
Schornsteine sind in vielen Eigenheimen bereits vorhanden und führen gesundheitsschädliche Verbrennungsgase zuverlässig ab. Verschiedene Systeme eignen sich für unterschiedliche Heizungsanlagen. Wir erklären die Unterschiede zwischen den Schornsteinarten und erläutern Aufbau und Bestandteile.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Es gibt gemauerte Schornsteine, Systeme aus Fertigteilen mit Schamotterohr und gedämmte Edelstahlschornsteine, die sich in Zug, Langlebigkeit und Eignung für verschiedene Heizungen unterscheiden.
- Wichtig ist die Unterscheidung zwischen raumluftabhängigen und raumluftunabhängigen Systemen. In luftdichten Gebäuden mit Lüftungsanlage sind raumluftunabhängige Lösungen erforderlich.
- Die Kosten hängen von Material, Ausführung und Höhe ab, grob rund 120 Euro je Meter. Der nachträgliche Einbau ist oft aufwendig, weshalb frühzeitige Planung sinnvoll ist.
Schornsteinarten im Überblick
Massive Schornsteine aus Mauerwerk finden sich oft in Altbauten. Massiv bedeutet jedoch nicht automatisch langlebig und effizient, denn der Zug ist meist geringer als bei modernen Systemen, und Fugen im Mauerwerk stören den Luftfluss und begünstigen die feuchtigkeitsbedingte Versottung. Deshalb ist bei gemauerten Schornsteinen eine hohe Abgastemperatur wichtig, damit Schadstoffe und Wasserdampf nicht im Schacht verbleiben, sondern nach außen abtransportiert werden.
Fertigteile und Edelstahl
Schornsteine aus Fertigteilen mit Schamotterohr und Dämmung bieten einen stärkeren Schornsteinzug als gemauerte Varianten, da die glatte Rohrfläche eine reibungslose Luftzirkulation ermöglicht. Für eine optimale Abgasführung sollten die Abgase mindestens rund 110 Grad Celsius erreichen. Der nachträgliche Anschluss eines Kaminofens ist bei diesen Systemen zwar möglich, aber oft aufwendig. Ein- oder doppelwandige Edelstahlschornsteine bilden die dritte Gruppe. Doppelwandige Abgasrohre werden an der Hausaußenseite angebracht, einwandige in einen bestehenden Schacht eingezogen. Ein doppelwandiger, auch zweizügig genannter Schornstein besteht aus einem inneren Rohr zur Abgasführung und einem äußeren Rohr, das frische Zuluft in den Schacht führt. Edelstahl ist robust, langlebig, korrosions- und versottungsbeständig und flexibel für verschiedene Brennstoffe geeignet.
Raumluftabhängige und raumluftunabhängige Systeme
Schornsteinsysteme sind für die Abführung der Abgase aus der Verbrennung der Brennstoffe unverzichtbar. Raumluftabhängige Systeme entnehmen die Verbrennungsluft aus dem Aufstellraum und benötigen daher ausreichende Zuluftmöglichkeiten, etwa über eine Öffnung in der Außenwand. In Gebäuden mit Lüftungsanlage, wie einem Niedrigenergie- oder Passivhaus, sind sie nicht zulässig, um die Verteilung giftiger Abgase in der Raumluft zu vermeiden. Raumluftunabhängige Systeme beziehen die Verbrennungsluft über eine Außenzufuhr, führen dem Gerät Frischluft zu und leiten die Abgase nach außen ab. Ein herkömmlicher Zimmerofen ist ein Beispiel für ein raumluftabhängiges System.
Preise für Schornsteinsysteme
Der Preis hängt von Ausführung, Material und Höhe ab. Für einen Schacht in Standardausführung sind grob rund 120 Euro je Meter einzukalkulieren, und Komplettanlagen für Einfamilienhäuser sind ab etwa 1.000 Euro erhältlich. Je höher der Schacht, desto höher die Kosten. Es ist ratsam, sich bereits beim Hausbau über die verschiedenen Materialien und Systeme zu informieren, da ein nachträglicher Einbau oft kostenintensive und umfangreiche bauliche Maßnahmen erfordert.
Herstellerinformationen
Am Markt gibt es mehrere etablierte Hersteller von Schornstein- und Abgassystemen. Traditionsunternehmen wie Raab haben sich auf Edelstahl-, Abgas- und Schornsteinsysteme spezialisiert. Hersteller wie Schiedel stehen für ausgereifte Komplettsysteme und bieten Lüftungs-, Ofen- und Abgassysteme für Ein- und Mehrfamilienhäuser sowie gewerbliche Gebäude an. Weitere Anbieter führen Schornsteinlösungen aus Edelstahl und Keramik. Ein Kennwert steht auf jedem System: die Bezeichnung nach DIN EN 1443, etwa T400 N1 D 3 G50. Sie nennt Temperaturklasse, Druckklasse, Feuchtebeständigkeit, Korrosionsklasse und Rußbrandbeständigkeit. Anhand dieser Angabe prüft der Schornsteinfeger, ob das System zur Feuerstätte passt.
Fazit
Zusammengefasst ist die Wahl des richtigen Schornsteinsystems entscheidend für einen sicheren und effizienten Heizbetrieb, denn es führt die Abgase zuverlässig ab und beeinflusst über den Zug auch die Verbrennung. Gemauerte Schornsteine sind vor allem im Altbau verbreitet, während Fertigteil- und Edelstahlsysteme durch besseren Zug und hohe Langlebigkeit überzeugen. Wichtig ist die passende Auslegung sowie die Unterscheidung zwischen raumluftabhängigem und raumluftunabhängigem Betrieb. Da der nachträgliche Einbau aufwendig ist, sollte das Schornsteinsystem frühzeitig geplant und in Abstimmung mit dem Schornsteinfeger und einem Fachbetrieb ausgewählt werden.
Wer eine Modernisierung der Heizung plant, sollte den Schornstein frühzeitig einbeziehen, denn beim Wechsel des Wärmeerzeugers ändern sich oft die Anforderungen an die Abgasführung. Eine moderne Brennwertheizung etwa benötigt einen feuchteunempfindlichen, meist innen liegenden Abgasweg, während eine Wärmepumpe ganz ohne Schornstein auskommt. Eine rechtzeitige Abstimmung mit dem Schornsteinfeger verhindert daher spätere Überraschungen und zusätzliche Kosten.
Zusammengefasst ist das Schornsteinsystem ein zentraler und oft unterschätzter Bestandteil der Heizungsanlage, der die Abgase sicher abführt und über den Zug die Verbrennung mitbestimmt. Von gemauerten Schornsteinen über Fertigteilsysteme bis zu langlebigen Edelstahllösungen gibt es für jede Heizung und jedes Gebäude die passende Variante. Wichtig sind die richtige Auslegung, die Unterscheidung von raumluftabhängigem und raumluftunabhängigem Betrieb sowie die frühzeitige Planung, da eine Nachrüstung aufwendig ist. Wer sich rechtzeitig vom Fachbetrieb und Schornsteinfeger beraten lässt, sorgt für einen sicheren, effizienten und langlebigen Betrieb.
Für Bestandsgebäude kann die Sanierung eines vorhandenen Schornsteins eine wirtschaftliche Alternative zum Neubau sein. Häufig lässt sich ein alter, gemauerter Schacht mit einem Edelstahl- oder Kunststoffrohr nachrüsten, das den Anforderungen moderner Brennwertgeräte entspricht. Diese Sanierung ist meist deutlich günstiger und weniger aufwendig als ein kompletter Neuaufbau und verlängert die Nutzbarkeit des bestehenden Schornsteins erheblich.
Wichtig ist zudem die richtige Höhe des Schornsteins über Dach, da sie den Zug und die Ableitung der Abgase beeinflusst. Der Schornsteinfeger prüft, ob die Mündung die vorgeschriebenen Abstände zu Fenstern und Nachbargebäuden einhält, und stellt so einen einwandfreien Betrieb sicher.
