
Heizstrom ist ein spezieller Stromtarif für elektrische Heizsysteme wie Wärmepumpen, Nachtspeicherheizungen oder elektrische Fußbodenheizungen. Er ist oft günstiger als der reguläre Haushaltsstrom, weil er auf den Bedarf und die Betriebszeiten dieser Systeme abgestimmt ist. Dieser Ratgeber erklärt Tarife, Anbieter, Messung und die Einordnung 2026.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Heizstrom ist ein spezieller Stromtarif für elektrische Heizsysteme und oft günstiger als regulärer Haushaltsstrom.
- Zahlreiche Anbieter, von großen Versorgern bis zu regionalen Stadtwerken, bieten Heizstromtarife an. Ein Preisvergleich lohnt sich.
- Heizstrom wird über einen gemeinsamen oder getrennten Zähler erfasst. Für steuerbare Wärmepumpen gibt es zusätzlich reduzierte Netzentgelte.
Herkunft der Heizstromtarife
Bis in die 1970er Jahre wurden viele Häuser mit elektrischen Nachtspeicheröfen ausgestattet. Die Versorger reagierten mit speziellen Nachtstromtarifen, um die Verbrauchsspitzen am Tag abzumildern und die nächtliche Auslastung zu erhöhen. Aus diesen Nachtstromtarifen haben sich die heutigen Heizstromtarife entwickelt, die inzwischen vor allem für den Betrieb von Wärmepumpen genutzt werden. Mit dem Rückgang der Nachtspeicherheizungen und der starken Verbreitung der Wärmepumpe hat sich der Schwerpunkt dieser Tarife entsprechend verschoben.
Für wen sich Heizstrom lohnt

Heizstrom lohnt sich für Haushalte mit elektrischen Heizsystemen. Dazu zählen vor allem:
- Wärmepumpen: Sie nutzen Umweltwärme effizient und benötigen Strom für den Betrieb. Spezielle Tarife für Wärmepumpenstrom senken die Betriebskosten.
- Nachtspeicherheizungen: Sie speichern Wärme in Zeiten günstigeren Stroms und geben sie später ab.
- Elektrische Fußbodenheizungen: Auch sie profitieren von günstigeren Heizstromtarifen.
Besonders vorteilhaft ist Heizstrom für Haushalte, die ihren Verbrauch flexibel in günstigere Zeiten verlagern können, etwa mit einem speicherfähigen System oder einem Pufferspeicher. In gut gedämmten Gebäuden ist der Heizbedarf ohnehin gering, sodass sich die Betriebskosten in Kombination mit einem günstigen Tarif weiter senken lassen.
Anbieter im Überblick
Durch den geöffneten Energiemarkt können Verbraucher ihren Stromlieferanten frei und überregional wählen. Wer einen Stromverbraucher zur Wärmeerzeugung besitzt, kann gezielt einen Heizstromtarif suchen. Zu den bekannten Anbietern zählen:
- E.ON: einer der größten Versorger, der flexible Heizstromtarife für Wärmepumpen und Nachtspeicherheizungen anbietet. In E.ON ist auch die frühere Marke innogy aufgegangen.
- EnBW: bietet Tarife an, die sowohl für Wärmepumpen als auch für Nachtspeicherheizungen ausgelegt sind.
- Vattenfall: bietet Heizstromtarife, die auf die Nutzung von günstigem Strom in Niedertarifzeiten ausgerichtet sind.
- Stadtwerke: viele lokale Stadtwerke bieten Heizstromtarife an, die eng auf die örtlichen Gegebenheiten abgestimmt sind.
- Lichtblick: ein auf erneuerbare Energie spezialisierter Anbieter, der ebenfalls Heizstromtarife im Programm hat.
Ein Preisvergleich lohnt sich, da sich die Konditionen deutlich unterscheiden. Große Versorger haben ihr Angebot in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut, sodass neben regionalen Anbietern und Stadtwerken auch überregionale Tarife zur Auswahl stehen.
Gemeinsame oder getrennte Messung
Heizstrom wird auf zwei Arten erfasst. Bei der Messung über einen gemeinsamen Zähler läuft der vergünstigte Strom zusammen mit dem Haushaltsstrom. Entscheidend ist der Zeitpunkt der Entnahme, ähnlich wie früher bei den Nachtspeichertarifen. Die Niedertarifzeiten folgen dabei nicht mehr strikt dem alten Muster, doch der Faktor Zeit bleibt: Fällt Verbrauch in Hochtarifzeiten an, muss ein Speicher die Zeit bis zum nächsten Niedrigtarif überbrücken. Bei der Messung über einen getrennten Zähler werden Haushaltsstrom und Heizstrom über eigene Leitungen erfasst. Hier spielt die Zeit keine Rolle, und der Tarif richtet sich nach dem Angebot des Versorgers. Bei getrennter Messung lassen sich für die beiden Anschlüsse sogar unterschiedliche Anbieter wählen.
Reduzierte Netzentgelte für Wärmepumpen
Ein wichtiger Punkt für Wärmepumpenbesitzer ist die Regelung zu steuerbaren Verbrauchseinrichtungen im Energiewirtschaftsgesetz. Danach können Netzbetreiber eine steuerbare Wärmepumpe mit einer Leistung über 4,2 Kilowatt bei Bedarf kurzzeitig in der Leistung reduzieren, um das Stromnetz zu entlasten. Im Gegenzug erhalten die Betreiber reduzierte Netzentgelte, was die Stromkosten je nach Modell spürbar senkt. In der Praxis ist die tatsächliche Steuerung selten und beeinträchtigt den Heizkomfort kaum, da die Wärmepumpe über die Gebäudemasse und einen Pufferspeicher kurze Phasen problemlos überbrückt, während der finanzielle Vorteil dauerhaft bleibt. Diese Regelung macht den Betrieb einer Wärmepumpe zusätzlich attraktiv und sollte bei der Wahl des Tarifs berücksichtigt werden.
Zusammensetzung des Strompreises
Der Preis für Heizstrom setzt sich wie beim Haushaltsstrom aus mehreren Bestandteilen zusammen: dem eigentlichen Energiepreis, den Netzentgelten, staatlichen Abgaben und Steuern. Der Vorteil des Heizstromtarifs liegt vor allem in geringeren Netzentgelten und einem günstigeren Arbeitspreis, weil der Verbrauch gut planbar ist und teilweise in Zeiten geringer Netzauslastung fällt. Wie hoch die Ersparnis gegenüber dem Haushaltsstrom ausfällt, hängt vom Anbieter, der Region und der gewählten Messart ab. Da sich die Preisbestandteile und Tarife regelmäßig ändern, lohnt sich ein wiederkehrender Vergleich, um nicht in einem teuren Grundversorgungstarif zu bleiben. Wer eine neue Wärmepumpe installiert, sollte den passenden Heizstromtarif von Anfang an mit einplanen, da sich die laufenden Kosten dadurch spürbar senken lassen.
Ökostrom für die Wärmepumpe
Mit Blick auf die Umweltbilanz ist die Herkunft des Stroms entscheidend. Eine Wärmepumpe verursacht umso weniger CO2, je höher der Anteil erneuerbarer Energie im genutzten Strom ist. Viele Anbieter führen daher Heizstromtarife auf Basis von Ökostrom. Besonders günstig wird der Betrieb, wenn eigener Solarstrom von der Photovoltaikanlage genutzt wird, der die Wärmepumpe direkt antreibt. So sinkt der Bezug aus dem Netz, und die Heizkosten fallen weiter. Auch wenn die meisten Standardtarife einen Strommix enthalten, lässt sich durch die gezielte Wahl eines Ökostromtarifs oder die Kombination mit einer eigenen Solaranlage die Klimabilanz der elektrischen Heizung deutlich verbessern. Damit wird die Wärmepumpe zu einem zentralen Baustein einer Wärmeversorgung auf erneuerbarer Basis.
Einordnung 2026
Strom bleibt je Kilowattstunde deutlich teurer als andere Energieträger. Für die reine Wärmeerzeugung mit einer Direktheizung ist er daher meist die teuerste Lösung. Anders liegt der Fall bei der Wärmepumpe: Sie macht aus einer Kilowattstunde Strom ein Mehrfaches an Wärme, sodass die Heizkosten trotz des höheren Strompreises niedrig ausfallen. In Verbindung mit einem günstigen Heizstromtarif, reduzierten Netzentgelten und gegebenenfalls eigenem Solarstrom wird die Wärmepumpe damit zu einer wirtschaftlichen und zukunftssicheren Heizung. Wer eine Nachtspeicherheizung betreibt, sollte dagegen prüfen, ob sich der Umstieg auf ein effizienteres System lohnt, da die reine Stromdirektheizung langfristig teuer bleibt. Ein Vergleich der Tarife und der passenden Messart hilft, die Stromkosten für die Wärmeerzeugung zu optimieren. Wer die Entwicklung der Strompreise im Blick behält und den Tarif regelmäßig überprüft, kann die laufenden Kosten dauerhaft niedrig halten und die Vorteile der elektrischen Wärmeerzeugung voll ausschöpfen.
Rechenbeispiel: Ab wann sich der zweite Zähler lohnt
Ein eigener Heizstromzähler kostet Grundgebühr und Messstellenbetrieb, bringt dafür aber den günstigeren Tarif. Gerechnet wird mit 37 Cent Haushaltsstrom, 27 Cent Wärmepumpentarif und rund 150 Euro im Jahr für den zweiten Zähler (Stand Sommer 2026).
| Strombedarf der Wärmepumpe | Ersparnis über den Arbeitspreis | abzüglich Zählerkosten |
|---|---|---|
| 2.000 kWh | rund 200 € | rund 50 € |
| 5.000 kWh | rund 500 € | rund 350 € |
| 8.000 kWh | rund 800 € | rund 650 € |
Die Differenz von 10 Cent je Kilowattstunde bedeutet: Der zweite Zähler trägt sich ab rund 1.500 Kilowattstunden im Jahr. Da eine Wärmepumpe im Einfamilienhaus typischerweise 4.000 bis 6.000 Kilowattstunden benötigt, ist die getrennte Messung dort fast immer die richtige Wahl. Anders sieht es bei einer kleinen Warmwasser-Wärmepumpe oder einer selten genutzten Zusatzheizung aus, die kaum über 1.000 Kilowattstunden kommt. Dort frisst die Grundgebühr den Vorteil auf.
Ein zweiter Punkt kommt hinzu, der oft übersehen wird: Bei getrennter Messung lässt sich der Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage nicht ohne Weiteres auf den Wärmepumpenzähler leiten. Wer viel Solarstrom selbst nutzen will, fährt mit einer gemeinsamen Messung teils besser, obwohl der Arbeitspreis höher ist. Rechnen Sie deshalb beide Varianten mit Ihrem tatsächlichen Verbrauch durch, statt der Faustregel zu folgen.
Häufige Fragen zum Heizstrom
Was ist Heizstrom genau?
Ein eigener Stromtarif für Wärmepumpen und Nachtspeicheröfen, der günstiger ist als Haushaltsstrom, dafür aber über einen separaten Zähler läuft. Der niedrigere Preis, meist rund 27 statt 37 Cent, ergibt sich, weil der Netzbetreiber die Anlage bei Bedarf steuern darf. Für Wärmepumpen ist das seit 2024 in Paragraf 14a des Energiewirtschaftsgesetzes geregelt.
Was bedeutet die Steuerbarkeit nach Paragraf 14a?
Der Netzbetreiber darf steuerbare Verbraucher über 4,2 Kilowatt bei Netzengpässen kurzzeitig drosseln, nicht abschalten. Im Gegenzug sinken die Netzentgelte um rund 110 bis 190 Euro im Jahr. In der Praxis kommt die Drosselung selten und kurz vor, sodass der Komfort kaum leidet.
Brauche ich einen eigenen Zähler?
Für den günstigen Wärmepumpentarif ja, denn nur getrennt gemessener Strom lässt sich separat abrechnen. Der zweite Zähler kostet Grundgebühr, die sich aber ab einem gewissen Verbrauch lohnt. Wer viel eigenen Solarstrom nutzen will, sollte die getrennte gegen die gemeinsame Messung abwägen.
Kann ich den Heizstromanbieter frei wählen?
Ja, der Markt ist geöffnet. Sie können den Wärmepumpentarif unabhängig vom Haushaltsstrom bei einem anderen Anbieter beziehen. Achten Sie auf die Vertragslaufzeit, die Preisgarantie und darauf, ob ein separater Zähler vorausgesetzt wird. Ein Vergleich lohnt, weil die Tarife stärker streuen als beim Haushaltsstrom.
Gibt es Heizstrom auch für Nachtspeicheröfen?
Ja, historisch war das der klassische Nachtstrom. Diese günstigen Nachttarife werden aber seltener, weil die Preisunterschiede zwischen Tag und Nacht schrumpfen. Ohne deutlich günstigeren Nachtstrom verliert die Nachtspeicherheizung ihren einzigen wirtschaftlichen Vorteil.
