Fernwärmeleitungen im Boden

Beim Anschluss an ein Fernwärmenetz wird die Wärme zentral erzeugt und als erwärmtes Wasser angeliefert. Statt einer eigenen Heizung genügt eine kompakte Übergabestation. Fernwärme ist wartungsarm, platzsparend und erfüllt die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes. Dieser Ratgeber erklärt Anschluss, Aufwand, Kosten und Förderung.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Fernwärme bietet Komfort, da keine eigene Heizanlage oder Brennstofflagerung nötig ist. Installiert wird nur eine wartungsarme Übergabestation.
  • Ihre CO2-Bilanz hängt davon ab, welchen Anteil erneuerbare Energien und Abwärme im Netz haben, allerdings treten auf dem Transportweg Wärmeverluste auf.
  • Der Anschluss an ein Wärmenetz ist eine anerkannte Erfüllungsoption des Gebäudeenergiegesetzes, mit der sich die Vorgaben zum Heizungstausch erfüllen lassen. Verfügbar ist er nur in Gebieten mit bestehendem oder geplantem Netz.

Funktionsweise

Der Anschluss an ein Fernwärmenetz ist mit der Stromversorgung vergleichbar: Die Wärme wird zentral vorproduziert und als erwärmtes Wasser geliefert. Statt einer Zentralheizung benötigen Sie lediglich eine Übergabestation, die über ein Zu- und ein Ableitungsrohr mit dem Netz verbunden wird. Durch die fertig gelieferte Wärme entfallen eine eigene Heizanlage, das Brennstofflager, der Heizungsraum sowie Abgasanlage und Schornstein. Die Kompaktstation ist wartungsarm und beansprucht etwa den Platz eines mittelgroßen Möbelstücks. Vom gleichen Prinzip spricht man bei der Nahwärme, wenn das versorgende Kraftwerk nur einzelne Gebäude oder eine Siedlung versorgt.

Vor- und Nachteile

Fernwärme bietet mehrere Vorteile. Ihre CO2-Bilanz hängt vom Erzeugungsmix des Netzes ab: Beruht die Erzeugung auf erneuerbaren Energien oder industrieller Abwärme, fällt sie günstig aus. Die zentrale Erzeugung kann effizienter sein als die individuelle Wärmeerzeugung in jedem Gebäude, besonders in Verbindung mit Kraft-Wärme-Kopplung. Für die Endverbraucher ist Fernwärme sehr bequem, da Betrieb und Wartung einer eigenen Heizung entfallen. Hinzu kommen die Platzersparnis und eine konstante, zuverlässige Versorgung.

Dem stehen einige Nachteile gegenüber. Fernwärme ist nur in Gebieten verfügbar, die an ein Netz angeschlossen sind, und der Ausbau der Infrastruktur ist kostspielig. Die Nutzer haben weniger Kontrolle über die Wärmequelle und sind von den Tarifen und der Verfügbarkeit des Anbieters abhängig. Da ein Wechsel des Versorgers meist nicht möglich ist, besteht eine gewisse Abhängigkeit. Zudem treten auf dem Transportweg von der Erzeugung zum Verbraucher Wärmeverluste auf, besonders über längere Distanzen.

Fernwärme und das Gebäudeenergiegesetz

Maßgeblich ist das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), das das frühere Gebäudeenergiegesetz ablöst. Ihm kommt für die Fernwärme eine besondere Bedeutung zu, denn der Anschluss an ein Wärmenetz bleibt eine anerkannte Option auf erneuerbarer Basis für den Heizungstausch. Das lässt sich etwa durch eine Wärmepumpe erreichen, doch auch der Anschluss an ein Fernwärmenetz zählt zu den anerkannten Erfüllungsoptionen, da die Bundesregierung davon ausgeht, dass Fernwärme zunehmend aus erneuerbaren Quellen stammt. Eng damit verknüpft ist die kommunale Wärmeplanung: Große Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern müssen bis zum 30. Juni 2026 eine Wärmeplanung vorlegen, kleinere Kommunen spätestens bis zum 30. Juni 2028. Auf dieser Grundlage entscheiden viele Kommunen über den Ausbau ihrer Wärmenetze. Ist in einem Gebiet der Ausbau eines Netzes geplant, dürfen in der Übergangszeit weiterhin verschiedene Heizungsarten eingebaut werden, allerdings unter Beachtung der schrittweise steigenden Anforderungen an den Anteil erneuerbarer Energie.

Verfügbarkeit prüfen

Vor einer Entscheidung sollte die Verfügbarkeit geprüft werden. In den östlichen Bundesländern nutzt ein erheblicher Anteil der Haushalte Fernwärme, während in den westlichen Ländern vor allem Ballungsräume und größere Städte über Netze verfügen, etwa im Raum Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Kiel, Flensburg und das Ruhrgebiet. Die meisten der zahlreichen Versorger legen ihre Anlagen so aus, dass auch die Warmwasserbereitung über Fernwärme erfolgen kann. Besonders in Randlagen und weit von den Kraftwerken entfernten Gebieten sollte geprüft werden, welche Leistung tatsächlich zur Verfügung steht. Angesichts der kommunalen Wärmeplanung ist es sinnvoll, sich bei der Gemeinde über bestehende und geplante Netze zu informieren.

Anschluss und baulicher Aufwand

Ein großer Vorteil ist der geringe bauliche Aufwand. Zwei Leitungen werden durch die Hauswand geführt. Die Übergabestation enthält einen Wärmetauscher und ein Zählwerk und kann im Keller, im Hauswirtschaftsraum oder in einer großen Garage stehen. Von hier wird das gebäudeeigene Heizsystem und gegebenenfalls die Warmwasserbereitung gespeist. Das Aufstellen und Anschließen muss durch einen qualifizierten Fachbetrieb erfolgen, dessen Kosten zusätzlich anfallen. Da keine Abgasanlage und kein Brennstofflager nötig sind, ist der Umbauaufwand insgesamt gering.

Ökologie und Zukunft der Fernwärme

Die Umweltbilanz der Fernwärme hängt stark davon ab, wie die Wärme erzeugt wird. Stammt sie aus erneuerbaren Quellen wie Geothermie, Solarthermie, Biomasse oder aus industrieller Abwärme, sinken die CO2-Emissionen entsprechend. Wird sie dagegen überwiegend aus fossilen Brennstoffen erzeugt, fällt die Bilanz weniger günstig aus, zumal auf dem Transportweg Wärmeverluste entstehen. Im Zuge der Wärmewende bauen viele Versorger ihre Netze aus und stellen die Erzeugung schrittweise auf erneuerbare Quellen um. Für Verbraucher ist es daher sinnvoll, sich beim örtlichen Versorger nach dem aktuellen und geplanten Anteil erneuerbarer Energie zu erkundigen. Da die Fernwärme als anerkannte Erfüllungsoption des Gebäudeenergiegesetzes gilt und viele Kommunen im Rahmen der Wärmeplanung auf den Netzausbau setzen, dürfte ihre Bedeutung in den kommenden Jahren zunehmen.

Für wen sich Fernwärme eignet

Fernwärme eignet sich vor allem für Gebäude in Gebieten mit einem bestehenden oder geplanten Netz, in denen der Anschluss technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist. Für Eigentümer, die den Aufwand einer eigenen Heizung samt Wartung, Brennstofflagerung und Schornstein vermeiden möchten, ist sie besonders attraktiv. Auch in dicht bebauten Stadtgebieten, in denen der Platz für eine eigene Anlage knapp ist, spielt Fernwärme ihre Vorteile aus. Weniger geeignet ist sie in ländlichen Regionen ohne Netzanschluss, wo eine Wärmepumpe oder eine Biomasseheizung meist die bessere Wahl ist. Vor der Entscheidung sollte geprüft werden, ob ein Anschluss verfügbar ist, wie hoch die Kosten sind und aus welchen Quellen die gelieferte Wärme stammt. So lässt sich abwägen, ob Fernwärme oder eine eigene erneuerbare Heizung die passendere Lösung ist.

Kosten und Förderung

Im monatlichen Preis sind die Kosten für die Übergabestation bei vielen Anbietern über einen Grundpreis bereits enthalten. Der Fernwärmepreis unterscheidet sich regional stark und setzt sich aus einem Grundpreis je Kilowatt und einem Verbrauchspreis je Kilowattstunde zusammen. Für die Anschaffung beziehungsweise Abzahlung der Übergabestation ist grob mit rund 5.000 Euro zu kalkulieren. Die laufenden Heizkosten liegen je nach Anbieter und Region unterschiedlich. Zu beachten sind langfristige Vertragslaufzeiten, die die Flexibilität einschränken. Für den Fernwärmeanschluss sind in bestimmtem Umfang Förderungen möglich: Über die Bundesförderung für effiziente Gebäude wird der Anschluss an ein Wärmenetz bezuschusst, wobei die Art der Wärmegewinnung und der Anteil erneuerbarer Energie berücksichtigt werden. Da die Förderbedingungen und die kommunale Wärmeplanung im Fluss sind, sollten die aktuellen Konditionen vor der Entscheidung geprüft werden.

Rechenbeispiel: Fernwärme im 150-Quadratmeter-Haus

Der Fernwärmepreis setzt sich aus einem Grundpreis je Kilowatt Anschlussleistung und einem Arbeitspreis je Kilowattstunde zusammen. Für einen Zwei-Personen-Haushalt mit 150 Quadratmetern, rund 10 Kilowatt Anschlussleistung und etwa 20.000 Kilowattstunden Jahresbedarf ergibt sich folgendes Bild. Beide Preise schwanken regional erheblich.

Posten Betrag
Hausanschluss und Übergabestation oft im Grundpreis enthalten
Förderung des Anschlusses (BEG) anteiliger Zuschuss möglich
Grundpreis (rund 40 Euro je kW, 10 kW) rund 400 Euro pro Jahr
Arbeitspreis (rund 12 ct/kWh, 20.000 kWh) rund 2.400 Euro pro Jahr
Wartung eigener Anlagentechnik entfällt weitgehend
Laufende Kosten gesamt rund 2.800 Euro pro Jahr

Fernwärme ist wartungsarm und benötigt keinen eigenen Kessel, weil die Wärme zentral erzeugt und geliefert wird. Zu beachten ist der Grundpreis: Er fällt unabhängig vom Verbrauch an, sodass sich eine gute Dämmung bei Fernwärme prozentual weniger stark auszahlt als bei einer verbrauchsabhängigen Heizung. Fernwärme gilt als anerkannte Erfüllungsoption des Gebäudeenergiegesetzes.

Grundpreis und Arbeitspreis: die Fernwärme-Falle beim Sanieren

Beispielrechnung mit einem Grundpreis von 40 Euro je Kilowatt Anschlussleistung und einem Arbeitspreis von 12 Cent je Kilowattstunde. Beide Werte schwanken regional erheblich, das Prinzip bleibt aber überall gleich.

Die Fernwärmerechnung besteht aus zwei Teilen: einem verbrauchsunabhängigen Grundpreis, der sich nach der bestellten Anschlussleistung richtet, und einem Arbeitspreis je gelieferter Kilowattstunde. Das führt zu einem Effekt, der viele überrascht:

Situation Grundpreis (10 kW) Arbeitspreis Summe effektiver Preis
vor der Sanierung, 18.000 kWh 400 € 2.160 € 2.560 € 14,2 ct/kWh
nach der Sanierung, 9.000 kWh 400 € 1.080 € 1.480 € 16,4 ct/kWh

Obwohl der Verbrauch halbiert wurde, steigt der rechnerische Preis je Kilowattstunde, weil sich der unveränderte Grundpreis nun auf weniger Kilowattstunden verteilt. Die Ersparnis fällt dadurch geringer aus als erhofft. Genau hier liegt der Hebel: Nach einer Dämmung oder einem Fensteraustausch sinkt die tatsächlich benötigte Anschlussleistung. Lassen Sie diese vom Versorger anpassen, statt die alte Bestellung weiterlaufen zu lassen.

Im Beispiel senkt eine Reduzierung von 10 auf 6 Kilowatt den Grundpreis auf 240 Euro und damit die Jahresrechnung auf 1.320 Euro, also rund 160 Euro Ersparnis ohne jede weitere Maßnahme. Prüfen Sie dafür Ihren Wärmelieferungsvertrag auf die vereinbarte Leistung und die Fristen für deren Anpassung. Weil Fernwärmeverträge lange Laufzeiten haben und der Anbieter durch das Netzmonopol nicht wechselbar ist, lohnt dieser Blick besonders. Ein Hinweis zum Preisvergleich: Ziehen Sie stets den effektiven Preis je Kilowattstunde inklusive Grundpreis heran, nicht den beworbenen Arbeitspreis.

Häufige Fragen zur Fernwärme

Wie funktioniert Fernwärme?

Die Wärme wird zentral in einem Heiz- oder Kraftwerk erzeugt und als erwärmtes Wasser über ein Leitungsnetz geliefert. Im Gebäude genügt eine kompakte Übergabestation, sodass eine eigene Heizanlage, das Brennstofflager und der Schornstein entfallen.

Wie fällt die CO2-Bilanz von Fernwärme aus?

Das hängt von der Erzeugung ab. Stammt die Wärme aus erneuerbaren Quellen wie Geothermie, Solarthermie oder Biomasse oder aus industrieller Abwärme, sinken die CO2-Emissionen entsprechend. Wird sie überwiegend aus fossilen Brennstoffen erzeugt, fällt die Bilanz weniger günstig aus, zumal auf dem Transportweg Wärmeverluste entstehen.

Erfüllt Fernwärme das Heizungsgesetz?

Ja. Der Anschluss an ein Wärmenetz ist eine anerkannte Erfüllungsoption, mit der sich die Vorgaben des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) zum Heizungstausch erfüllen lassen.

Was kostet ein Fernwärmeanschluss?

Für die Anschaffung beziehungsweise Abzahlung der Übergabestation ist grob mit rund 5.000 Euro zu rechnen. Die laufenden Kosten setzen sich aus einem Grundpreis je Kilowatt und einem Verbrauchspreis je Kilowattstunde zusammen und unterscheiden sich regional stark.

Kann ich den Fernwärmeanbieter wechseln?

In der Regel nicht. Da meist nur ein Netzbetreiber vor Ort liefert, besteht eine gewisse Abhängigkeit von dessen Tarifen. Zu beachten sind zudem oft langfristige Vertragslaufzeiten, die die Flexibilität einschränken.