Die Brennwerttechnik hilft, gegenüber alten Konstanttemperaturkesseln einen erheblichen Teil der Heizkosten einzusparen. Der Unterschied zu einem konventionellen Heizwertkessel liegt in der Nutzung des Kondensats. Als Kondensat bezeichnet man die verflüssigten Bestandteile des Abgases, die bei der Verbrennung von Öl oder Gas entstehen. Während dieses Kondensat bei Heizwertgeräten ungenutzt durch den Schornstein entweicht, gewinnt die Brennwertheizung daraus zusätzliche Wärme. Dadurch arbeitet sie deutlich effizienter. Wir erklären, wie das Kondensat entsteht und wann eine Neutralisation nötig ist.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Brennwertheizungen nutzen die im Abgas enthaltene Kondensationswärme und arbeiten dadurch effizienter.
  • Das dabei anfallende Kondensat ist sauer und muss je nach Brennstoff und Kesselleistung neutralisiert werden.
  • Die Neutralisation erfolgt meist über eine Box mit Granulat, das regelmäßig gewechselt wird.
  • Bei kleineren Gas-Brennwertgeräten ist eine Neutralisation oft nicht zwingend erforderlich.

Kondensat bei einer Brennwertheizung

Wie entsteht das Kondensat im Abgas?

Bei der Verbrennung reagiert Sauerstoff mit den Kohlenwasserstoffen des Brennstoffs, wobei Wasser entsteht, das durch die Hitze zunächst als Dampf vorliegt. Kühlt das Abgas im Wärmetauscher ab, kondensiert dieser Wasserdampf und gibt seine Kondensationswärme an das Heizwasser ab. Genau diese sonst verlorene Wärme macht die Brennwerttechnik so effizient. Viele Brennstoffe bringen zudem eine gewisse Restfeuchte mit, vor allem Holz, Biomasse oder Kohle. Das anfallende Kondensat wird gesammelt und abgeleitet.

Neutralisation im Brennwertkessel

Die Nutzung der Kondensationswärme verbessert den Wirkungsgrad und bringt weitere Vorteile: Der Energieverbrauch und der CO2-Ausstoß sinken, und es entstehen weniger säurebildende Gase. Wird das Kondensat in die Kanalisation geleitet, ist je nach Fall zuvor eine Neutralisation nötig. Die maßgeblichen Vorgaben stammen aus dem Regelwerk der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall. Bei Heizöl als Brennstoff ist die Neutralisation meist Pflicht; bei Erd- oder Flüssiggas entscheidet die Kesselleistung. In der Regel wird bei Gas- und Öl-Brennwertkesseln bis zu einer Nennwärmeleistung von rund 25 kW von keiner nennenswerten Schädigung ausgegangen, sofern die Abwasserleitungen säurebeständig sind.

Zur Neutralisation wird das Kondensat durch eine Box mit Granulat geleitet, das die sauren Bestandteile bindet. Das Granulat muss regelmäßig gewechselt und kann anschließend entsorgt werden. Bei größeren Anlagen kann die Neutralisation unter Umständen durch Verdünnung mit dem übrigen Abwasser erfolgen. Gegebenenfalls wird das Kondensat zwischengespeichert, bis genug Abwasser vorhanden ist.

Hintergrund: Menge und Zusammensetzung

Die anfallende Kondensatmenge ist nicht unerheblich: Bei der Verbrennung eines Kubikmeters Erdgas entstehen rund 1,5 Liter Wasser, ein Liter Heizöl liefert etwa 0,9 Liter. Über eine Heizperiode summiert sich das je nach Leistung und Betriebsstunden auf einige Kubikmeter. Im Kondensat sind unter anderem Stick- und Schwefeloxide sowie Kohlenmonoxid gelöst, aus denen sich schwache Säuren wie Schwefel- oder Salpetersäure bilden. Das Brennwertkondensat ist daher stets sauer: Bei Heizöl liegt der pH-Wert typischerweise zwischen 1,5 und 3,5, bei Erdgas zwischen 3,5 und 5,5, während neutrales Wasser bei 7 liegt. Zum Vergleich hat Regenwasser in vielen Regionen einen pH-Wert von 4 bis 5,5.

Wann sich eine Neutralisationseinrichtung lohnt

Ob eine Neutralisationsbox nötig ist, hängt von Brennstoff, Kesselgröße und der Beschaffenheit der Abwasserleitungen ab. Sind die Leitungen im Haus säurebeständig, etwa aus Kunststoff oder Steinzeug, kann bei kleineren Gasgeräten häufig auf die Neutralisation verzichtet werden, da das saure Kondensat im Abwasser ausreichend verdünnt und gepuffert wird. Bei Ölbrennwertkesseln, größeren Anlagen oder empfindlichen Leitungen ist die Neutralisation dagegen sinnvoll oder vorgeschrieben. Im Zweifel klärt der Fachbetrieb gemeinsam mit den örtlichen Vorgaben, ob und welche Einrichtung erforderlich ist. So wird sichergestellt, dass das Kondensat umweltgerecht und regelkonform abgeleitet wird.

Wartung der Neutralisationseinrichtung

Ist eine Neutralisationsbox installiert, muss sie regelmäßig gewartet werden. Das Granulat verbraucht sich mit der Zeit, da es die sauren Bestandteile des Kondensats bindet, und muss daher in bestimmten Abständen nachgefüllt oder ausgetauscht werden. Wie oft das nötig ist, hängt von der Kondensatmenge und damit von der Kesselleistung und den Betriebsstunden ab. Das verbrauchte Granulat lässt sich in der Regel über den Hausmüll entsorgen. Bei der jährlichen Heizungswartung prüft der Fachbetrieb die Neutralisationseinrichtung mit und stellt sicher, dass das Kondensat ordnungsgemäß abgeleitet wird. So bleibt der Betrieb sicher und umweltgerecht.

Kondensat und Umweltschutz

Auch wenn das Brennwertkondensat sauer ist, ist seine Umweltwirkung bei fachgerechter Ableitung überschaubar, da es im Abwasser stark verdünnt und durch dessen basische Bestandteile gepuffert wird. Die gesetzlichen Vorgaben zur Neutralisation sorgen dafür, dass weder die Hausinstallation noch die Kanalisation geschädigt werden. Insgesamt überwiegt der ökologische Nutzen der Brennwerttechnik deutlich: Durch die Nutzung der Kondensationswärme sinkt der Brennstoffverbrauch, was CO2-Emissionen und Kosten reduziert. Das anfallende Kondensat ist damit gewissermaßen der Preis für einen deutlich höheren Wirkungsgrad, der sich mit einfachen Mitteln umweltgerecht handhaben lässt.

Fazit

Das Kondensat ist der Schlüssel zur hohen Effizienz der Brennwerttechnik: Indem die Anlage die Kondensationswärme des Wasserdampfs nutzt, gewinnt sie zusätzliche Heizenergie und senkt Verbrauch und Emissionen. Da das Kondensat sauer ist, muss es je nach Brennstoff und Kesselleistung neutralisiert werden, meist über eine Box mit austauschbarem Granulat. Bei kleineren Gasgeräten mit säurebeständigen Leitungen ist das oft nicht zwingend. Ob eine Neutralisation nötig ist, sollte im Rahmen der Installation mit dem Fachbetrieb und den örtlichen Vorgaben geklärt werden.