
Mit der richtig eingestellten Heizkurve arbeitet eine Heizungsanlage möglichst effizient und benötigt deutlich weniger Brennstoff. Die Heizkurve, auch Heizkennlinie genannt, beschreibt, wie die Vorlauftemperatur der Heizung auf die Außentemperatur reagiert. Dieser Ratgeber erklärt, was eine Heizkurve ist, welche Parameter es gibt und wie Sie sie einstellen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Heizkurve legt fest, wie stark die Vorlauftemperatur steigt, wenn die Außentemperatur sinkt. Sie ist die Grundlage der witterungsgeführten Heizungssteuerung.
- Wichtige Parameter sind Steilheit, Parallelverschiebung, Nachtabsenkung und Heizgrenze. Eine flachere Kurve senkt die Verluste und den Verbrauch.
- Die Einstellung erfolgt durch schrittweises Probieren über mehrere Tage. Eine korrekt eingestellte Heizkurve spart spürbar Energie und gehört zur Heizungsoptimierung.
Was ist eine Heizkurve?
Heizkurven beschreiben den Zusammenhang zwischen der Vorlauftemperatur einer Heizungsanlage und der Außentemperatur. Vereinfacht gilt: Je kälter es draußen ist, desto mehr muss die Heizung leisten, um die Innentemperatur zu halten, was über eine höhere Vorlauftemperatur geschieht. Weil die Außentemperatur die Steuerung bestimmt, spricht man von einer witterungsgeführten Heizungssteuerung. Der Verlauf der Heizkurve ist von Gebäude zu Gebäude verschieden und hängt unter anderem von den verwendeten Heizkörpern ab. In einem Haus mit zwei Heizkreisen, etwa einer Fußboden- und einer Radiatorenheizung, kommen daher oft zwei unterschiedliche Heizkurven zum Einsatz.
Häufig wird die Heizkurve bei der Inbetriebnahme nur grob voreingestellt. Es lohnt sich, sich die Zeit zu nehmen und sie an das eigene Gebäude anzupassen, denn eine korrekt eingestellte Kennlinie kann den Energieverbrauch der Heizung deutlich senken.
Die Parameter im Überblick
Die Einstellung erfolgt am Regler des Heizkessels, der mit einem Außentemperaturfühler verbunden ist. So passt die Anlage die Vorlauftemperatur automatisch an, sobald die Außentemperatur steigt oder fällt. Vier Parameter bestimmen den Verlauf:
- Steilheit: gibt an, um wie viel Grad die Vorlauftemperatur steigt oder sinkt, wenn sich die Außentemperatur um ein Grad ändert. Eine hohe Steilheit bedeutet eine steile Kurve, wie sie für Heizkörper mit hoher Vorlauftemperatur nötig ist.
- Parallelverschiebung: hebt oder senkt das gesamte Temperaturniveau der Kurve gleichmäßig.
- Nachtabsenkung: eine zeitweise Parallelverschiebung nach unten, die nachts durch niedrigere Temperaturen Energie spart, etwa von 22 bis 5 Uhr.
- Heizgrenze: die Außentemperatur, ab der die Heizung ihren Betrieb einstellt, weil keine Wärme mehr nötig ist.
So stellen Sie die Heizkurve ein
Eine Heizkurve lässt sich nicht einfach berechnen, weil zu viele Faktoren wie die Dämmung des Hauses einwirken. Sie muss daher durch Probieren eingestellt werden, was mehrere Tage in Anspruch nehmen kann. Zunächst stellen Sie die einzelnen Heizkörperventile so ein, dass in jedem Raum die gewünschte Temperatur erreicht wird. Anschließend passen Sie die Parameter der Heizkurve an. Als Faustregel gilt: Die Steilheit stellt man am besten bei Außentemperaturen unter null Grad ein, die Parallelverschiebung eher bei Temperaturen über fünf Grad. Über mehrere Tage prüfen Sie dann, ob die gewünschte Raumtemperatur gerade noch erreicht wird. Ist es zu warm, senken Sie die Parameter. Ist es zu kühl, erhöhen Sie sie.
Zu beachten ist, dass sich die Vorlauftemperatur am oberen Ende der Kurve ändert, wenn Sie die Parallelverschiebung anpassen. Erhöhen Sie diese, sollten Sie die Steilheit etwas zurücknehmen. Grundsätzlich gilt: Je flacher die Kurve insgesamt verläuft, desto geringer sind die Verluste der Heizungsanlage und damit der Energieverbrauch. Es lohnt sich, dabei auch zu prüfen, ob in manchen Räumen eine etwas niedrigere Temperatur ausreicht.
Häufige Fehler bei der Einstellung
Bei der Einstellung der Heizkurve schleichen sich häufig Fehler ein, die Komfort und Effizienz beeinträchtigen. Ein typischer Fehler ist eine zu steile oder zu hoch verschobene Kurve: Die Räume werden dann schnell zu warm, und die Bewohner regeln über die Thermostatventile herunter oder lüften, was Energie verschwendet. Umgekehrt führt eine zu flache Kurve dazu, dass es an kalten Tagen nicht ausreichend warm wird. Ein weiterer Fehler ist, die Thermostatventile dauerhaft ganz aufzudrehen und die Temperatur allein über die Heizkurve regeln zu wollen, oder umgekehrt die Heizkurve zu hoch einzustellen und dann alle Ventile herunterzudrehen. Ideal ist ein abgestimmtes Zusammenspiel: Die Heizkurve liefert genau die nötige Vorlauftemperatur, und die Ventile regeln nur noch die Feinabstimmung im einzelnen Raum. Auch die Nachtabsenkung sollte mit Bedacht gewählt werden, denn in sehr gut gedämmten Gebäuden bringt ein starkes Absenken kaum Ersparnis, während das morgendliche Aufheizen zusätzliche Energie kostet.
Heizkurve und Heizungsoptimierung
Das Einstellen der Heizkurve ist ein zentraler Baustein der Heizungsoptimierung. Zusammen mit einem hydraulischen Abgleich, dem Austausch der Umwälzpumpe und modernen Thermostaten sorgt sie dafür, dass die Anlage mit möglichst niedriger Vorlauftemperatur und hoher Effizienz arbeitet. Gerade beim Betrieb einer Wärmepumpe ist eine gut eingestellte, flache Heizkurve entscheidend, weil niedrige Vorlauftemperaturen die Jahresarbeitszahl und damit die Wirtschaftlichkeit verbessern. Maßnahmen der Heizungsoptimierung sind zudem über die Bundesförderung für effiziente Gebäude beim BAFA förderfähig. Wer die Heizkurve sorgfältig einstellt, senkt daher nicht nur den Verbrauch, sondern holt auch das Beste aus einer geförderten Modernisierung heraus. Bei Unsicherheit kann ein Fachbetrieb die Einstellung übernehmen und die gesamte Anlage optimal auf das Gebäude abstimmen, sodass Komfort und Effizienz gleichermaßen stimmen.
Rechenbeispiel: Was fünf Grad weniger Vorlauf bringen
Angenommen wird ein Einfamilienhaus mit 18.000 Kilowattstunden Wärmebedarf. Gerechnet wird mit 11 Cent je Kilowattstunde Gas und 27 Cent für Wärmepumpenstrom (Stand Sommer 2026).
| Wärmeerzeuger | Effekt von 5 Grad weniger Vorlauf | Ersparnis im Jahr |
|---|---|---|
| Wärmepumpe (JAZ 3,5) | rund 12 Prozent weniger Strom | rund 173 € |
| Gas-Brennwertkessel | rund 5 Prozent weniger Gas | rund 104 € |
Der Unterschied hat einen physikalischen Grund: Bei der Wärmepumpe schrumpft mit jedem Grad der Temperaturhub, den der Verdichter überwinden muss, weshalb hier grob 2,5 Prozent je Grad zusammenkommen. Beim Brennwertkessel wirkt ein anderer Mechanismus: Erst wenn der Rücklauf unter den Abgastaupunkt fällt, kondensiert der Wasserdampf und gibt seine Wärme ab.
So finden Sie die richtige Einstellung
Für die Praxis genügt ein Vorgehen über wenige Tage, bei dem Sie die Thermostatventile vollständig öffnen und jeweils nur eine Größe verändern:
| Beobachtung | Ursache | Maßnahme |
|---|---|---|
| an kalten Tagen zu kühl, in der Übergangszeit passend | Kurve zu flach | Steilheit erhöhen |
| an kalten Tagen passend, in der Übergangszeit zu warm | Kurve zu steil | Steilheit senken |
| durchgehend zu kühl | Niveau zu niedrig | Parallelverschiebung anheben |
| durchgehend zu warm | Niveau zu hoch | Parallelverschiebung senken |
Senken Sie die Steilheit in Schritten von 0,1 und warten Sie jeweils ein bis zwei Tage ab, denn ein Gebäude reagiert träge. Der richtige Wert ist erreicht, wenn es am kältesten Tag gerade noch warm genug wird und die Thermostatventile kaum abregeln müssen.
Häufige Fragen zur Heizkurve
Was bedeuten Steigung und Niveau?
Die Steigung legt fest, wie stark die Vorlauftemperatur steigt, wenn es draußen kälter wird. Das Niveau verschiebt die gesamte Kurve nach oben oder unten, unabhängig von der Außentemperatur. Als Faustregel gilt: Ist es nur bei Frost zu kalt, erhöhen Sie die Steigung. Ist es dauerhaft zu kalt, heben Sie das Niveau an.
Meine Wohnung wird nur bei Frost nicht warm. Was tun?
Das spricht für eine zu flache Steigung. Erhöhen Sie sie in kleinen Schritten von etwa 0,2 und warten Sie ein bis zwei Tage ab, denn das Gebäude reagiert träge. Ändern Sie nie Steigung und Niveau gleichzeitig, sonst lässt sich die Wirkung nicht mehr zuordnen.
Wie finde ich die richtige Einstellung?
Drehen Sie die Thermostatventile in einem Referenzraum voll auf und senken Sie die Kurve schrittweise, bis es dort gerade noch angenehm warm ist. Die tiefste Einstellung, bei der alle Räume ihre Solltemperatur erreichen, ist die richtige. Wichtig ist, dass die Thermostate dabei nicht abregeln, sonst messen Sie deren Wirkung statt der Kurve.
Warum ist eine niedrige Heizkurve so wichtig?
Bei einer Wärmepumpe kostet jedes Grad Vorlauftemperatur rund 2,5 Prozent Strom, bei einem Brennwertkessel entscheidet der Rücklauf darüber, ob er überhaupt kondensiert. Eine unnötig hohe Kurve kostet also dauerhaft Geld, ohne dass es im Haus wärmer wird, weil die Thermostate die Überschussleistung ohnehin abregeln.
Sollte ich nachts absenken?
Bei einem Kessel lohnt die Nachtabsenkung meist. Bei einer Wärmepumpe ist sie oft kontraproduktiv, weil das Wiederaufheizen am Morgen eine höhere Vorlauftemperatur verlangt und damit die Effizienz drückt. In gut gedämmten Gebäuden kühlt das Haus ohnehin kaum aus, sodass die Absenkung wenig bringt.
