
Wärme lässt sich als Strahlungs- oder als Konvektionswärme abgeben. Eine Strahlungsheizung erwärmt wie die Sonne direkt Körper und Flächen, statt zunächst die Luft aufzuheizen. Das gilt als besonders behaglich. Dieser Ratgeber erklärt die Funktionsweise, die Vor- und Nachteile und für wen sich eine Umrüstung lohnt.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Eine Strahlungsheizung gibt die Wärme überwiegend als Strahlung ab und wird oft als angenehmer empfunden als die Konvektionswärme herkömmlicher Heizkörper.
- Vorteile sind gleichmäßige Wärme, weniger Staubaufwirbelung und trockene Luft. Große Strahlungsflächen ermöglichen niedrige Vorlauftemperaturen.
- Die elektrische Infrarotvariante ist günstig in der Anschaffung, im Betrieb wegen der hohen Stromkosten aber teuer. Wassergeführte Strahlungsflächen sind langfristig meist wirtschaftlicher.
Konvektions- und Strahlungswärme
Ein herkömmlicher Heizkörper gibt rund 70 Prozent seiner Wärme als Konvektionswärme ab: Er erwärmt die Luft, die aufsteigt und zirkuliert. Diese Luftbewegung wird von vielen als unangenehme Heizungsluft empfunden und wirbelt Staub auf, was besonders Allergikern schadet. Zudem sammelt sich die warme Luft oben, während es unten kühler bleibt. Eine Strahlungsheizung verteilt die Wärme dagegen gleichmäßiger im Raum. Sie verzichtet weitgehend auf die Luft als Übertragungsmedium, sodass die Luft angenehm kühl bleibt und weniger austrocknet. Trockene Heizungsluft verursacht häufig Unwohlsein und gereizte Schleimhäute. Die Strahlungswärme wird dagegen oft als besonders wohltuend empfunden, vergleichbar mit der Sonne an einem Frühlingstag.
Vorteile der Strahlungsheizung
Neben dem angenehmen Empfinden ergibt sich auch ein Energievorteil: Mit jedem Grad, um das die Raumtemperatur gesenkt werden kann, lassen sich rund sechs Prozent Heizenergie sparen. Da die Strahlungswärme direkt wirkt, empfinden viele Menschen bereits eine etwas niedrigere Raumtemperatur als behaglich. Strahlungsheizkörper sind zudem flacher und dadurch leicht zu reinigen. Ihre größere Fläche ermöglicht eine niedrige Vorlauftemperatur, was die Wärmeverluste senkt und die Effizienz erhöht. Diese niedrige Vorlauftemperatur macht wassergeführte Strahlungsflächen zu einem guten Partner für moderne, effiziente Wärmeerzeuger.
Umrüstung: Wandflächen oder Fußbodenheizung
Bei einer Umrüstung liegt der Unterschied vor allem in den Heizflächen. Strahlungsheizkörper haben eine speziellere Konstruktion und eine größere Fläche, was den Umbau aufwendiger machen kann. Konsequent umgesetzt wird das Prinzip auch von der Fußbodenheizung, die als große Strahlungsfläche wirkt. Ihre Nachrüstung ist allerdings aufwendig und lohnt sich meist nur im Neubau oder bei umfangreichen Sanierungen. In beiden Fällen ermöglicht die große Fläche eine niedrige Vorlauftemperatur, was die Kombination mit einer Wärmepumpe besonders effizient macht.
Strahlungsheizung per Infrarot
Besonders konsequent wird das Prinzip durch die elektrische Infrarotheizung umgesetzt, die nahezu die gesamte Energie in Strahlungswärme umwandelt. Die Infrarot-Paneele sind einfach anzubringen, platzsparend und günstig in der Anschaffung. Da sie mit Strom betrieben werden, entfällt der Anschluss an die Heizungsrohre. Der Nachteil liegt in den Betriebskosten, denn Strom ist je Kilowattstunde deutlich teurer als andere Energieträger. Als alleinige Heizung für ein ganzes Haus ist die Infrarotheizung daher meist unwirtschaftlich. Als punktuelle Ergänzung in einzelnen Räumen oder in gut gedämmten Gebäuden mit geringem Bedarf kann sie jedoch sinnvoll sein.
Kosten im Vergleich
Bei den Betriebskosten zeigt sich der Nachteil der elektrischen Variante deutlich. Für eine beheizte Fläche von 100 Quadratmetern wird grob eine Leistung von etwa 6.000 Watt benötigt. Bei einem Strompreis von rund 37 Cent je Kilowattstunde entstehen dadurch erhebliche jährliche Kosten. In der Anschaffung ist die Infrarotheizung mit grob ab 3.000 Euro dagegen günstig, während ein vollständiges wassergeführtes Heizsystem deutlich teurer ist. Zu bedenken ist die weitere Entwicklung: Fossile Brennstoffe werden durch den steigenden CO2-Preis teurer, und auch Strom bleibt vergleichsweise kostspielig. Am wirtschaftlichsten ist es daher, Strahlungsflächen wie eine Fußbodenheizung mit einer effizienten Wärmepumpe zu kombinieren, die aus einer Kilowattstunde Strom ein Mehrfaches an Wärme erzeugt und über die Bundesförderung bezuschusst wird.
Für wen sich die Umrüstung lohnt
Ob sich eine Umrüstung auf eine Strahlungsheizung lohnt, hängt von der Ausgangssituation ab. In gut gedämmten Gebäuden mit niedrigem Wärmebedarf spielt die Strahlungsheizung ihre Vorteile aus, weil sie mit niedriger Vorlauftemperatur einen hohen Komfort bietet. Wird ohnehin eine umfassende Sanierung durchgeführt oder ein Neubau geplant, ist die Fußbodenheizung als große Strahlungsfläche die naheliegende Wahl, zumal sie sich ideal mit einer Wärmepumpe kombinieren lässt. Für einzelne, selten genutzte Räume kann eine elektrische Infrarotheizung als punktuelle Ergänzung sinnvoll sein, da sie schnell und ohne Rohranschluss einsatzbereit ist. Als vollständiger Ersatz für die Zentralheizung ist die Infrarotvariante wegen der hohen Stromkosten dagegen selten wirtschaftlich. Wer eine Umrüstung erwägt, sollte daher den Wärmebedarf des Gebäudes, die vorhandene Technik und die langfristigen Betriebskosten in die Entscheidung einbeziehen.
Einordnung
Die Strahlungsheizung bietet einen hohen Wärmekomfort und ermöglicht durch große Flächen und niedrige Vorlauftemperaturen einen effizienten Betrieb. Die elektrische Infrarotvariante eignet sich wegen der hohen Stromkosten vor allem als Ergänzung, nicht als alleinige Heizung. Zudem ist zu beachten, dass reine Stromdirektheizungen bei neuen Heizungen den gesetzlichen Anforderungen unterliegen. Wassergeführte Strahlungsflächen wie eine Fußbodenheizung in Kombination mit einer Wärmepumpe verbinden dagegen Behaglichkeit mit niedrigen Betriebskosten und sind über die Förderung besonders attraktiv. Wer eine Umrüstung plant, sollte daher das Gesamtsystem aus Heizflächen und Wärmeerzeuger betrachten und sich im Zweifel von einem Fachbetrieb beraten lassen.
