Schema einer Einrohrheizung

In vielen Gebäuden aus den 1960er bis 1980er Jahren zieht ein einziges Rohr in großer Schleife von Heizkörper zu Heizkörper. Diese Einrohrheizung galt einst als materialsparend, gilt heute aber als ineffizient und schwer regelbar. Dieser Ratgeber erklärt, wie sie funktioniert, welche Schwächen sie hat und wie sich eine Optimierung oder Umrüstung lohnt.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Bei einer Einrohrheizung sind alle Heizkörper in Reihe an einen einzigen Heizkreis angeschlossen.
  • Das Heizwasser durchläuft die Heizkörper nacheinander, wodurch die hinteren weniger Wärme erhalten.
  • Die Regelung ist träge und die Effizienz gering, weshalb sich eine Optimierung fast immer lohnt.
  • Maßnahmen wie ein hydraulischer Abgleich, moderne Thermostatventile oder ein Umbau senken den Verbrauch spürbar und werden gefördert.

Wie funktioniert eine Einrohrheizung?

Die Einrohrheizung ist ein Verteilsystem, bei dem alle Heizkörper hintereinander an einen einzigen, ringförmig verlegten Heizkreis angeschlossen sind. Das vom Heizkessel erwärmte Wasser fließt durch dieses eine Rohr von Heizkörper zu Heizkörper und kehrt am Ende zum Kessel zurück. Anders als beim heute üblichen Zweirohrsystem, bei dem jeder Heizkörper über eine eigene Vor- und Rücklaufleitung versorgt wird, teilen sich bei der Einrohrheizung alle Heizkörper denselben Wasserstrom. Das hat einen entscheidenden Nachteil: Der erste Heizkörper im Kreis entnimmt dem Wasser Wärme, sodass das abgekühlte Wasser mit niedrigerer Temperatur zum nächsten weiterfließt. Die hinteren Heizkörper erhalten dadurch spürbar kühleres Wasser und geben weniger Wärme ab. Um dies auszugleichen, wurden die Heizkörper am Ende des Kreises früher größer dimensioniert oder das gesamte System mit hoher Vorlauftemperatur betrieben.

Vorteile und Nachteile

Die Einrohrheizung hatte in ihrer Entstehungszeit einen praktischen Grund: Sie benötigte weniger Rohrmaterial und war dadurch günstiger und schneller zu installieren als ein Zweirohrsystem. Das war ihr wesentlicher Vorteil. Aus heutiger Sicht überwiegen jedoch klar die Nachteile. Die ungleiche Wärmeverteilung führt dazu, dass einzelne Räume schlecht warm werden, während andere überheizt sind. Die Regelung über einzelne Thermostatventile wirkt sich zudem auf den gesamten Kreis aus und ist daher träge und ungenau. Vor allem aber sind die nötigen hohen Vorlauf- und Rücklauftemperaturen ein Problem: Sie treiben den Energieverbrauch in die Höhe und verhindern, dass moderne Brennwerttechnik ihren Effizienzvorteil ausspielen kann, da diese niedrige Rücklauftemperaturen benötigt, um den Taupunkt zu unterschreiten und die Kondensationswärme zu nutzen.

Einrohrheizung optimieren

Bevor über einen kompletten Umbau nachgedacht wird, lässt sich eine Einrohrheizung mit überschaubarem Aufwand deutlich verbessern. Eine der wirksamsten Maßnahmen ist der hydraulische Abgleich, der dafür sorgt, dass jeder Heizkörper genau die benötigte Wassermenge erhält und die Wärme gleichmäßiger verteilt wird. Ergänzend können moderne, voreinstellbare Thermostatventile eingebaut und eine alte, ungeregelte Umwälzpumpe gegen eine sparsame Hocheffizienzpumpe getauscht werden. Auch die Überprüfung des Ausdehnungsgefäßes gehört zur Wartung. Diese Optimierungen senken den Verbrauch, verbessern den Komfort und sind vergleichsweise kostengünstig. Sie bilden oft den ersten sinnvollen Schritt, bevor größere Investitionen anstehen.

Umrüstung auf ein modernes System

Wo die Optimierung nicht ausreicht oder ohnehin eine grundlegende Sanierung ansteht, kommt die Umrüstung infrage. Möglich ist der Umbau des Einrohrsystems zu einem Zweirohrsystem, bei dem jeder Heizkörper eine eigene Vor- und Rücklaufleitung erhält. Das verbessert die Regelbarkeit und ermöglicht niedrige Systemtemperaturen. Ein solcher Umbau ist allerdings aufwendig, da neue Leitungen verlegt werden müssen. Wird die Heizung ohnehin erneuert, bietet sich der gleichzeitige Umstieg auf eine moderne, effiziente Anlage an. Eine Übersicht möglicher Optionen bietet die Seite zu den Heizungssystemen, und der Heizungsvergleich hilft bei der Auswahl. Wer eine ähnlich alte Forsterheizung besitzt, steht vor vergleichbaren Überlegungen.

Förderung bei der Modernisierung

Bei der Förderung ist zu unterscheiden: Die Einrohrheizung selbst ist nicht förderfähig, wohl aber ihre Optimierung und der Umstieg auf ein klimafreundliches System. Einzelmaßnahmen zur Verbesserung der Heizungsanlage, etwa der hydraulische Abgleich, der Austausch von Thermostatventilen oder der Einbau einer Hocheffizienzpumpe, werden in der Regel mit 15 Prozent über die Bundesförderung für effiziente Gebäude bezuschusst. Wird im Zuge der Sanierung auf eine regenerative Heizung umgestellt, sind Zuschüsse von bis zu 70 Prozent (in der untersten Einkommensstufe bis zu 80 Prozent) möglich. Mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), das das frühere Gebäudeenergiegesetz ablöst, entfällt die starre 65-Prozent-Regel. Die Vorgaben werden technologieoffener, Öl- und Gasheizungen bleiben zulässig und die Förderung bleibt bestehen. Wer eine alte Einrohrheizung modernisiert, verbessert die Effizienz, den Wohnkomfort und die Zukunftsfähigkeit der Wärmeversorgung, was sich auch positiv auf die Heizkostenabrechnung auswirkt.

Woran Sie eine Einrohrheizung erkennen

Ob in einem Gebäude eine Einrohrheizung verbaut ist, lässt sich an einigen Merkmalen erkennen. Typisch ist, dass ein einzelnes Rohr in einer Schleife alle Heizkörper eines Stockwerks verbindet, statt dass zu jedem Heizkörper zwei Leitungen führen. Häufig fallen einzelne Räume auf, die trotz voll aufgedrehtem Ventil nicht richtig warm werden, während andere überheizen. Im Zweifel gibt ein Fachbetrieb Auskunft, der die Anlage begutachtet und einschätzt, welche Maßnahmen sich lohnen. Mit einer fachkundigen Beratung lässt sich der passende Weg zwischen Optimierung und Umbau finden, sodass die Einrohrheizung wieder effizient und gleichmäßig heizt oder einem modernen System weicht.

Einrohr- oder Zweirohrsystem?

Um die Einrohrheizung besser einordnen zu können, lohnt der Vergleich mit dem heute üblichen Zweirohrsystem. Beim Zweirohrsystem führen zu jedem Heizkörper zwei Leitungen: eine für den warmen Vorlauf und eine für den abgekühlten Rücklauf. Dadurch erhält jeder Heizkörper Wasser mit derselben Vorlauftemperatur, unabhängig von seiner Position im Kreis. Das ermöglicht eine gleichmäßige Wärmeverteilung und eine präzise, individuelle Regelung jedes einzelnen Heizkörpers. Genau diese Vorteile fehlen der Einrohrheizung, bei der die Heizkörper hintereinander vom selben, sich abkühlenden Wasserstrom durchflossen werden. Das Zweirohrsystem ist zudem besser für niedrige Systemtemperaturen und moderne Brennwert- oder Wärmepumpentechnik geeignet. Aus diesem Grund ist es heute der Standard, während die Einrohrheizung als überholt gilt und in Bestandsgebäuden nach und nach optimiert oder ersetzt wird.

Kosten und Wirtschaftlichkeit der Modernisierung

Die Kosten einer Modernisierung hängen stark vom gewählten Umfang ab. Ein hydraulischer Abgleich in Kombination mit neuen Thermostatventilen und einer Hocheffizienzpumpe ist vergleichsweise günstig und amortisiert sich durch den geringeren Energieverbrauch oft schon nach wenigen Jahren. Der Umbau von einem Einrohr- auf ein Zweirohrsystem ist deutlich aufwendiger und teurer, da neue Leitungen verlegt werden müssen, bringt dafür aber die größten Effizienzgewinne. Dank der staatlichen Förderung für Einzelmaßnahmen und den Heizungstausch relativiert sich der finanzielle Aufwand. Über die gesamte Nutzungsdauer betrachtet ist die Modernisierung einer alten Einrohrheizung daher in aller Regel wirtschaftlich sinnvoll, da sie den Verbrauch dauerhaft senkt und den Wohnkomfort spürbar erhöht.

Rechenbeispiel: Warum der letzte Heizkörper kalt bleibt

Bei einer Einrohrheizung hängen alle Heizkörper an einem Ring. Jeder gibt Wärme ab und speist sein abgekühltes Wasser wieder in dieselbe Leitung ein, sodass der nächste Heizkörper kühleres Wasser erhält. Angenommen werden fünf Heizkörper mit je rund 3 Grad Abkühlung:

Position im Ring Vorlauftemperatur am Heizkörper
1. Heizkörper 70 Grad
2. Heizkörper rund 67 Grad
3. Heizkörper rund 64 Grad
4. Heizkörper rund 61 Grad
5. Heizkörper rund 58 Grad

Daraus folgen die drei typischen Beschwerden über Einrohrsysteme. Erstens muss der letzte Heizkörper deutlich größer ausfallen als der erste, um bei niedrigerer Temperatur dieselbe Leistung zu liefern. Zweitens beeinflusst jede Veränderung an einem Heizkörper alle folgenden, weshalb ein Thermostatventil hier nie isoliert wirkt. Drittens muss die Vorlauftemperatur so hoch gewählt werden, dass auch am Ende des Rings noch genug ankommt, was das gesamte System auf ein hohes Temperaturniveau zwingt.

Genau dieser letzte Punkt ist der Knackpunkt bei der Modernisierung: Ein Brennwertkessel kondensiert nur bei niedrigem Rücklauf, und eine Wärmepumpe arbeitet umso effizienter, je niedriger der Vorlauf ausfällt. Beides verträgt sich schlecht mit einem Ring, der auf 70 Grad angewiesen ist. Bevor Sie einen neuen Wärmeerzeuger einbauen lassen, sollte deshalb geklärt sein, ob sich die Vorlauftemperatur senken lässt, etwa durch größere Heizkörper an den hinteren Positionen, durch Ventile mit Bypass-Regelung oder durch die Umrüstung des Rings auf ein Zweirohrsystem.

Häufige Fragen zur Einrohrheizung

Woran erkenne ich eine Einrohrheizung?

Ein sicheres Zeichen ist, dass an jedem Heizkörper nur ein durchgehendes Rohr ankommt und wieder weggeht, statt getrennter Vor- und Rücklaufleitungen. Typisch ist außerdem, dass die Heizkörper zum Ende des Rings hin immer größer werden. Verbreitet war die Bauweise vor allem in den 1960er bis 1980er Jahren.

Warum bleibt der letzte Heizkörper kalt?

Weil alle Heizkörper am selben Ring hängen und jeder sein abgekühltes Wasser wieder einspeist. Bei fünf Heizkörpern mit je rund 3 Grad Abkühlung kommen am letzten statt 70 nur noch etwa 58 Grad an. Deshalb muss er größer ausfallen als der erste, um dieselbe Leistung zu liefern.

Kann ich eine Einrohrheizung optimieren?

Ja, oft mit begrenztem Aufwand. Wirksam sind der hydraulische Abgleich, Ventile mit Bypass-Regelung und größere Heizkörper an den hinteren Positionen. Damit lässt sich die nötige Vorlauftemperatur senken, was dem Brennwertkessel und erst recht einer Wärmepumpe zugutekommt.

Funktioniert eine Wärmepumpe an einer Einrohrheizung?

Grundsätzlich ja, aber nur wirtschaftlich, wenn die Vorlauftemperatur sinkt. Ein Ring, der auf 70 Grad angewiesen ist, drückt die Jahresarbeitszahl auf rund 2,2 bei Frost. Klären Sie deshalb vor dem Einbau, ob sich der Vorlauf durch größere Heizflächen auf 45 bis 50 Grad senken lässt.

Lohnt die Umrüstung auf ein Zweirohrsystem?

Sie ist der sauberste Weg, aber auch der teuerste, weil Leitungen neu verlegt werden müssen. Wirtschaftlich wird sie meist nur, wenn ohnehin saniert wird oder Wände geöffnet sind. Im Rahmen eines geförderten Heizungstauschs zählt die Anpassung der Wärmeübergabe zu den förderfähigen Umfeldmaßnahmen.