Getreidefeld für eine Getreideheizung

Die Getreideheizung nutzt pflanzliche Brennstoffe zur Wärmeerzeugung und wird vor allem in der Landwirtschaft diskutiert. Sie klingt zunächst attraktiv, weil nachwachsende Rohstoffe zum Einsatz kommen. Allerdings ist das Verbrennen von Getreide in Deutschland rechtlich stark eingeschränkt und technisch anspruchsvoll. Wir ordnen ein, was erlaubt ist, welche Kosten und Hersteller es gibt und für wen sich die Getreideheizung überhaupt eignet.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Das Verbrennen von Getreidekörnern ist in kleinen Feuerungsanlagen nach der 1. BImSchV grundsätzlich nicht als Regelbrennstoff zugelassen.
  • Zulässig ist im Wesentlichen nur nicht als Lebensmittel geeignetes Getreide in dafür geeigneten, die Emissionsgrenzwerte einhaltenden Anlagen.
  • Getreide ist ein schwieriger Brennstoff: hoher Ascheanfall, Schlackebildung und erhöhte Emissionen.
  • In der Praxis kommt die Getreideheizung fast nur im landwirtschaftlichen Umfeld und meist als Vielstoffanlage vor.

Was rechtlich erlaubt ist

Der Betrieb kleiner und mittlerer Feuerungsanlagen bis 1.000 Kilowatt ist in Deutschland über die 1. Bundes-Immissionsschutzverordnung geregelt. Zugelassen sind nur die dort ausdrücklich aufgeführten Brennstoffe. Ganze Getreidekörner zählen nicht zu den allgemein zugelassenen Regelbrennstoffen für kleine Anlagen. Zulässig ist im Kern nur nicht als Lebensmittel geeignetes Getreide, etwa Ausputz- oder Mindergetreide, und dies nur in Feuerungsanlagen, die dafür geeignet sind und die Emissionsgrenzwerte einhalten. Stroh und ähnliche pflanzliche Stoffe, also auch die ganze Getreidepflanze, sind im Bereich von etwa 15 bis 100 Kilowatt zulässig, darüber greift die 4. BImSchV mit Genehmigungspflicht. Lebensmitteltaugliches Getreide zum Heizen zu verbrennen, ist dagegen weder vorgesehen noch üblich, auch aus ethischen Gründen. Vor der Anschaffung sollte daher unbedingt mit dem Schornsteinfeger und der zuständigen Behörde geklärt werden, was am konkreten Standort erlaubt ist.

Technische Besonderheiten und Herausforderungen

Getreide ist ein deutlich schwierigerer Brennstoff als Holz. Die Getreideasche hat einen niedrigen Schmelzpunkt, sodass sich Schlacke im Brennraum bildet, die den Kessel und die Wärmetauscher zusetzen kann. Zudem fällt ein Vielfaches der Aschemenge einer Holzfeuerung an, was den Reinigungsaufwand stark erhöht. Auch die Emissionen an Staub, Kohlenmonoxid und Stickoxiden sind höher, und der Chlorgehalt kann zu Korrosion führen. Um die Grenzwerte einzuhalten, sind eine ausgereifte Feuerungstechnik und teils zusätzliche Abgasreinigung nötig. Manche Hersteller empfehlen, den Kessel wegen der Korrosionsgefahr durchgehend auf Temperatur zu halten. Diese Anforderungen machen die Getreideheizung technisch anspruchsvoll und den Betrieb aufwendiger als bei einer Pelletheizung.

Wo sich der Einsatz eignet

Aufgrund der rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen kommt die Getreideheizung fast ausschließlich im landwirtschaftlichen Umfeld vor. Land- und Forstwirte sowie Gartenbaubetriebe können unter bestimmten Voraussetzungen nicht lebensmitteltaugliches Getreide aus eigener Erzeugung nutzen und werden so ein Stück weit zu Selbstversorgern. Vorteilhaft ist der Einsatz vor allem bei größeren Anlagen mit hohem Wärmebedarf, da hier der Aufwand im Verhältnis geringer ausfällt. Auch der Aufbau eines Nahwärmenetzes auf einem Hof ist denkbar. Für ein normales Wohnhaus im Wohngebiet ist die Getreideheizung dagegen in aller Regel weder zulässig noch praktikabel; hier sind eine Pelletheizung, eine Wärmepumpe oder ein Anschluss an ein Wärmenetz die sinnvolleren Optionen.

Hersteller und Modelle

Der Markt für Getreide- und Vielstoffheizungen ist überschaubar. Ein bekannter Hersteller ist Guntamatic, dessen Anlagen unterschiedliche pflanzliche Brennstoffe berücksichtigen. Solche Anlagen lassen sich häufig auch mit Holzpellets oder Hackschnitzeln betreiben, was den Betrieb flexibler und rechtlich unkomplizierter macht. Der Hersteller bietet unter anderem folgende Modelle an:

Modell

Details

Guntamatic Powercorn 30/50
  • für rieselfähige Agrobrennstoffe wie Gerste, Holzpellets oder Triticale geeignet,
  • Ascheschnecke und fahrbarer Aschebehälter für hohen Reinigungskomfort.
Guntamatic Powercorn 75
  • Heizleistung bis zu 75 kW,
  • selbstreinigender, industrieller Treppenrost verhindert Verschlackungen,
  • hoher Wirkungsgrad von rund 94 Prozent,
  • Brennstoffmenge, Luftzufuhr und Rostgeschwindigkeit werden automatisch abgestimmt,
  • Schnittstelle zur Heizungssteuerung per Smartphone.

Kosten und Wirtschaftlichkeit

Für die Anschaffung einer solchen Anlage sind Investitionskosten in der Größenordnung von etwa 17.000 bis 18.000 Euro einzuplanen, wobei die Preisspanne je nach Leistung und Ausstattung erheblich schwankt. Damit liegen die Investitionskosten deutlich über denen einer Ölheizung. Ob sich der Betrieb rechnet, hängt stark vom Brennstoffpreis ab: Anders als in der Vergangenheit, als Getreide zeitweise sehr günstig war, sind die Getreidepreise heute deutlich höher und schwanken stark, sodass der frühere Kostenvorteil gegenüber fossilen Brennstoffen nicht mehr verlässlich gegeben ist. Wirtschaftlich am ehesten darstellbar ist der Einsatz bei größeren Anlagen und wenn sehr günstiges Mindergetreide aus eigener Erzeugung zur Verfügung steht. Für die meisten Haushalte sind andere erneuerbare Heizsysteme sowohl rechtlich als auch wirtschaftlich die bessere Wahl.

Alternativen für Privathaushalte

Für Hausbesitzer, die auf einen nachwachsenden Rohstoff setzen möchten, ist die Pelletheizung die weitaus praktikablere Wahl. Pellets sind als Regelbrennstoff zugelassen, verbrennen sauberer, sind genormt und in gleichbleibender Qualität verfügbar, und moderne Pelletkessel arbeiten komfortabel und emissionsarm. Auch eine Wärmepumpe oder der Anschluss an ein Wärmenetz sind sinnvolle, rechtlich unkomplizierte Optionen, die zudem gut gefördert werden. Wer über eine Biomasseheizung nachdenkt, sollte daher die Getreideheizung nur dann in Betracht ziehen, wenn ein landwirtschaftlicher Hintergrund und geeignetes, nicht lebensmitteltaugliches Brenngut vorhanden sind. In allen anderen Fällen bieten die etablierten Alternativen mehr Komfort, Rechtssicherheit und Effizienz.

Fazit

Die Getreideheizung ist ein Sonderfall der Biomasseheizung mit engen rechtlichen Grenzen: Getreidekörner sind in kleinen Anlagen nach der 1. BImSchV kein zugelassener Regelbrennstoff, erlaubt ist im Wesentlichen nur nicht lebensmitteltaugliches Getreide in geeigneten Anlagen, die die Emissionsgrenzwerte einhalten. Hinzu kommen technische Hürden wie Schlackebildung, hoher Ascheanfall und erhöhte Emissionen. In der Praxis ist die Getreideheizung daher fast ausschließlich für landwirtschaftliche Betriebe mit eigenem Brennstoff und größerem Wärmebedarf interessant. Für normale Wohnhäuser sind Pelletheizung, Wärmepumpe oder Wärmenetzanschluss die geeigneteren Lösungen.