
Seit 2015 läuft in Deutschland die flächendeckende Umstellung von L-Gas auf H-Gas, die sogenannte Marktraumumstellung. Der Hintergrund: L-Gas ist ein Erdgas mit niedrigem Brennwert, das aus deutschen und niederländischen Quellen stammt. Da diese Vorkommen zurückgehen und die niederländische Förderung inzwischen ausgelaufen ist, wird schrittweise auf das energiereichere H-Gas umgestellt. Die Umstellung soll bis etwa 2030 abgeschlossen sein.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Bei der Marktraumumstellung wird L-Gas mit niedrigem Brennwert schrittweise durch das energiereichere H-Gas ersetzt. Grund ist der Rückgang der L-Gas-Vorkommen.
- Gasgeräte müssen dafür überprüft und teils angepasst werden. Die Prüfung durch geschulte Fachleute ist für Hausbesitzer kostenlos, eine nötige Modernisierung jedoch nicht.
- Für Verbraucher ändert sich im Alltag nichts. Der örtliche Netzbetreiber informiert über den Termin, und die Umstellung erfolgt in der Regel ohne Versorgungsunterbrechung.
H-Gas ist durch einen höheren Methangehalt und damit einen höheren Energiegehalt gekennzeichnet. Es stammt heute vor allem aus Norwegen, aus den Niederlanden sowie aus verflüssigtem Erdgas (LNG), das über deutsche und europäische Terminals importiert wird. Vor Beginn der Umstellung wurden rund 30 Prozent aller deutschen Gaskunden mit L-Gas versorgt, vor allem in Nordwestdeutschland, etwa in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bremen.
Wie läuft die Umstellung ab?
In der Regel sind Gasheizungen auf eine bestimmte Gasart eingestellt. Damit der sichere und effiziente Betrieb gewährleistet bleibt, müssen die Geräte überprüft werden. Dabei sind drei Fälle möglich: Das Gerät ist bereits für H-Gas geeignet, es muss lediglich die Düse angepasst werden, oder eine umfassendere Modernisierung ist erforderlich. Ziel der Marktraumumstellung ist es, mehrere Millionen Wärmeerzeuger anzupassen. Die Prüfung übernehmen geschulte Heizungsinstallateure und ist für den Hausbesitzer kostenlos. Eine notwendige Modernisierung müssen die Eigentümer jedoch selbst finanzieren.
Was tun, wenn eine Modernisierung nötig ist?
Bei älteren Heizgeräten reicht es oft nicht aus, nur die Gasdüsen zu tauschen. Ein Heizungswechsel ist zwar mit Investitionskosten verbunden, senkt aber in der Regel die laufenden Betriebskosten, weil moderne Geräte effizienter arbeiten. Sie haben dabei die Wahl, ob Sie weiterhin mit Erdgas heizen oder die Gelegenheit für einen Umstieg nutzen, etwa auf eine Wärmepumpe oder auf eine Kombination mit einer Photovoltaikanlage. Angesichts steigender CO2-Preise auf fossile Brennstoffe lohnt es sich, diese Optionen bei einer ohnehin anstehenden Modernisierung zu prüfen.
H-Gas im Detail
Die Qualität von H-Gas wird durch den hohen Methangehalt bestimmt, der über dem von L-Gas liegt. Der Ursprung des Gases beeinflusst den genauen Brennwert: Gas aus der Nordsee hat einen Methangehalt von rund 89 Prozent, während Gas aus anderen Quellen bis zu 98 Prozent Methan enthalten kann. Für den Betrieb Ihrer Heizung bedeutet der höhere Brennwert, dass Sie für dieselbe Wärmemenge weniger Kubikmeter Gas benötigen.
Wichtige Fragen und Antworten
Frage |
Antwort |
| Von wem erfahre ich den Termin? | Der örtliche Gasnetzbetreiber teilt die genauen Termine für die betroffenen Haushalte mit. |
| Muss die Gasversorgung unterbrochen werden? | In der Regel läuft die Umstellung ohne Unterbrechung ab. Sollte es doch nötig sein, wird die Unterbrechung so kurz wie möglich gehalten. |
| Welche Geräte sind betroffen? | Grundsätzlich alle Geräte an der Gasleitung, etwa die Gastherme, der Gasofen, der Heizkessel oder der Gasherd. |
| Ändern sich die Gaspreise? | Da der Preis auf den Energiegehalt bezogen wird und in Kilowattstunden abgerechnet wird, gleicht der höhere Brennwert den geringeren Verbrauch in Kubikmetern aus. |
Was Sie als Verbraucher wissen sollten
Für Sie als Kunde ist die Marktraumumstellung mit wenig Aufwand verbunden. Der Netzbetreiber und der beauftragte Fachbetrieb organisieren die Anpassung, und die Prüfung Ihrer Geräte ist kostenlos. Ein Anbieterwechsel ändert übrigens nichts an der gelieferten Gasqualität, da diese von der Lieferregion abhängt und nicht vom gewählten Tarif. Wichtig ist, dass Sie den Zugang zu Ihren Gasgeräten ermöglichen, wenn der Termin ansteht, damit die Anpassung reibungslos erfolgen kann. Steht bei Ihnen ohnehin eine größere Investition in die Heizung an, ist die Umstellung ein guter Anlass, über ein modernes, zukunftssicheres Heizsystem nachzudenken und sich dazu unabhängig beraten zu lassen.
Chance für einen zukunftssicheren Umstieg
Die Marktraumumstellung ist für viele Haushalte ein guter Zeitpunkt, die eigene Wärmeversorgung grundsätzlich zu überdenken. Ist die vorhandene Gasheizung ohnehin in die Jahre gekommen, kann sich statt einer bloßen Anpassung ein kompletter Umstieg auf ein klimafreundliches System lohnen. Wärmepumpen, Hybridlösungen oder der Anschluss an ein Wärmenetz sind Alternativen, die langfristig unabhängiger von fossilen Brennstoffen und ihren steigenden Kosten machen. Für einen solchen Wechsel stehen zudem staatliche Förderungen bereit. Ein Fachbetrieb kann Ihnen aufzeigen, welche Lösung zu Ihrem Gebäude passt, und Sie durch Planung, Förderung und Umsetzung begleiten. So wird aus der ohnehin nötigen Anpassung ein Schritt in eine zukunftssichere und wirtschaftliche Wärmeversorgung.
Zusammengefasst ist die Umstellung von L-Gas auf H-Gas ein technisch notwendiger, für Verbraucher aber weitgehend unkomplizierter Vorgang. Der Netzbetreiber steuert den Ablauf, die Prüfung der Geräte ist kostenlos, und im Alltag ändert sich nichts an der Nutzung. Wichtig ist nur, dass Sie beim angekündigten Termin den Zugang zu Ihren Geräten ermöglichen. Wer eine ältere Heizung besitzt, sollte die Gelegenheit nutzen, um über eine grundlegende Modernisierung nachzudenken und sich über die aktuellen Fördermöglichkeiten zu informieren.
