Wer eine bestehende Immobilie modernisiert, steht oft vor der Frage: Heizwerttherme oder Brennwerttherme? Der Unterschied liegt darin, wie viel Energie aus dem Brennstoff tatsächlich genutzt wird. Für Neubauten und Sanierungen ist die effiziente Brennwerttechnik seit Jahren gesetzt, die klassische Heizwerttherme ist nur noch in engen Ausnahmefällen zulässig. Dieser Ratgeber erklärt die Technik, die Kosten, die Eignung im Altbau und die aktuelle rechtliche Lage, damit Sie die richtige Wahl treffen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Eine Heizwerttherme nutzt nur die direkte Verbrennungswärme, eine Brennwerttherme zusätzlich die Kondensationswärme aus dem Abgas. Das macht die Brennwerttechnik spürbar effizienter.
  • Gegenüber alten Kesseln sind Effizienzgewinne von 20 bis 30 Prozent möglich, gegenüber einem neueren Niedertemperaturkessel bis zu 10 Prozent. Eine Öl- oder Gas-Brennwerttherme kostet grob 8.000 bis 10.000 Euro.
  • Reine Niedertemperaturkessel dürfen wegen der Ökodesign-Vorgaben seit 2015 im Neubau und bei Sanierungen nicht mehr eingebaut werden. Bestehende Anlagen dürfen weiterlaufen.

Heiztherme ohne Verkleidung an der Wand

Heizwerttherme oder Brennwerttherme: der technische Unterschied

Die Heizwerttherme gehört zu den klassischen Bauformen, die Brennwerttechnik ist moderner und technisch überlegen. Sie gewinnt aus dem bei der Verbrennung entstehenden Wasserdampf zusätzliche Energie: Im Brennwertgerät kühlt der Wasserdampf so weit ab, dass er kondensiert, und die dabei frei werdende Wärme fließt in den Heizkreis. Bei einer Heizwerttherme entweicht diese Energie ungenutzt über den Schornstein. Zusammen mit weiteren technischen Verbesserungen erreicht die Brennwerttherme gegenüber älteren Kesseln Effizienzgewinne von 20 bis 30 Prozent. Selbst beim Austausch eines neueren Niedertemperaturkessels sind noch bis zu 10 Prozent möglich. Wird eine alte Gasheiztherme durch eine moderne Gasbrennwertheizung ersetzt, liegt die Amortisationsdauer im Schnitt bei etwa 6 bis 10 Jahren.

Kosten und Förderung

Für eine mit Öl oder Gas betriebene Brennwerttherme sollten Sie grob 8.000 bis 10.000 Euro einkalkulieren. Eine Pelletheizung mit Brennwerttechnik liegt eher bei 10.000 bis 20.000 Euro.

Bei der Förderung hat sich die Lage grundlegend geändert. Reine Öl- und Gas-Brennwertthermen sind nicht mehr über die Heizungsförderung förderfähig, unabhängig davon, ob sie für eine spätere Kombination mit erneuerbaren Energien vorbereitet sind. Gefördert wird der Umstieg auf erneuerbare Systeme. Biomasseheizungen wie Pelletkessel werden über die Bundesförderung für effiziente Gebäude bezuschusst, ebenso Wärmepumpen und Solarthermie. Die Grundförderung beträgt 30 Prozent und lässt sich über Boni auf bis zu 70 Prozent (in der untersten Einkommensstufe bis zu 80 Prozent) steigern. Die Konditionen wurden zum 21. Juli 2026 reformiert, der Antrag ist vor der Auftragsvergabe zu stellen. Bevor Sie also in eine reine Brennwerttherme investieren, lohnt der Vergleich mit einer geförderten Alternative.

Heizwerttherme und Brennwerttherme im Vergleich

Merkmal Heizwerttherme Brennwerttherme
Abgaswärme entweicht ungenutzt wird durch Kondensation genutzt
Wirkungsgrad niedriger rund 10 % höher
Neueinbau kaum noch zulässig Stand der Technik
Schornstein klassischer Zug feuchteunempfindliches Rohr nötig

Ist die Brennwerttherme für den Altbau geeignet?

Damit der Wasserdampf kondensieren kann, muss die Rücklauftemperatur ausreichend niedrig sein. Der Rücklauf ist das Wasser, das von den Heizkörpern zum Heizungssystem zurückfließt. Viele Altbauten wurden für hohe Vorlauftemperaturen von 70 bis 90 Grad ausgelegt, was die Kondensation erschwert. Oft lässt sich die Vorlauftemperatur jedoch senken, weil die Anlage überdimensioniert ist. Ein Heizungsbauer sollte die tatsächlich benötigte Leistung prüfen. Wurden Dämmung oder Fenster erneuert, lässt sich die Vorlauftemperatur meist ohnehin reduzieren, und die Brennwerttechnik spielt ihre Vorteile voll aus. In genau diesen Fällen ist auch der Wechsel auf eine Wärmepumpe eine ernsthafte Option.

Die Regelung: Heizwerttechnik nur noch in Ausnahmen

Seit September 2015 gilt die europäische Ökodesign-Richtlinie, nach der ineffiziente Heizkessel nicht mehr in Verkehr gebracht werden dürfen. Bestehende Anlagen müssen nicht ausgetauscht werden, durch eine Heizungssanierung lassen sich aber langfristig Betriebskosten sparen. Effiziente Niedertemperaturkessel der besten Effizienzklasse bleiben in engen Grenzen zulässig. Eine praxisrelevante Ausnahme betrifft raumluftabhängige Gasetagenheizungen in Mehrfamilienhäusern, die sich einen gemeinsamen Schornstein teilen. Der Grund: Beim Austausch einer einzelnen Therme gegen ein Brennwertgerät müssten technisch alle übrigen Etagenheizungen ebenfalls angepasst werden.

Zu beachten ist außerdem das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), das das frühere Gebäudeenergiegesetz ablöst. Es streicht die starre 65-Prozent-Regel und lässt neue Öl- und Gasheizungen weiter zu, sieht aber ab 2029 über eine Bio-Treppe einen steigenden Anteil klimaneutraler Brennstoffe vor.

Lebensdauer, Wartung und Betriebskosten

Eine moderne Brennwerttherme erreicht bei regelmäßiger Wartung eine Lebensdauer von etwa 15 bis 20 Jahren. Einmal jährlich sollte ein Fachbetrieb Brenner, Abgaswerte und Sicherheitstechnik prüfen. Der entscheidende Betriebskostenfaktor bleibt der Brennstoff. Da der CO2-Preis Öl und Gas kontinuierlich verteuert, steigen die laufenden Kosten fossiler Thermen über die Jahre. Eine Brennwerttherme mildert das durch ihren höheren Wirkungsgrad ab, ändert aber nichts an der grundsätzlichen Abhängigkeit vom fossilen Energieträger. Wer die Vorlauftemperatur niedrig hält und einen hydraulischen Abgleich durchführen lässt, holt das Maximum aus der Technik heraus. Bei der Entscheidung zwischen einer neuen Brennwerttherme und einer Wärmepumpe lohnt daher immer eine Betrachtung über die gesamte Nutzungsdauer, nicht nur der Anschaffungspreis.

Fazit

Für Neubauten und energetisch sanierte Gebäude ist die Brennwerttherme klar vorzuziehen: Sie ist effizienter, und die höheren Anschaffungskosten amortisieren sich meist innerhalb weniger Jahre. Im unsanierten Altbau sollten Sie prüfen lassen, ob sich die Vorteile der Brennwerttechnik ohne aufwendige Umbauten nutzen lassen. Bei niedrigen Vorlauftemperaturen lohnt zugleich der Blick auf eine geförderte Wärmepumpe.