In den meisten Heizungssystemen sorgen geschlossene Zirkulationskreise für den Wärmetransport. Weil sich Heizwasser bei Erwärmung ausdehnt, steigt der Druck in Leitungen und Bauteilen. Für jeden geschlossenen Kreislauf ist deshalb ein Sicherheitsventil baurechtlich vorgeschrieben. Es schützt die Anlage vor unzulässig hohem Druck und damit vor Schäden. Dieser Ratgeber erklärt Funktion, Auslegung und Auswahl des Sicherheitsventils.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Ein Sicherheitsventil ist für jeden geschlossenen Heizkreis vorgeschrieben und leitet bei zu hohem Druck Wasser oder Dampf ab.
- Für private Heizungsanlagen ist der Ansprechdruck in fast allen Fällen auf 3 bar festgelegt.
- Auslegung, Querschnitt und Einbauort müssen zur Anlage passen und sollten vom Fachbetrieb bestimmt werden.
- Bekannte Hersteller sind unter anderem SYR und Leser. Die Ventile werden nach DIN EN 12828 geprüft.
So funktioniert das Sicherheitsventil
Die Auslegung des Ventils folgt der Anlagendimension und dem normalen Betriebsdruck. Steigt der Druck um mehr als etwa 10 Prozent über den zulässigen Wert, öffnet das entsprechend eingestellte Ventil und leitet Gas oder Flüssigkeit ab. Dadurch sinkt der Betriebsdruck wieder auf ein sicheres Niveau, unabhängig davon, was den Druckanstieg ausgelöst hat. Das Sicherheitsventil arbeitet damit als letzte Schutzinstanz, die eingreift, wenn andere Bauteile den Druck nicht mehr auffangen.
Druckanstieg und Druckstöße
Ursachen für einen Druckanstieg im Heizungssystem können interne Fehlfunktionen und Defekte ebenso sein wie äußere Einflüsse. Die typischsten Auslöser sind:
- zu viel Heizwasser im geschlossenen Kreislauf,
- eine zu hohe Wärmeeinspeisung durch die Wärmequelle,
- ein ausgefallenes oder defektes Ausdehnungsgefäß,
- eine äußere Erwärmung der Leitungen, etwa durch Sonneneinstrahlung oder Brand.
Neben der reinen Überdruckregulierung muss ein Sicherheitsventil auch die nötige Durchsatzgeschwindigkeit liefern. Sind die Querschnitte zu klein, kann die Flüssigkeit oder das Gas nicht schnell genug abströmen, und es entstehen zusätzliche Risiken. Auch plötzliche Druckänderungen, sogenannte Druckstöße, können durch eine falsche Dimensionierung verstärkt werden. Die richtige Auslegung hängt von der jeweiligen Anlage ab und sollte unbedingt von einem Heizungsinstallateur vorgenommen werden.
Positionierung, Druckwert und Querschnitt
Ein Sicherheitsventil muss nicht nur in Auslegung und Strömungsquerschnitt zur Anlage passen, es muss auch ungehindert abblasen können. Der Ausgang darf nicht durch Gegendruck verlangsamt oder blockiert werden, damit der Druck im Auslösefall schnell abgebaut wird. In besonderen Einbausituationen kann zusätzlich eine Berstscheibe gefordert sein, die bei plötzlichem Druckanstieg gezielt zerstört und so ein Bersten von Bauteilen verhindert. Für die Praxis gelten folgende Anhaltspunkte:
- Im Handel sind Sicherheitsventile mit einem Ansprechdruck von bis zu 10 bar erhältlich.
- Für private Heizungsanlagen ist der Auslösedruck in fast allen Fällen auf 3 bar festgelegt und vorgeschrieben.
- Ein Ventil mit 3/4 Zoll Anschluss liefert für übliche Ein- und Zweifamilienhäuser die erforderlichen Werte bei Durchflussvolumen und Strömungsausgang.
Sicherheitsventil prüfen und warten
Ein Sicherheitsventil erfüllt seine Schutzfunktion nur, wenn es im Ernstfall zuverlässig öffnet. Deshalb sollte es regelmäßig geprüft werden, üblicherweise im Rahmen der jährlichen Heizungswartung. Dazu wird das Ventil kurz angelüftet, indem die Kappe von Hand betätigt wird, sodass etwas Wasser abströmt und sich der Ventilsitz freispült. Bleibt danach Wasser am Ausgang stehen oder tropft das Ventil dauerhaft nach, deutet das auf einen verschmutzten oder beschädigten Ventilsitz hin. Auch ein Sicherheitsventil, das im normalen Betrieb immer wieder anspricht, ist ein Warnsignal, das meist auf ein defektes Ausdehnungsgefäß oder einen zu hohen Anlagendruck zurückgeht und näher untersucht werden sollte.
Wann muss das Ventil getauscht werden?
Ein Sicherheitsventil ist ein Verschleißteil und sollte nicht unbegrenzt in Betrieb bleiben. Tropft es dauerhaft, lässt es sich nicht mehr sauber anlüften oder ist der Ventilsitz sichtbar verkalkt oder korrodiert, ist ein Austausch fällig. Da vom einwandfreien Zustand des Ventils die Sicherheit der gesamten Anlage abhängt, sollte der Wechsel dem Fachbetrieb überlassen werden, der zugleich Ansprechdruck und Auslegung überprüft. Ein neues Ventil ist vergleichsweise günstig, verhindert im Ernstfall aber teure Folgeschäden durch unzulässig hohen Druck im Heizsystem.
Hersteller und Bauarten
Ein Sicherheitsventil gehört zum Standardprogramm der Hersteller für Heiztechnik. Die vielen Parameter, die bei Auswahl und Anpassung zu beachten sind, führen zu einer umfangreichen Produktvielfalt. Der deutsche Ventilhersteller SYR aus Korschenbroich bietet neben Sicherheitsventilen auch Druckminderungstechnik an. Die Membransicherheitsventile werden nach DIN EN 12828 geprüft. Für geschlossene Warmwasserbereitungs-Systeme gibt es eine gesonderte Ventilgruppe, die zusätzliche Anforderungen erfüllen muss. Ein Sicherheitsventil für den Trinkwasserbereich darf ausschließlich aus Werkstoffen bestehen, die die Wasserqualität nicht beeinträchtigen.
Der Hamburger Hersteller Leser ist nach eigenen Angaben der größte Sicherheitsventilhersteller in Europa und bietet neben industriellen Lösungen auch Ventile für Wohngebäude an, mit Leistungsklassen von 0,1 bis 850 bar. Für Heizungsanlagen ab mittlerer Größe finden sich hier spezifische Ventile. So lassen sich auch Versorgungs- und Zirkulationspumpen für Mehrfamilienhäuser und gemischt genutzte Liegenschaften vorschriftsgemäß absichern. Wichtig ist in jedem Fall, dass das Ventil regelmäßig auf Funktion geprüft wird, denn nur ein gängiges Sicherheitsventil kann im Ernstfall zuverlässig auslösen.
Fazit
Das Sicherheitsventil ist ein unscheinbares, aber unverzichtbares Bauteil, das die Heizungsanlage vor den Folgen eines unzulässig hohen Drucks schützt. Für private Anlagen ist meist ein Ventil mit 3 bar Ansprechdruck und 3/4 Zoll Anschluss vorgeschrieben; die genaue Auslegung gehört jedoch in die Hände eines Fachbetriebs. Ebenso wichtig wie die richtige Auswahl ist die regelmäßige Prüfung, denn nur ein gängiges Ventil löst im Ernstfall zuverlässig aus. Spricht das Ventil im Betrieb wiederholt an, sollten Sie die Ursache untersuchen lassen, häufig steckt ein defektes Ausdehnungsgefäß dahinter. Mit geringem Aufwand sorgt das Sicherheitsventil so dauerhaft für einen sicheren Betrieb.
