Grundgebühr und den möglichen Umbaukosten steht die Ersparnis beim Arbeitspreis gegenüber. Ein Vergleich der Gesamtkosten über das Jahr zeigt, welches Modell im Einzelfall günstiger ist. Verbraucher mit Blick auf die Umweltbilanz achten zusätzlich auf Ökostromtarife.
Für wen sich welches Modell eignet
Ob sich ein Doppeltarifzähler, ein separater Heizstromzähler oder ein dynamischer Tarif lohnt, hängt vom Heizsystem und Verbrauchsverhalten ab. Für eine reine Nachtspeicherheizung, die überwiegend nachts lädt, ist der klassische HT/NT-Zähler weiterhin sinnvoll. Für Wärmepumpen ist häufig die Einbindung als steuerbare Verbrauchseinrichtung mit reduzierten Netzentgelten die bessere Wahl. Wer flexibel ist und einen Speicher oder ein Elektroauto lädt, profitiert zunehmend von dynamischen Tarifen über ein intelligentes Messsystem. Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht. Entscheidend ist, wie viel Verbrauch sich in günstige Zeiten verlagern lässt und wie hoch die Grund- und Umbaukosten ausfallen.
Ablesung und Abrechnung
Beim klassischen Doppeltarifzähler werden zwei Zählerstände abgelesen, die getrennt abgerechnet werden. In vielen Regionen erfolgt die Ablesung durch den Kunden selbst oder durch einen Beauftragten des Netzbetreibers, der einen Termin ankündigt. Moderne, fernauslesbare Zähler übermitteln die Werte automatisch, was Fehler und Aufwand reduziert. Mit dem fortschreitenden Rollout intelligenter Messsysteme wird die automatische, feingliedrige Erfassung zum Standard. Für Verbraucher bedeutet das mehr Transparenz über den eigenen Verbrauch und die Möglichkeit, das Verhalten gezielt an günstige Tarifzeiten anzupassen und so Kosten zu sparen.
Wechsel und Netzbetreiber im Blick behalten
Wichtig ist die klare Rollenverteilung: Der Zähler und seine Bauform liegen in der Zuständigkeit des Netzbetreibers, während der Stromlieferant frei wählbar ist und unabhängig davon gewechselt werden kann. Wer den Anbieter wechselt, sollte prüfen, ob die vorhandene Zählerart zum neuen Tarif passt, da sonst ein Umbau nötig werden kann. Vergleichen Sie nicht nur den Arbeitspreis, sondern auch die Grundgebühr und mögliche Zusatzkosten. Achten Sie zudem darauf, ob ein Tarif einen speziellen Heizstromzähler oder ein intelligentes Messsystem voraussetzt. Mit einem sorgfältigen Vergleich und dem Blick auf die Zählerkonstellation finden Sie die Kombination aus Zähler und Tarif, die für Ihr Verbrauchsprofil am günstigsten ist.
Fazit
Der Doppeltarifzähler trennt Hoch- und Niedertarif und lohnt sich vor allem dann, wenn ein großer Teil des Stromverbrauchs in die günstigen Nachtstunden fällt. Für Wärmepumpen sind heute jedoch oft die Einbindung als steuerbare Einrichtung mit reduzierten Netzentgelten oder dynamische Tarife über ein intelligentes Messsystem die attraktivere Lösung. Da der Zähler über den Netzbetreiber läuft, der Stromanbieter aber frei wählbar ist, lohnt sich ein Vergleich von Tarifen und Modellen. So finden Sie die für Ihr Verbrauchsprofil günstigste Kombination.
