Die Anlagenaufwandszahl beschreibt das Verhältnis zwischen dem Aufwand an Primärenergie und dem gewünschten Nutzen, also der bereitgestellten Nutzwärme. Die Grundlagen dazu sind in der DIN V 4701-10 festgelegt. Eine niedrige Aufwandszahl bedeutet, dass die Primärenergie effizient genutzt wird. Hat ein Gebäude etwa den Wert 1,5, so ist der Aufwand um 50 Prozent größer als der Nutzen: Um den Bedarf an Heizung, Warmwasser und gegebenenfalls Kühlung zu decken, muss 50 Prozent zusätzliche Primärenergie aufgewendet werden. Wir erklären Berechnung, Beispiele und die Aussagekraft der Kennzahl.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Anlagenaufwandszahl setzt die verbrauchte Primärenergie ins Verhältnis zur erzeugten Nutzwärme.
- Ein niedriger Wert steht für eine effiziente Anlage; Werte unter 1 sind bei regenerativen Systemen möglich.
- Die Berechnung berücksichtigt die gesamte Kette von der Erzeugung über den Transport bis zur Wärmeverteilung.
- Zu unterscheiden sind Erzeugeraufwandszahl und Anlagenaufwandszahl.

Die Berechnung der Kennzahl
Für die Betrachtung der Anlagenaufwandszahl werden unter anderem folgende Eigenschaften berücksichtigt:
- Art der verwendeten Brennstoffe,
- Verluste der Wärmeerzeuger,
- Einsatz regenerativer Energiequellen,
- Verluste bei der Verteilung,
- benötigte Hilfsenergie, etwa für Pumpen oder die Lüftung.
Da die Berechnung die vollständige Kette von der Gewinnung über Veredelung, Umwandlung und Transport bis zur Wärmeverteilung einschließt, ist die Anlagenaufwandszahl ein Qualitätsmaßstab für die gesamte Heizungsanlage.
Unterschied zwischen Erzeuger- und Anlagenaufwandszahl
Man unterscheidet die Erzeugeraufwandszahl und die Anlagenaufwandszahl. Die Erzeugeraufwandszahl beschreibt das Verhältnis der pro Jahr benötigten Endenergie zur erzeugten Nutzwärme und ist der Kehrwert des Jahresnutzungsgrades. Sie berücksichtigt nicht die Verluste bei der Bereitstellung der Energie. Ist ihr Wert größer als 1, treten bei der Erzeugung Verluste auf. Die Anlagenaufwandszahl ergibt sich aus der verbrauchten Primärenergie geteilt durch die erzeugte Nutzwärme und bezieht die Bereitstellungsverluste mit ein. Alternativ lässt sie sich als Produkt aus Erzeugeraufwandszahl und Primärenergiefaktor berechnen.
Zwei Rechenbeispiele
Ein Gasheizkessel mit einem Jahresnutzungsgrad von 70 Prozent hat eine Erzeugeraufwandszahl von 1/0,7 = 1,43. Multipliziert man diese mit dem Primärenergiefaktor für Erdgas (rund 1,1), ergibt sich eine Anlagenaufwandszahl von etwa 1,57. Das bedeutet, dass die verbrauchte Primärenergie rund 57 Prozent über der erzeugten Nutzwärme liegt, ein Hinweis auf ein veraltetes System.
Eine Wärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl von 3,5 hat dagegen eine Erzeugeraufwandszahl von 1/3,5 = 0,29. Mit dem Primärenergiefaktor für Strom (im Gebäudeenergiegesetz derzeit 1,8) ergibt sich eine Anlagenaufwandszahl von rund 0,52. Dieser niedrige Wert zeigt, wie effizient eine gut ausgelegte Wärmepumpe die Primärenergie nutzt, zumal der Primärenergiefaktor für Strom mit dem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien im Netz weiter gesunken ist.
Bedeutung im Gebäudeenergiegesetz
Die Anlagenaufwandszahl und die Primärenergiefaktoren sind Bestandteil der energetischen Bewertung von Gebäuden. Das Gebäudeenergiegesetz, das die früheren Regelungen zur Energieeinsparung abgelöst hat, bewertet Neubauten und Sanierungen unter anderem über den Primärenergiebedarf. Je niedriger die Anlagenaufwandszahl, desto besser fällt die Bewertung aus und desto sparsamer arbeitet die Anlage. Regenerative Systeme wie Wärmepumpen oder Anlagen mit hohem Anteil erneuerbarer Energien erreichen dabei deutlich bessere Werte als alte fossile Kessel. Die Kennzahl hilft so, den Modernisierungsbedarf einzuschätzen und Systeme miteinander zu vergleichen.
Modernisierung veralteter Anlagen
Weist die Heizungsanlage ungünstige Kennwerte auf, kann sich eine Modernisierung lohnen. Sie senkt die laufenden Kosten und den Energieverbrauch und steigert den Gebäudewert. Für Verkauf und Vermietung ist ohnehin ein Energieausweis erforderlich, in den die energetische Qualität einfließt. Je sparsamer die Anlage und je besser die Dämmung, desto attraktiver ist das Gebäude am Markt. Die Anlagenaufwandszahl ist dabei eine erste Orientierung, ob Handlungsbedarf besteht. Für eine fundierte Entscheidung empfiehlt sich eine Energieberatung, die die gesamte Anlage und die Gebäudehülle betrachtet und die wirtschaftlich sinnvollen Maßnahmen aufzeigt.
Primärenergiefaktoren verstehen
Ein zentraler Baustein der Anlagenaufwandszahl ist der Primärenergiefaktor. Er gibt an, wie viel Primärenergie aufgewendet werden muss, um eine Einheit Endenergie beim Verbraucher bereitzustellen, einschließlich Gewinnung, Umwandlung und Transport. Fossile Brennstoffe wie Erdgas und Heizöl haben einen Faktor nahe 1,1, da bei ihrer Bereitstellung vergleichsweise geringe Verluste anfallen. Strom hatte lange einen deutlich höheren Faktor, der jedoch mit dem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien im Netz gesunken ist. Erneuerbare Energien wie Umweltwärme, Sonne oder Holz werden sehr niedrig oder mit null bewertet. Diese Faktoren erklären, warum eine strombetriebene Wärmepumpe trotz Stromeinsatz eine niedrige, günstige Anlagenaufwandszahl erreichen kann.
Grenzen der Kennzahl
So nützlich die Anlagenaufwandszahl ist, sie hat auch Grenzen. Sie beschreibt die energetische Qualität der Anlagentechnik, sagt aber wenig über den absoluten Verbrauch aus, der stark vom Gebäude, der Dämmung und dem Nutzerverhalten abhängt. Zwei Gebäude mit gleicher Anlagenaufwandszahl können sehr unterschiedliche Heizkosten haben, wenn ihre Wärmedämmung verschieden ist. Für eine vollständige Bewertung sollten daher immer die Anlagentechnik und die Gebäudehülle gemeinsam betrachtet werden. Die Anlagenaufwandszahl ist ein wichtiger Baustein, ersetzt aber keine umfassende Energieberatung, die alle Faktoren einbezieht und konkrete Maßnahmen zur Senkung von Verbrauch und Kosten aufzeigt.
Fazit
Die Anlagenaufwandszahl ist ein aussagekräftiger Kennwert für die Effizienz einer Heizungsanlage, da sie die gesamte Energiekette von der Gewinnung bis zur Wärmeverteilung erfasst. Niedrige Werte stehen für einen sparsamen Umgang mit Primärenergie, wie ihn moderne Wärmepumpen erreichen, während alte fossile Kessel hohe Werte aufweisen. Im Rahmen des Gebäudeenergiegesetzes fließt die Kennzahl in die Bewertung von Gebäuden ein. Wer einen hohen Wert feststellt, sollte eine Modernisierung prüfen, um Kosten und Emissionen zu senken und den Gebäudewert zu steigern.
