
Nicht jedes Haus liegt am Erdgasnetz, doch auf komfortables Heizen mit Gas muss deshalb niemand verzichten. Eine Flüssiggasheizung bringt den Brennstoff einfach per Tankwagen ins Haus und arbeitet ansonsten wie eine moderne Gasheizung. Dieser Ratgeber erklärt Technik, Kosten, Vor- und Nachteile sowie die Förderlage 2026.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Eine Flüssiggasheizung ist die naheliegende Lösung für Gebäude ohne Erdgasanschluss. Der Brennstoff wird in einem eigenen Tank auf dem Grundstück gelagert.
- Die Anschaffungskosten inklusive Tank und Montage liegen meist zwischen 7.500 und 12.100 Euro.
- Flüssiggas ist pro Kilowattstunde teurer als Erdgas, in Regionen ohne Gasnetz aber oft günstiger als Heizöl. 2026 kostet ein Liter rund 0,90 bis 1,00 Euro.
- Eine reine Flüssiggasheizung ist nicht förderfähig. GEG-konform wird sie als Hybridlösung oder durch den Einsatz von biogenem Flüssiggas.
So funktioniert die Flüssiggasheizung
Flüssiggas, meist Propan nach DIN 51622, wird unter Druck verflüssigt und dadurch stark komprimiert gelagert. Aus dem Tank gelangt es gasförmig zum Heizkessel, wo es wie Erdgas verbrannt wird. Der Tank lässt sich oberirdisch aufstellen oder unterirdisch im Erdreich vergraben, was optisch unauffälliger ist. Gängige Größen fassen etwa 1,2, 2,1 oder 2,9 Tonnen. Man kann den Tank kaufen oder mieten. Mietmodelle sind günstiger in der Anschaffung, binden aber häufig an einen Lieferanten. Ein Erdgasanschluss ist nicht nötig, dafür muss der Standort des Tanks bestimmte Sicherheitsabstände einhalten.

Anschaffungskosten der Flüssiggasheizung
Die Investition setzt sich aus Heizgerät, Tank und Montage zusammen. Die folgende Übersicht zeigt die typischen Positionen.
| Kostenfaktor | Preis |
|---|---|
| Heizgerät selbst | 4.000 bis 7.000 € |
| Flüssiggastank | 1.500 bis 2.100 € |
| Einbau, Material, Anschluss und Lieferung | 2.000 bis 3.000 € |
| Gesamtkosten | 7.500 bis 12.100 € |
Laufende Kosten im Überblick
Neben der Anschaffung fallen jährliche Betriebskosten an. Der größte Posten ist der Brennstoff selbst.
| Kostenfaktor | Preis pro Jahr |
|---|---|
| jährliche Wartung | 150 bis 250 € |
| Verbrauch Flüssiggas | 1.100 bis 1.500 € |
| Hilfsstrom | 30 bis 50 € |
| Schornsteinfeger | 100 bis 150 € |
| Gesamt | 1.380 bis 1.950 € |
Der Flüssiggaspreis ist volatil und orientiert sich am Ölpreis. 2026 liegt er bei rund 0,90 bis 1,00 Euro je Liter, wobei ein Liter etwa 6,6 Kilowattstunden Energie enthält. Da sich die Preise nur wöchentlich oder monatlich ändern, lohnt es sich, günstige Phasen für die Bestellung zu nutzen. Hinzu kommt die CO2-Bepreisung, die für Flüssiggas 2026 bei etwa 8 bis 10 Cent je Liter liegt und damit geringer ausfällt als bei Heizöl.
Vorteile und Nachteile
Der größte Vorteil der Flüssiggasheizung ist ihre Netzunabhängigkeit: Sie funktioniert auch dort, wo kein Erdgas verfügbar ist, und ist in der Anschaffung günstiger als viele Alternativen. Die Technik ist ausgereift und erreicht dank Brennwertnutzung einen hohen Wirkungsgrad. Auch die Warmwasserbereitung lässt sich über einen Warmwasserspeicher komfortabel lösen. Dem stehen Nachteile gegenüber: Der Tank benötigt Platz und muss regelmäßig geprüft werden, die Brennstoffkosten liegen über denen von Erdgas, und als fossiler Energieträger unterliegt Flüssiggas der steigenden CO2-Bepreisung. In Mehrfamilienhäusern kann statt einer Zentralheizung auch eine Gasetagenheizung mit Flüssiggas sinnvoll sein.
Flüssiggastank: kaufen oder mieten, oberirdisch oder unterirdisch
Der Tank ist das prägende Element einer Flüssiggasheizung. Er kann oberirdisch aufgestellt, halb eingegraben oder vollständig unterirdisch verbaut werden. Die unterirdische Variante ist optisch unauffällig und spart Platz, verursacht aber höhere Einbaukosten. Bei der Beschaffung gibt es zwei Wege: Kauf oder Miete. Ein gekaufter Tank macht unabhängig bei der Wahl des Lieferanten, sodass sich der Brennstoff jederzeit beim günstigsten Anbieter bestellen lässt. Ein Miettank ist in der Anschaffung günstiger und schließt Wartung sowie wiederkehrende Prüfungen meist ein, bindet aber häufig an einen festen Versorger. Wichtig ist die regelmäßige Sicherheitsprüfung: Oberirdische Tanks sind alle zwei Jahre einer äußeren Prüfung zu unterziehen, unterirdische Tanks unterliegen zusätzlich einer inneren Prüfung in längeren Abständen. Der Aufstellort muss vorgeschriebene Sicherheitsabstände zu Gebäuden, Grundstücksgrenzen und Zündquellen einhalten.
Für wen eignet sich eine Flüssiggasheizung?
Die Flüssiggasheizung ist vor allem für Gebäude in ländlichen oder gasfernen Lagen interessant, in denen kein Anschluss an das Erdgasnetz besteht. Wer dort bislang mit Heizöl heizt, kann mit Flüssiggas auf einen emissionsärmeren Brennstoff wechseln, ohne die Heiztechnik grundlegend umstellen zu müssen. Auch als Übergangslösung oder in Kombination mit erneuerbaren Energien ist Flüssiggas eine Option. Weniger sinnvoll ist die Anschaffung dort, wo ein Erdgasanschluss vorhanden ist, da Erdgas günstiger und ohne Tank verfügbar ist. Wer langfristig plant, sollte prüfen, ob nicht eine Wärmepumpe oder eine Hybridlösung die wirtschaftlichere und klimafreundlichere Wahl darstellt. Einen Überblick über die verschiedenen Heizmöglichkeiten und Brennstoffe hilft bei der Entscheidung.
Verbrauch und Tankgröße richtig einschätzen
Wie viel Flüssiggas ein Haushalt benötigt, hängt von der beheizten Fläche, dem Dämmstandard und der Personenzahl ab. Als grobe Orientierung verbraucht ein durchschnittliches Einfamilienhaus mehrere Tausend Liter pro Jahr. Die Tankgröße sollte so gewählt werden, dass sich der Jahresbedarf möglichst in ein bis zwei Lieferungen decken lässt, denn Sammelbestellungen und der Einkauf in günstigen Preisphasen senken die Kosten. Gängige Tankgrößen fassen etwa 1,2, 2,1 oder 2,9 Tonnen. Ein zu klein gewählter Tank führt zu häufigeren Lieferungen und weniger Spielraum beim Preis, ein zu großer Tank bindet unnötig Kapital und Platz. Da Flüssiggas pro Kilowattstunde teurer ist als Erdgas, lohnt sich in gut gedämmten Gebäuden zudem der Blick auf Effizienzmaßnahmen, die den Verbrauch dauerhaft senken.
Ein sorgfältig geplanter Tank und ein bewusster Einkauf in günstigen Preisphasen sind damit die wirksamsten Hebel, um die laufenden Kosten einer Flüssiggasheizung im Griff zu behalten. Wer zusätzlich über biogenes Flüssiggas nachdenkt, verbessert die Klimabilanz, ohne die vorhandene Technik austauschen zu müssen.
Förderung und rechtlicher Rahmen 2026
Eine reine Flüssiggasheizung ist seit Inkrafttreten des Gebäudeenergiegesetzes nicht mehr über die Bundesförderung förderfähig, da nur Heizungen mit hohem Anteil erneuerbarer Energien bezuschusst werden. GEG-konform und teilweise förderfähig wird die Anlage jedoch als Hybridlösung, etwa in Kombination mit Solarthermie oder einer Wärmepumpe. Eine weitere Option ist biogenes Flüssiggas (BioLPG), das aktuell mit einem Emissionsfaktor von null bewertet und von der CO2-Bepreisung ausgenommen ist. Moderne Brennwertthermen lassen sich damit betreiben, was die Klimabilanz verbessert. Zu beachten ist außerdem der neue rechtliche Rahmen. Das Gebäudeenergiegesetz wird durch das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) abgelöst, das Bundestag und Bundesrat am 10. Juli 2026 beschlossen haben. Es lässt die starre 65-Prozent-Regel entfallen und macht die Vorgaben technologieoffener: Öl- und Gasheizungen bleiben zulässig, die Förderung bleibt bestehen. Sie soll neue fossile Heizungen technologieoffener zulassen, ab 2029 aber einen steigenden Anteil klimafreundlicher Brennstoffe verlangen. Wer eine Flüssiggasheizung plant, sollte den Einsatz biogener Brennstoffe und eine mögliche Kombination mit erneuerbaren Energien in die Überlegungen einbeziehen.
Bio-Treppe: biogenes Flüssiggas als Erfüllungsweg
Auch die Flüssiggasheizung fällt beim Neueinbau unter die Bio-Treppe des Gebäudemodernisierungsgesetzes. Der Gesetzgeber zählt biogenes Flüssiggas ausdrücklich zu den klimafreundlichen Brennstoffen, sodass die Stufen so erfüllt werden können:
| Zeitpunkt | Mindestanteil biogenes Flüssiggas |
|---|---|
| ab 1. Januar 2029 | mindestens 10 Prozent |
| ab 1. Januar 2030 | mindestens 15 Prozent |
| ab 1. Januar 2035 | mindestens 30 Prozent |
| ab 1. Januar 2040 | mindestens 60 Prozent |
Das ist für Flüssiggas ein Vorteil gegenüber Erdgas, denn Sie sind nicht an ein Netz gebunden, sondern wählen Ihren Lieferanten frei und können biogenes Flüssiggas gezielt bestellen. Der Nachweis läuft über die Rechnung des Lieferanten. Zu bedenken ist die Verfügbarkeit: Biogenes Flüssiggas ist noch ein Nischenprodukt, und der Aufpreis gegenüber konventioneller Ware ist derzeit schwer zu prognostizieren.
Häufige Fragen zur Flüssiggasheizung
Für wen lohnt sich Flüssiggas?
Vor allem dort, wo kein Erdgasanschluss liegt und Fernwärme fehlt. Gegenüber Heizöl spart Flüssiggas Platz und verursacht weniger Geruch, gegenüber Erdgas ist es aber teurer. Wo eine Wärmepumpe möglich ist, heizt sie in aller Regel günstiger.
Tank mieten oder kaufen?
Beim Kauf zahlen Sie rund 2.000 bis 3.500 Euro, sind dafür aber in der Wahl des Lieferanten frei und können Preise vergleichen. Bei der Miete kostet der Tank etwa 100 bis 200 Euro im Jahr, meist verbunden mit einer Bezugsbindung an den Vermieter. Über zehn Jahre ist der Kauf deshalb häufig günstiger, sofern Sie die Preise aktiv verhandeln.
Welche Vorschriften gelten für den Tank?
Erforderlich sind Abstände zu Gebäuden, Öffnungen und Grundstücksgrenzen, die sich nach Größe und Bauart richten. Oberirdische Tanks brauchen einen Schutz gegen Anfahren, unterirdische einen Korrosionsschutz. Die wiederkehrende Prüfung übernimmt ein Sachverständiger, meist alle zwei Jahre äußerlich und alle zehn Jahre innerlich.
Ist eine Flüssiggasheizung noch förderfähig?
Nein, eine reine Flüssiggasheizung wird nicht bezuschusst. Gefördert wird nur der erneuerbare Teil, etwa in einer Hybridlösung mit Wärmepumpe. Ab 2029 greift zudem die Bio-Treppe, die für neu eingebaute Anlagen einen wachsenden Anteil klimafreundlicher Brennstoffe verlangt.
Wie groß muss der Tank sein?
Für ein Einfamilienhaus mit 18.000 Kilowattstunden Wärmebedarf genügt meist ein Tank mit 2.700 Litern, was etwa einer Jahresfüllung entspricht. Kleiner sollte er nicht ausfallen, weil sich der Preisvorteil größerer Liefermengen sonst nicht nutzen lässt. Wer im Sommer bestellt, zahlt in der Regel weniger.
