
Erneuerbare Energien dienen nicht nur der Stromerzeugung. Sie können regenerative Energie ebenso zum Beheizen Ihres Gebäudes und zur Warmwasserbereitung nutzen. Das ist heute wichtiger denn je, denn mit Geltung des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG), das das frühere Gebäudeenergiegesetz ablöst, rücken Heizungen auf Basis erneuerbarer Energien weiter in den Mittelpunkt. Für neu eingebaute Öl- und Gasheizungen gilt ab 2029 die Bio-Treppe mit steigenden Anteilen erneuerbarer Brennstoffe. Erneuerbare Systeme sind davon von vornherein nicht betroffen. Zu den regenerativen Heizungsarten zählen die folgenden Systeme, die wir im Anschluss näher vorstellen:
- Holzheizungen wie Pellet-, Scheitholz- und Hackschnitzelheizungen
- Solarthermie
- Wärmepumpe
Auch mit Biogas lässt sich der Anteil erneuerbarer Energie erhöhen. Anders als die genannten Varianten können Privatpersonen es jedoch nicht in einer kleinen eigenen Anlage erzeugen. Sie benötigen einen Anschluss an eine Biogasanlage, wie er in manchen Gemeinden über ein lokales Netz bereits besteht.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Zu den erneuerbaren Energien zum Heizen zählen vor allem Holzheizungen, Solarthermie und Wärmepumpen. Sie gelten als zukunftssicher und sind von der ab 2029 geltenden Bio-Treppe für fossile Heizungen nicht betroffen.
- Weil erneuerbare Wärme nicht immer dann anfällt, wenn sie gebraucht wird, kommt einem Pufferspeicher eine wichtige Rolle zu. Er gleicht Erzeugung und Verbrauch aus.
- Der Staat fördert den Umstieg über die Bundesförderung für effiziente Gebäude mit einer Grundförderung von 30 Prozent und weiteren Boni bis zu insgesamt 70 Prozent.
Bioenergie: Heizen mit Scheitholz, Pellets und Hackschnitzeln
Holz hat beim Heizen eine lange Tradition und gewinnt mit dem wachsenden Interesse an erneuerbaren Energien wieder an Bedeutung. Bei der Verbrennung von Holz wird das Kohlendioxid frei, das der Baum während seines Wachstums gebunden hat. Ernte, Verarbeitung und Transport verursachen zusätzliche Emissionen. Sie wählen zwischen Einzelöfen für einzelne Räume und zentralen Anlagen. Auch einen wasserführenden Kaminofen können Sie an den zentralen Heizkreislauf anschließen. Der Unterschied zwischen Scheitholz und den gepressten Pellets oder Hackschnitzeln liegt vor allem in der Handhabung: Hackschnitzel- und Pelletöfen führen den Brennstoff automatisch zu und lassen sich bequem lagern. Zu beachten ist, dass Holzfeuerungen Feinstaub verursachen und daher die Grenzwerte der Bundes-Immissionsschutzverordnung einhalten müssen.
Solarthermie als Ergänzung
Wenn Sie eine Heizung für erneuerbare Energien wünschen, sollten Sie sich auch mit der Solarthermie befassen. Anders als Photovoltaik, die Strom erzeugt, gewinnt Solarthermie Wärme. Sonnenkollektoren auf dem Dach decken einen Teil Ihres Wärmebedarfs. Wie wirtschaftlich das ist, hängt von der Zahl der Sonnenstunden und der Ausrichtung des Dachs ab. Die Sonneneinstrahlung reicht hierzulande nicht aus, um den Wärmebedarf ganzjährig zu decken, weshalb Eigentümer die Solarthermie meist mit einem weiteren Wärmeerzeuger kombinieren, etwa einer Wärmepumpe oder einer Gastherme.
Wärmepumpen: Luft, Erde oder Grundwasser als Quelle
Erneuerbare Energie steckt auch direkt in Ihrer Umgebung: in der Umgebungsluft, im Erdreich und im Grundwasser. Eine Wärmepumpenheizung nutzt diese Wärme zum Heizen, selbst wenn die Quelle deutlich kühler ist als die benötigte Heizwärme. Möglich macht das ein Kältemittel, das der Quelle Wärme entzieht, ähnlich wie bei einem Kühlschrank, nur mit umgekehrtem Ziel. Je nach genutzter Quelle unterscheidet man Erdwärmepumpen, Luft-Wasser-Wärmepumpen und Wasser-Wasser-Wärmepumpen. Die Wärmepumpe gilt als Schlüsseltechnologie der Wärmewende, weil ihre betriebsbedingten CO2-Emissionen mit steigendem Anteil erneuerbaren Stroms weiter sinken.
Leistungsspitzen durch Speicherung abfangen
Erneuerbare Energie fällt nicht immer dann an, wenn Sie Heizenergie brauchen. Solarkollektoren sind dafür das beste Beispiel: Tagsüber gewinnen sie am meisten Wärme, doch geheizt wird meist morgens und abends. Dieses Problem lösen Sie mit Speichertechnik. Deshalb kommt bei regenerativen Heizungen dem Pufferspeicher eine besondere Bedeutung zu. Er nimmt überschüssige Wärme auf und gibt sie ab, wenn sie benötigt wird, was die Effizienz der gesamten Anlage erhöht.
Staatliche Förderung für erneuerbare Wärme
Im Zuge der Energiewende unterstützt der Staat den Umstieg auf erneuerbare Energien. Zentral ist die Bundesförderung für effiziente Gebäude, die über die BAFA und die KfW abgewickelt wird.
Die Zuschüsse setzen sich aus der Grundförderung und mehreren Boni zusammen:
- Grundförderung: 30 Prozent der förderfähigen Kosten, einkommensunabhängig.
- Klimageschwindigkeitsbonus: 16 Prozent für den Austausch einer alten fossilen Heizung durch selbst nutzende Eigentümer. Er sinkt ab dem 1. Februar 2027 auf 12 Prozent, danach halbjährlich um vier Prozentpunkte, und läuft im August 2028 aus.
- Einkommensbonus: bis zu 40 Prozent für selbst nutzende Eigentümer, gestaffelt nach dem zu versteuernden Haushaltsjahreseinkommen (40 Prozent bis 30.000 Euro, 30 Prozent bis 40.000 Euro, 10 Prozent bis 50.000 Euro).
- Maximale Förderung: in der Summe bis zu 70 Prozent, in der untersten Einkommensstufe bis zu 80 Prozent der förderfähigen Kosten. Diese sind bei der ersten Wohneinheit auf 28.000 Euro gedeckelt, woraus sich ein maximaler Zuschuss von rund 19.600 Euro (bei 80 Prozent bis zu 22.400 Euro) ergibt.
Gefördert werden unter anderem Pelletzentralheizungen, Wärmepumpen und Solarthermieanlagen. Informieren Sie sich vorab über die genauen Voraussetzungen und stellen Sie den Antrag stets, bevor Sie den Auftrag erteilen.
Welches System zu Ihrem Haus passt
Welche erneuerbare Heizung sich lohnt, hängt vom Gebäude ab. In gut gedämmten Häusern mit Flächenheizung spielt die Wärmepumpe ihre Stärken aus, weil sie mit niedrigen Vorlauftemperaturen besonders effizient arbeitet. Wo das nicht möglich ist, kann eine Holzheizung eine sinnvolle Alternative sein. Häufig führt eine Kombination mehrerer Techniken zum besten Ergebnis, etwa Wärmepumpe und Solarthermie. Eine unabhängige Energieberatung hilft, das passende System auszuwählen und die Fördermittel optimal zu nutzen.
Erneuerbare Energien und das Gebäudeenergiegesetz
Nach dem Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), das seit dem 29. Juli 2026 gilt und das frühere Gebäudeenergiegesetz abgelöst hat, entfällt die pauschale 65-Prozent-Pflicht. Für neu eingebaute Öl- und Gasheizungen gilt ab 2029 die Bio-Treppe. Eine pauschale Pflicht, funktionierende Bestandsheizungen sofort auszutauschen, gibt es dagegen nicht. Die Regel greift erst, wenn ohnehin eine neue Heizung eingebaut wird. Wie schnell der Umstieg konkret erfolgen muss, hängt auch von der kommunalen Wärmeplanung ab: Größere Städte müssen ihre Planung bis Juni 2026 vorlegen, kleinere Kommunen bis spätestens Mitte 2028. Erst mit dieser Planung steht fest, ob an Ihrem Wohnort etwa ein Fernwärme- oder Wasserstoffnetz vorgesehen ist. Bis dahin lohnt es sich, die Optionen in Ruhe zu prüfen, statt vorschnell zu handeln.
Zu beachten ist außerdem, dass sich rund um das Heizen mit erneuerbaren Energien rechtliche Weiterentwicklungen abzeichnen. So haben Bundestag und Bundesrat am 10. Juli 2026 das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) beschlossen, das das frühere Gebäudeenergierecht ablöst und modernisiert. Zu den Kernregelungen zählen der Wegfall der starren 65-Prozent-Regel und ein technologieoffenerer Ansatz. Bis dahin bleibt das geltende Gebäudeenergiegesetz maßgeblich.
Kosten und Wirtschaftlichkeit im Blick
Die Anschaffung einer Heizung auf Basis erneuerbarer Energien ist zunächst oft teurer als der Einbau einer klassischen fossilen Anlage. Diesem Nachteil stehen jedoch mehrere Vorteile gegenüber. Zum einen senken die Fördermittel die Investitionskosten deutlich, im günstigsten Fall um bis zu 70 Prozent. Zum anderen fallen die laufenden Kosten häufig niedriger aus, weil Sonne, Umweltwärme oder heimisches Holz günstiger sind als importierte fossile Brennstoffe. Hinzu kommt, dass der CO2-Preis auf Öl und Gas in den kommenden Jahren weiter steigt, was fossiles Heizen zusätzlich verteuert. Über die gesamte Lebensdauer betrachtet kann eine erneuerbare Heizung damit die wirtschaftlichere Wahl sein, auch wenn die Anfangsinvestition höher liegt.
Der Weg zur passenden Lösung
Welches System sich für Ihr Gebäude eignet, lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend sind der energetische Zustand des Hauses, die Art der vorhandenen Heizflächen und die örtlichen Gegebenheiten. In einem gut gedämmten Haus mit Flächenheizung erreicht eine Wärmepumpe eine hohe Jahresarbeitszahl. Wo hohe Vorlauftemperaturen nötig sind, kann eine Holzheizung sinnvoll sein, oft ergänzt durch Solarthermie für die Warmwasserbereitung. Eine qualifizierte Energieberatung verschafft Ihnen Klarheit, prüft die Fördermöglichkeiten und begleitet Sie von der Planung bis zur Umsetzung. So stellen Sie sicher, dass Ihre Investition in erneuerbare Wärme langfristig aufgeht und den gesetzlichen Anforderungen genügt.
Häufige Fragen zu erneuerbaren Energien
Welche erneuerbare Heizung passt zu meinem Haus?
Im Neubau und im sanierten Bestand meist die Wärmepumpe, weil sie mit niedrigen Vorlauftemperaturen am günstigsten heizt. Im unsanierten Altbau mit Lagerplatz kann eine Pelletheizung sinnvoll sein. Solarthermie ergänzt beide, ersetzt aber keinen Wärmeerzeuger. Entscheidend sind die nötige Vorlauftemperatur und der verfügbare Platz.
Erfüllt eine erneuerbare Heizung automatisch die gesetzlichen Vorgaben?
Wärmepumpen, Biomasseheizungen und der Anschluss an ein Wärmenetz gelten als zukunftssichere Optionen auf erneuerbarer Basis für neu eingebaute Heizungen. Solarthermie allein reicht nicht, weil sie den Bedarf nicht vollständig deckt. Bei Hybridlösungen zählt der erneuerbare Anteil.
Sind erneuerbare Heizungen teurer?
In der Anschaffung oft ja, im Betrieb meist nicht. Eine Wärmepumpe kostet mehr als ein Gaskessel, wird aber mit bis zu 70 Prozent gefördert, in der untersten Einkommensstufe bis zu 80 Prozent, und heizt günstiger. Über zwanzig Jahre gerechnet liegt sie fast immer vorn, zumal der CO2-Preis fossile Heizungen weiter verteuert.
Brauche ich für erneuerbare Wärme eine Solaranlage auf dem Dach?
Nein. Eine Wärmepumpe nutzt Umweltwärme aus Luft, Erde oder Grundwasser und braucht dafür keine Solaranlage. Photovoltaik kann ihren Strombedarf teilweise decken, ist aber kein Muss. Solarthermie wiederum unterstützt das Warmwasser, ersetzt jedoch keinen Wärmeerzeuger.
Was ist mit Wasserstoff als Heizungsoption?
Für die breite Gebäudeheizung spielt Wasserstoff auf absehbare Zeit keine Rolle. Er ist teuer, in der Herstellung energieintensiv und wird vorrangig in der Industrie gebraucht. Wer heute eine Heizung plant, sollte nicht auf eine spätere Wasserstoffversorgung setzen, sondern auf verfügbare Technik wie die Wärmepumpe.
